< Zurück   INHALT   Weiter >

3.4.5 Verstoß gegen Regeln der Wahrscheinlichkeitstheorie

Voneinander unabhängige, also zufällige Ereignisse, wie das mehrmalige Würfeln oder das Werfen von Münzen, werden häufig missverstanden. So ist im Lottospiel die Ziehung der Zahlenfolge 1,2,3,4,5,6 genauso wahrscheinlich wie jede andere Zahlenfolge, obwohl viele diese Zahlenfolge für unwahrscheinlicher als andere Folgen halten. Dieselbe Zufallswahrscheinlichkeit wie jede andere Zahlenfolge hat etwa auch das erneute Auftreten derselben Zahlenfolge bei der nächsten Ziehung.

Auf der Missachtung der Wahrscheinlichkeitsregeln beruht die Attraktivität von Glücksspielen. Außerdem glauben Glücksspieler nicht selten fälschlicherweise, zufällige Ereignisse intuitiv oder magisch beeinflussen zu können.

3.4.6 Kausale Trugschlüsse

Kausale Trugschlüsse treten auf, wenn die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Ereignissen missverstanden bzw. falsch interpretiert wird. Kausale Trugschlüsse können verschiedene Form annehmen. So können Ereignisse unabhängig voneinander geschehen, auch wenn sie gleichzeitig auftreten. Wenn eine Klasse in Mathematik schlechtere Leistungen erzielt als die Parallelklasse, so ist es – ohne weitergehende Informationen – unzulässig und falsch, diesen Unterschied als durch die jeweilige Lehrperson verursacht zu interpretieren.

Häufig sind Ursache und Wirkung entgegen verbreiteter Meinung auch nicht eindeutig zu bestimmen oder werden sogar verwechselt. Beispielsweise ist es bei der Beziehung zwischen Depression und Arbeitslosigkeit nicht eindeutig zu bestimmen, was die Ursache und was die Wirkung ist. Es kann sein, dass die Arbeitslosigkeit depressive Verstimmungen verursacht; es ist aber auch möglich, dass depressive Verstimmungen das Entstehen von Arbeitslosigkeit begünstigen. In anderen Zusammenhängen kann das gleichzeitige Auftreten von Ereignissen auf eine (übersehene) gemeinsame Ursache hinweisen. Beispielsweise verursacht

Fieber keine Halsschmerzen. Vielmehr können beide Symptome eine gemeinsame Ursache, etwa ein virale Infektion, haben.

Kausale Fehlschlüsse treten weiterhin auf, wenn aus der zeitlichen Abfolge von Ereignissen auf Kausalität geschlossen wird (sog. Post-hoc-Fehler). Wenn jemand nach Arbeitsplatzverlust krank wird, heißt das nicht, dass die Krankheit durch den Verlust der Arbeit hervorgerufen wurde. Selbst wenn aufgrund von empirischen Studien eine solche Kausalannahme eine gewisse Plausibilität hat, heißt das keineswegs, dass man Arbeitsplatzverlust als einzige und hinreichende Ursache für Erkrankungen bewerten darf. Umgekehrt ist oft nicht eine einzige Ursache (etwa ein Infektion mit Erregern) für den Ausbruch einer Krankheit verantwortlich. Bei Infektionskrankheiten ist das vermehrte Vorkommen von Erregern nur eine notwendige, keine hinreichende Krankheitsursache (so spielen oft das Immunsystem, Vorerkrankungen, augenblickliche körperliche Verfassung, Umweltfaktoren eine Rolle, ob eine Krankheit ausbricht).

3.4.7 Analogiefehler

Analogien oder Metaphern werden häufig genutzt, um Zusammenhänge verständlich und anschaulich darzustellen.Ein Beispiel ist das bekannte Atommodell von Niels Bohr, das den Aufbau des Atoms in Analogie zum Sonnensystem visualisiert.

Analogien können jedoch auch irreführend sein, wenn man sie „wörtlich“ nimmt und die Eigenschaft/en des einen Sachverhalts als Eigenschaft/en des anderen Sachverhalts ausgibt, um eine Schlussfolgerung dadurch zu rechtfertigen. Ein weithin bekanntes Beispiel für solche unzulässigen Analogien ist die lange Zeit beliebte Ausdruckskunde, die erstens Tieren bestimmte menschliche Eigenschaften zuschrieb („dummes Schaf “) und zweitens aus scheinbaren Ähnlichkeiten eines Menschen mit einer Tierart (mit den ihr zugeschriebenen Eigenschaften) auf die Eigenschaften des Menschen schloss („er hat einen Schafskopf, also ist er ein dummer Mensch“).

Beispiel: Ein Staat ist wie ein Schiff, auf dem der Präsident ein Kapitän ist. Ebenso wie die Anweisungen des Kapitäns unbedingt Folge zu leisten ist, sollte der Präsident der Loyalität der Bürger sicher sein.

Diese Analogie ist schwach und irreführend, da sich Staaten doch sehr stark von Schiffen unterscheiden und die Situation auf Schiffen nicht mit der Situation eines Landes zu vergleichen ist (Notwendigkeit strikter Entscheidungen auf Schiffen wegen stets möglicher Gefahren versus verfassungsmäßig geforderte und wünschenswerte Beachtung demokratischer Prinzipien durch einen Präsidenten). Deswegen kann die Analogie auch nicht herangezogen werden, um undemokratische Verhältnisse zu rechtfertigen.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >