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6.2.2 Tafeln und Engagementpolitik

Die politische Förderung und Unterstützung der Tafeln ist programmatischer Bestandteil der sog. Engagementpolitik der Bundesregierung (BMFSFJ), die versucht „gute Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement“ herzustellen, „damit Jung und Alt, Frauen und Männer sich für die Gesellschaft engagieren können“[1]. Die „Nationale Engagementstrategie“ der Bundesregierung hat die kommunitaristischen Zielsetzungen in ein politisches Programm gegossen. Mithilfe von Infrastrukturmaßnahmen, Freiwilligensurveys und Engagementberichten gilt es insbesondere das soziale Engagement zu fördern, und somit den Staat zu entlasten. Die Tafeln seien laut Staatssekretär Lutz Stroppe wichtige PartnerInnen dieser Engagementpolitik und ein „hervorragendes Beispiel, dass unsere Gesellschaft sich mit Armut nicht abfindet“. [2]

Das geradezu synergetische und unkritische Verhältnis zum politischen System wurde zum Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der Agenda 2010 besonders deutlich. Die Verbandszeitschrift Feedback titelte angesichts der Hartz IV-Reform: „Chancen und Herausforderungen für die Tafelarbeit“ – wobei die „Herausforderung“ sei, die zu erwartende steigende Zahl an Bedürftigen durch Professionalisierung und Gewinnung neuer Sponsoren mit Lebensmitteln zu versorgen, die „Chance“ hingegen darin bestehe, nun auch Arbeitslose in Fördermaßnahmen zur Unterstützung beschäftigen zu können. [3] Kritik an einer ‚Verarmung per Gesetz' wurde jedoch in der gesamten Ausgabe mit keinem Wort geübt. Der Bundesverband trug massiv dazu bei, das System Tafeln auszubauen, zu professionalisieren und die Tafeln als „Premiummarke“ (Witt 2011, S. 92) zu etablieren. Den Regeln der Markenführung und Monopolbildung folgend, wurde die Außendarstellung vereinheitlicht, das Angebot ausdifferenziert und die Konkurrenz abgewehrt. Die Bundestafeln setzen Markenund Gebietsansprüche auch juristisch gegen „NachahmerInnen“ (z. B. die Deutsche Tiertafel oder Initiativen wie die Kindertafel) durch – auch hier keine Spur von Solidarität innerhalb des Engagementfeldes selbst.

  • [1] bmfsfj.de/BMFSFJ/Freiwilliges-Engagement/engagement-staerken.html
  • [2] bmfsfj.de/BMFSFJ/freiwilliges-engagement,did=200540.html?view=render- Print
  • [3] Feedback, Heft 2, 2004, S. 8
 
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