Transition – „Übergang“

Die Transitionsforschung, welche in den vergangenen Jahren vor allem in den Niederlanden weiterentwickelt wurde (Grin et al. 2010; Loorbach 2007 u. 2010; Kemp et al. 2007), liefert einen Bezugsrahmen, um komplexe Veränderungsprozesse zu verstehen. Unter Transition – „Übergang“ versteht man hier einen radikalen, strukturellen Wandel eines gesellschaftlichen Systems als Folge einer Ko-Evolution von ökonomischen, kulturellen, technologischen, ökologischen und institutionellen Entwicklungen auf unterschiedlichen Ebenen (Geels 2002; Rotmans und Loorbach 2010).

Ausgangspunkt der Transitionsforschung ist eine integrierte, komplexe Systemperspektive (Geels 2002). Diese Perspektive ermöglicht ein hinreichendes Verständnis der Strukturen, Kulturen, Routinen und Konventionen eines gesellschaftlichen Systems. Hier sind sowohl handlungsbezogene Aspekte (primär individuelle und kollektive Akteurinnen und Akteure und deren Verhaltensweisen) als auch strukturelle Aspekte (Ressourcen, Wirtschaft strukturen, Umweltfaktoren etc.) ausgewogen vertreten. Gefördert wird das Verständnis von soziotechnischen Wandlungsprozessen durch das Wechselverhältnis von Handlungen und Strukturen. Diese Strukturen sind eingebettet in eine Mehrebenen-Perspektive, die der Beschreibung und der Analyse von Transitions-Mustern und -Dynamiken dient (Schneidewind und Scheck 2012).

Die erste wie auch übergeordnete funktionale Ebene bildet die sogenannte Landschaftsebene. Ihre Ausprägungen umfassen kaum messbare, exogene Faktoren wie globale Trends, Regeln und Institutionen. Durch die Landschaftsebene werden somit kaum beeinflussbare Rahmenbedingungen für strukturelle Veränderungen auf den beiden anderen, untergeordneten, Ebenen vorgegeben. Das Regime beschreibt die zweite Ebene in der Systemperspektive und setzt sich aus kognitiven (Leitbilder, Innovationsperspektiven), regulativen (Gesetze, Richtlinien) und normativen (Werte, Rollen) Regeln, die von verschiedensten Akteurinnen und Akteuren eines Regimes (Unternehmen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Regierung) vorgegeben werden, zusammen. Im Regime, auch als Machtzentrum bezeichnet, werden dominante Strukturen, Kulturen, Routinen und Konventionen eines Gesamtsystems abgebildet. Die Nische stellt die dritte Ebene in der Mehrebenen-Perspektive dar und ist gekennzeichnet durch kollektive und individuelle Akteurinnen und Akteure, Technologien und Routinen, aus denen heraus soziotechnische Innovationen entstehen. Die Nischenund Regime-Ebene unterscheidet sich je nach betrachtetem Schlüsselbereich (Bsp. Energiesektor), da es hier zu unterschiedlichen Innovationen wie auch Märkten, unterschiedlichem NutzerInnenverhalten, unterschiedlicher Infrastruktur etc. kommt. Die Landschaftsebene hingegen erstreckt sich über alle Teilbereiche und beschreibt beispielsweise exogene, schwer messund beeinflussbare Rahmenbedingungen wie Klimawandel, Globalisierung, Verbreitung postmaterialistischer Wertehaltungen oder wirtschaftliche und demografische Konkurrenz von bestimmten Regionen im Gegensatz zu anderen.

Diese Mehrebenen-Perspektive dient in der Transitionsforschung vor allem dazu, die Dynamiken zwischen diesen funktionalen Ebenen zu analysieren und die Rolle der jeweiligen Ebenen in Wandelprozessen sowie bestimmte Muster von Wandelprozessen abzuleiten (Schneidewind und Scheck 2012, S. 45). Wandel entsteht in diesem Gesamtsystem durch das Entstehen und die Entwicklung von soziotechnischen Nischen, die sich durch Anhäufung und Verstärkung zu Nischen-Regimen entwickeln können. Durch Instabilitäten oder die Beharrungskräfte der Regime-Akteurinnen und -Akteure können solche Innovationen im Nischen-Regime Teil der Ebene des Regimes werden.

 
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