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10.8 Die Ergebnisse der Erhebungen von 2002 bis 2014 im Zeitverlauf

Die „Mitte“-Studien der Universität Leipzig erfassen seit zwölf Jahren die rechtsextreme Einstellung in Deutschland und sind daher geeignet, Langzeittrends abzubilden. Im Folgenden soll die Entwicklung der sechs Dimensionen dargestellt werden, beginnend mit Abb. 10.1, welche die Zustimmungswerte bei der Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur zeigt. Insgesamt verläuft der Trend klar absteigend, wobei die Werte in Westdeutschland kontinuierlich geringer ausfallen als im Osten Deutschlands.

Der Chauvinismus war in Ostdeutschland von 2002 bis 2012 auf 23,5 % angestiegen – jedeR Vierte hatte sich demnach manifest chauvinistisch gezeigt. 2014 ist dieser Wert erstmals wieder zurückgegangen, und zwar bis auf das Niveau von 2002 (vgl. Abb. 10.2). In Westdeutschland war in den zurückliegenden zwölf Jahren eine Aufwärtsund Abwärtsbewegung zu verzeichnen, die 2014 in den niedrigsten Wert (13 %) seit Beginn der Erhebungen mündete.

Wie 2012 ist auch 2014 die parallele Entwicklung von Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit auffällig. So ist die Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland

Abb. 10.1 Die Dimension „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

Abb. 10.2 Die Dimension „Chauvinismus“ im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

nach dem Hoch 2012 (38,7 % – über alle drei Aussagen) stark zurückgegangen, während der Rückgang in Westdeutschland gering ausfällt (vgl. Abb. 10.3).

Auch die Dimension Antisemitismus verzeichnete in der aktuellen Erhebungswelle einen deutlichen Rückgang, besonders in Ostdeutschland (vgl. Abb. 10.4). Insgesamt hat sich die Ost-West-Annäherung in dieser Dimension, die zu Beginn unserer Zeitreihe eine höhere Prävalenz des Antisemitismus in Westdeutschland aufwies, stabilisiert.

Weniger eindeutig ist das Bild beim Sozialdarwinismus (vgl. Abb. 10.5). In Westdeutschland zeigt sich von 2004 bis 2014 eine leicht abfallende Tendenz. In Ostdeutschland dagegen schwankt der Wert beträchtlich und liegt 2014 mit 4,6 % etwa in der Mitte zwischen der höchsten Ausprägung 2004 (9,3 %) und der niedrigsten 2008 (1,6 %).

Dieses Bild wiederholt sich bei der Dimension „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ (vgl. Abb. 10.6). Dem relativ stetigen, leicht abnehmenden Verlauf in Westdeutschland stehen starke Schwankungen in Ostdeutschland gegenüber. 2014 ist der Gesamtwert so niedrig wie nie zuvor in den „Mitte“-Studien.

In Abb. 10.7 ist der Zeitverlauf für die rechtsextreme Einstellung als Gesamtkonstrukt dargestellt. Hierfür wurde ein Durchschnittswert gebildet, so dass jeweils der Prozentsatz derjenigen Befragten angegeben ist, die im Durchschnitt

Abb. 10.3 Die Dimension „Ausländerfeindlichkeit“ im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

Abb. 10.4 Die Dimension „Antisemitismus“ im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

Abb. 10.5 Die Dimension „Sozialdarwinismus“ im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

Abb. 10.6 Die Dimension „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ im Zeitverlauf 2002– 2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

Abb. 10.7 Die manifest rechtsextreme Einstellung im Zeitverlauf 2002–2014. (© Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler)

allen 18 Aussagen des Fragebogens zustimmten. Dafür wurden die Antwortmöglichkeiten 1 („lehne völlig ab“) bis 5 („stimme voll und ganz zu“) addiert (Maximalwert= 90). Ab einem Wert größer 63 sprechen wir von einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild.

Entsprechend dem Verlauf in den einzelnen Dimensionen zeigte sich auch hier über die Jahre bis 2012 ein massiver Anstieg bei den Befragten in Ostdeutschland, insbesondere zwischen den Jahren 2010 und 2012. War die rechtsextreme Einstellung als manifestes Weltbild 2004 bis 2006 noch stärker in Westdeutschland anzutreffen, so wendete sich in den Folgejahren das Blatt. Mit 15,8 % erreichten die Ostdeutschen 2012 den höchsten Wert – 2014 jedoch den geringsten Wert seit Beginn der Erhebungen. Die Häufigkeit von Menschen mit geschlossenem rechtsextremem Weltbild unterscheidet sich 2014 nicht signifikant zwischen Ostund Westdeutschland.

 
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