Dezentrale Energieversorgung – Die Rolle der Photovoltaik in der Energietransition

Kathrin Reinsberger und Alfred Posch

Unter den erneuerbaren Energieträgern gilt vor allem die Stromerzeugung aus Sonne, die Photovoltaik (PV), als eine der wichtigsten Formen dezentraler, elektrischer Energie. Die Vielfältigkeit ihrer Anwendungsmöglichkeiten spiegelt sich in diversen Adoptionsformen wider – es gibt PV-Anlagen für Privathaushalte, Gewerbebetriebe, Bürgerkraftwerke, aber auch gebäudeund infrastrukturintegrierte PV-Lösungen. Um das Entstehen sowie die Entwicklung relevanter AkteurInnennetzwerke zur Diffusion von Photovoltaik im ländlichen Raum weiter zu unterstützen, werden diese im vorliegenden Beitrag untersucht. Im Fokus stehen ihr institutioneller Aufbau, ihre Schlüsselelemente sowie Motivationsfaktoren und Barrieren. Diese Analyse soll zu einem besseren Verständnis der besonderen Herausforderungen, die die bereits stattfindende Transition unseres Energiesystems mit sich bringt, sowie zu einem besseren Verständnis der zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten beitragen.

Einleitung

Steigende Energiepreise, zentralisierte Erzeugungsstrukturen und die immer noch starke Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Energieimporten zeigen deutlich, dass eine umfassende Transformation unseres gegenwärtigen Energiesystems notwendig ist. Dezentral, regenerativ und effizient – diese Eigenschaften zeigen richtungsweisend den Handlungsbedarf in der aktuellen Energiedebatte rund um eine nachhaltige Veränderung bestehender Strukturen auf. Unter dem dezentralisierten Einsatz erneuerbarer Energie wird die lokale Erzeugung von Strom und Wärme direkt am Ort ihres Verbrauchs aus regional verfügbaren nachwachsenden Rohstoffen verstanden (Wolfe 2008). Vorteile dieser dezentralisierten Energieerzeugung sowie -versorgung werden in den folgenden Punkten sichtbar (Hiremath et al. 2009; Kaundinya et al. 2009; Woodman und Baker 2008):

- Niedrigere Leitungsund Verteilungskosten durch Nutzung lokaler oder regionaler Energiepotenziale

- Regionale Wertschöpfung durch Errichtung und Betrieb der Anlagen

- Geringere Netzverluste aufgrund kürzerer Transportwege

- Geringere CO2-Emissionen, sofern fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt werden

- Verringerung der Abhängigkeit von Ressourcenimporten, z. B. von Erdgas

Durch das Zusammenlegen der Erzeugung und des Verbrauchs an einem Ort werden die KonsumentInnen zugleich ProduzentInnen dezentraler Energie. Dieses ProduzentInnen-KonsumentInnen-Verhältnis, auch als „Prosumer“ bezeichnet, schafft einen bewusst effizienteren Umgang mit Energieressourcen. Hinsichtlich des Potenzials gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen Ballungszentren und ländlichen Gebieten, wie in weiterer Folge in diesem Beitrag näher untersucht werden soll.

Unter den erneuerbaren Energieträgern gilt vor allem die Stromerzeugung aus Sonne, die Photovoltaik (PV), als eine der wichtigsten Formen dezentraler elektrischer Energie (Tyagi et al. 2013) und erlebt in den letzten Jahren einen merklichen Boom in Europa. Gründe hierfür werden einerseits in der fortschreitenden technologischen Weiterentwicklung und der starken Preisreduktion der Module, andererseits in der kontinuierlichen Förderpolitik gesehen. Auch existierende Schwankungen in der Preispolitik sowie Unsicherheiten bezüglich Förderhöhe und -zeitpunkt zeigen noch keine Trendumkehr an. Auf das bedeutende Entwicklungspotenzial dieser Technologie weist auch die immer effizienter werdende Produktion von Sonnenstrom hin. Im Gegensatz zu anderen dezentralen erneuerbaren Energieformen wie Wind kann PV vor allem durch den sogenannten Skaleneffekt in kleinen Einheiten annähernd so effizient produziert werden wie in großen Einheiten. Ausgehend davon ergeben sich zukünftig neue Märkte und innovative Geschäftsmodelle für PV.

Die Vielfältigkeit ihrer Anwendungsmöglichkeiten spiegelt sich in diversen Adoptionsformen wider – es gibt PV-Anlagen für Privathaushalte, Gewerbebetriebe, Bürgerkraftwerke, aber auch gebäudeund infrastrukturintegrierte Lösungen. Neben der Nutzung von Photovoltaik in kleinen Einheiten (bis zu 5 kWp auf Haushaltsebene) konnte in den letzten drei Jahren auch die Erzeugung von Sonnenstrom in größeren Einheiten mit bis zu 2 MWp in PV-Gemeinschaftsanlagen beobachtet werden. Derzeit gibt es verschiedenste Geschäftsmodelle für PV-Gemeinschaftsanlagen – von klassischen Bürgerkraftwerken, oft durch Gemeinden oder Vereine initiiert, bis hin zu Investmentmodellen von Energieversorgungsunternehmen (Haslinger und Brandstetter 2012).

Im Jahr 2013 erreichte die Marktdiffusion von Photovoltaikanlagen in Österreich ihren vorläufigen Höhepunkt. Netzgekoppelte Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 262.621 kWp und autarke Anlagen mit einer Gesamtleistung von ca. 468 kWp wurden installiert. Insgesamt ergibt dies einen Zuwachs von 263.089 kWp, der in Österreich im Jahr 2013 zu einer kumulierten Gesamtleistung aller Photovoltaikanlagen von rund 626 MWp geführt hat (Biermayr et al. 2014).

 
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