Photovoltaik als soziotechnische Innovation

Soziotechnische Innovationen entstehen in der Mehrebenen-Perspektive auf der untersten Ebene, der Nische. So können sich Innovationen in geschützten Bereichen oder in Marktnischen entwickeln und sind dementsprechend nicht dem Selektionsdruck des vorherrschenden Regimes ausgesetzt. Auch die Photovoltaik gilt als soziotechnische Innovation. Eine rein technische Betrachtung der Innovation Photovoltaik ist oftmals auf die Betrachtung der Produktionsseite ausgerichtet, während sich der systemische Ansatz weitestgehend auch auf die Verbreitung und Verwendung der Technologie ausweitet. Insbesondere die Einbindung von AnwenderInnen, verstanden als die soziale Komponente der Systemperspektive, kann eine tragende Rolle für den Durchbruch und die weitere Diffusion von Technologien einnehmen. Somit beschreibt Photovoltaik als soziale Innovation die Rolle partizipativer Prozesse im Wandel der Energieversorgung. Transition wird also auch durch das enge Zusammenspiel von einer großen Anzahl an Akteurinnen und Akteuren beeinflusst. Durch den Ansatz der Partizipation soll die Frage geklärt werden, wie diese Akteurinnen und Akteure aktiv in Entscheidungsund Gestaltungsprozesse miteinbezogen werden können.

Die Mehrzahl der Innovationsstudien fokussierte in den letzten Jahren auf marktorientierte, technologische Innovationen im Gegensatz zur Implementierung von neuartigen, sozialen Innovationen. Technologische Innovationen kämpfen oft mit Pfadabhängigkeiten und haben deshalb ein Risiko des sogenannten „Lock-in“ in nicht-effizienten Entwicklungstrajektorien. Soziale Innovationen hingegen treten verstärkt in kleinen, oft nur schlecht beschützten Nischen auf (Geels 2005; Smith et al. 2010). Daraus resultierend, legen wir in weiterer Folge den Fokus unseres Beitrags auf soziale Innovationen, die vor allem durch „Bottom-up-Muster“ entstehen. Unter „Bottom-up“ verstehen wir verschiedenste Formen zivilgesellschaftlicher Beteiligung. Zivilgesellschaft umfasst in unserem Verständnis nicht nur BürgerInnen, sondern vielmehr eine Vielzahl an Akteurinnen und Akteure, die Energietransition aktiv von der Nischenebene aus durch soziale Innovationen mitgestalten wollen. Die ersten Beispiele für „Bottom-up-Muster“ im Bereich Erneuerbarer Energien finden sich in der Windenergieproduktion. Seit mehr als zwei Jahren gibt es jedoch auch Bottom-up-Initiativen für Photovoltaik – von klassischen Bürgerkraftwerken in örtlicher oder gemeinschaftlicher Zusammenarbeit bis hin zu Beteiligungsmodellen diverser Energieversorger.

Von der Innovation zur Adoption/Diffusion

In der Literatur und Praxis wird der Innovationsprozess weitläufig in drei Hauptphasen nach Thom (1980) eingeteilt: Ideengenerierung, Ideenakzeptierung, Ideenrealisierung. Am Ende dieses Prozesses steht die Adoption einer Idee, eines Produkts oder wie in unserem Fall einer Technologie. Die Adoptionstheorie beschreibt also die auf der Individualebene relevanten Faktoren, die zu einer Übernahme (Adoption) oder Ablehnung (Rejektion) einer Innovation führen (Schmalen und Pechtl 1996). Die Aggregation individueller Adoptionsprozesse führt in Folge zur sogenannten Diffusion, also zur Verbreitung einer Technologie. Abbildung 1 gibt einen Überblick über das beschriebene Adoptionsverhalten.

Abb. 1 Einflussfaktoren auf die PV-Adoption auf Haushaltsebene (eigene Darstellung in Anlehnung an Schmalen und Pechtl 1996)

 
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