Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum

Betrachtet man die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, ist die Abgrenzung zwischen städtischem und ländlichem Raum von grundlegender Bedeutung. Nachdem es diesbezüglich für Österreich keine einheitlichen Standards gibt, werden zunächst verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, den ländlichen Raum für den Bereich der Gesundheitsversorgung zu definieren, bevor auf die aktuelle Situation der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum näher eingegangen werden kann. Die Untersuchung hinsichtlich der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum in Österreich basiert auf der Analyse empirischer Daten, die auf einige zentrale Leistungsanbieter, nämlich Krankenanstalten, Ärzte/Ärztinnen und Apotheken, beschränkt bleibt. Die Ergebnisse der Untersuchung für den ländlichen Raum werden in der Folge jenen für den städtischen Raum gegenübergestellt, um etwaige Ungleichgewichte zu identifizieren. Abschließend wird über einen Vergleich der Versorgungssituation im Jahr 2002 mit jener im Jahr 2013/2014 die Veränderung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum dargestellt.

Ländlicher Raum: Mögliche Definitionen

Auf internationaler Ebene existieren verschiedene Ansätze zur Abgrenzung des ländlichen Raums, die v. a. im Bereich der internationalen Berichtspflichten auch in Österreich eine große Rolle spielen. Die Anwendung der Regionaltypologie der OECD führt auf Basis der Bevölkerungsdichte auf Gemeindeebene zu einer Dreiteilung der 35 sogenannten NUTS-3-Einheiten Österreichs in zwei „überwiegend städtische“, acht „intermediäre“ sowie 25 „überwiegend ländliche“ Regionen (Statistik Austria 2014). Für den Gesundheitsbereich erscheint die Anwendung dieser Klassifikation aus zwei Gründen nicht optimal: Bereits speziell für Österreich entwickelte Untergliederungen des Staatsgebietes für den Bereich der Gesundheitsversorgung folgen kaum der NUTS-Systematik, und zudem erscheint die auf Basis dieser Systematik entstandene Unterteilung in städtische und ländliche Regionen für den Gesundheitsbereich nicht zielführend. Bei den beiden „überwiegend städtischen“ Regionen handelt es sich um die Regionen „Wien“ und „Rheintal-Bodensee“; die Regionen

„Graz“ und „Linz-Wels“ etwa, die jedenfalls zentrale Versorgungsfunktionen im Gesundheitsbereich inne haben, sind dagegen lediglich „intermediäre“ Regionen. Die Stadt-Land-Typologie der Europäischen Kommission ist der Regionaltypologie der OECD sehr ähnlich, allerdings wird die Bevölkerungsdichte nicht auf Gemeindeebene, sondern auf einer „1 km Raster-Ebene“ ermittelt, wodurch sich die Anzahl der „überwiegend städtischen“ Regionen von zwei auf fünf erhöht und nun auch die Regionen „Wiener Umland-Nord“, „Wiener Umland-Süd“ sowie

„Innsbruck“ zu dieser Gruppe zählen. Dafür reduziert sich die Anzahl der „intermediären“ Regionen von acht auf fünf, jene der „überwiegend ländlichen“ Regionen bleibt gleich (Statistik Austria 2014). Gegen eine Anwendung dieser Klassifikation für die Analyse der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sprechen ebenfalls oben genannte Gründe.

Eine für den Gesundheitsbereich bedeutende Untergliederung des Staatsgebietes, an die eine Abgrenzung des ländlichen Raums gut anknüpfen könnte, stellt die im ÖSG vorgenommene Einteilung dar (BMG 2012). Dort wird Österreich auf erster Ebene in die vier Versorgungszonen „Ost“ (Burgenland-Nord, Niederösterreich, Wien), „Süd“ (Burgenland-Süd, Kärnten, Steiermark), „Nord“ (Oberösterreich, Salzburg) und „West“ (Tirol, Vorarlberg), auf zweiter Ebene in die neun Bundesländer, auf dritter Ebene in 32 eigens dafür geschaffene Versorgungsregionen und auf vierter Ebene in die 95 politischen Bezirke unterteilt. Auf welcher dieser vier Ebenen die Abgrenzung zwischen städtischem und ländlichem Raum am günstigsten erfolgen sollte, lässt sich nicht generell beantworten, sondern ist stark vom jeweiligen Teilbereich der Gesundheitsversorgung abhängig.

Tab. 1 Ländlicher Raum auf Basis der Versorgungsregionen (eigene Darstellung; Datenquelle: Statistik Austria; BMG 2012)

Fläche (km²)

Bevölkerungs- Ländlich Ländlich Bevölkerung dichte Variante 1 Variante 2

(EW/km²) (Ballungsräume) (150 EW/km²)

Zone

Versorgungsregion

2013

2002 2013 2002

Ost

11 Burgenland-Nord

2.491

189.161

178.828

76

72

X

X

Ost

31 NÖ Mitte

4.037

381.490

361.154

94

89

X

X

Ost

32 Waldviertel

3.639

138.756

145.741

38

40

X

X

Ost

33 Weinviertel

4.237

306.672

287.063

72

68

X

X

Ost

34 Industrieviertel

3.918

550.428

512.970

140

131

X

X

Ost

35 Mostviertel

3.355

241.246

237.739

72

71

X

X

Ost

91 Wien-Mitte-Südost

101

765.872

693.997

7.584

6.872

Ost

92 Wien-West

167

663.593

609.300

3.976

3.650

Ost

93 Wien-Nordost

147

311.781

267.826

2.125

1.825

Süd

12 Burgenland-Süd

1.470

97.530

97.845

66

67

X

X

Süd

21 Kärnten-Ost

4.821

335.536

336.292

70

70

X

X

Süd

22 Kärnten-West

4.717

219.937

223.641

47

47

X

X

Süd

61 Graz

1.230

410.094

364.679

333

296

Süd

62 Liezen

3.268

79.040

81.873

24

25

X

X

Süd

63 Östliche Obersteiermark

3.254

163.272

174.997

50

54

X

X

Süd

64 Oststeiermark

3.363

266.394

267.753

79

80

X

X

Süd

65 West-/Südsteiermark

2.226

189.889

190.038

85

85

X

X

Süd

66 Westliche Obersteiermark

3.060

102.282

108.777

33

36

X

X

Nord

41 OÖ Zentralraum Linz

556

331.670

312.058

597

561

Nord

42 OÖ Zentralraum Wels

1.342

221.670

212.817

165

159

X

Nord

43 Mühlviertel

3.084

269.472

264.167

87

86

X

X

Nord

44 Pyhrn-Eisenwurzen

2.238

152.147

152.423

68

68

X

X

Nord

45 Traunviertel-Salzkammergut

2.517

230.196

226.063

91

90

X

X

Nord

46 Innviertel

2.243

213.343

210.274

95

94

X

X

Nord

51 Salzburg-Nord

1.739

348.105

333.828

200

192

X

Nord

52 Pinzgau-Pongau-Lungau

5.417

183.793

183.222

34

34

X

X

West

71 Tirol-Zentralraum

3.936

370.088

343.548

94

87

X

X

West

72 Tirol-West

4.554

132.721

128.380

29

28

X

X

West

73 Tirol-Nordost

2.131

164.008

153.408

77

72

X

X

West

74 Osttirol

2.019

49.071

50.365

24

25

X

X

West

81 Rheintal-Bregenzerwald

1.038

210.844

197.789

203

191

X

West

82 Vorarlberg-Süd

1.564

161.759

154.785

103

99

X

X

Gesamt

83.879

8.451.860

8.063.640

27

24

Für die Untersuchung der Versorgung mit Krankenanstalten bietet sich eine Abgrenzung auf Ebene der Versorgungsregionen an, da eine Analyse auf Ebene der politischen Bezirke zu detailliert erscheint. In Tabelle 1 sind die 32 Versorgungsregionen samt Zuordnung zu den vier Versorgungszonen aufgelistet. Für die konkrete Abgrenzung zwischen ländlichen und städtischen Versorgungsregionen gibt es kein etabliertes Verfahren, weshalb nachfolgend zwei verschiedene Möglichkeiten vorgestellt und in der Folge eingesetzt werden. Einerseits wird eine Abgrenzung nach der Bevölkerungsanzahl (Variante 1) vorgenommen, wobei „Ballungsräume“, darunter werden Versorgungsregionen verstanden, die Gemeinden (Städte) mit zumindest annähernd 200.000 EinwohnerInnen[1] umfassen, als städtisch gelten; nachdem die Stadt Wien in drei Versorgungsregionen untergliedert ist, gibt es aktuell also insgesamt fünf städtische und 27 ländliche Versorgungsregionen (siehe Tabelle 1, Spalte 8). Die Gesamtheit der ländlichen Versorgungsregionen bildet somit den ländlichen Raum. Alternativ wird eine Abgrenzung nach der Bevölkerungsdichte (Variante 2) vorgenommen: Versorgungsregionen mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als 150 EW/km² werden als ländlich eingestuft[2], die übrigen als städtisch, woraus sich aktuell eine Anzahl von 24 ländlichen und acht städtischen Versorgungsregionen ergibt (siehe Tabelle 1, Spalten 6 und 9).

Für die Leistungsanbieter „Ärzte/Ärztinnen“ und „Apotheken“ erscheint eine Definition des ländlichen Raums auf der detaillierteren Ebene der politischen Bezirke durchaus zweckmäßig. In Tabelle 2 sind dazu die derzeit 95 politischen Bezirke Österreichs angeführt. Auch auf der Ebene der politischen Bezirke existiert kein etabliertes Verfahren zur Abgrenzung zwischen ländlichem und städtischem Raum, weshalb wiederum zwei mögliche Verfahren vorgestellt und nachfolgend eingesetzt werden. Die erste Variante (Variante 3) bildet eine Abgrenzung auf Basis eines vorhandenen Statuts, das Gemeinden verliehen werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um städtische Zentren[3] mit überregionaler Bedeutung handelt. Durch diese Verleihung werden diese Gemeinden zu Städten mit eigenem Statut. Sämtliche Städte mit eigenem Statut bilden jeweils einen eigenen politischen Bezirk. Insgesamt handelt es sich bei 15 politischen Bezirken um Statutarstädte. Die restlichen 80 Bezirke stellen „Landbezirke“ dar und bilden hier den ländlichen Raum (siehe Tabelle 2, Spalte 7). Die zweite Variante bildet wiederum eine Abgrenzung

Tab. 2 Ländlicher Raum auf Basis der politischen Bezirke (eigene Darstellung; Datenquelle: Statistik Austria)

Fläche (km2)

Bevölkerung

Bevölkerungs Ländlich Ländlich dichte Variante 3 Variante 4

(EW/km2) (Statut) (150 EW/km2)

Politischer Bezirk

2014

2002

2014

2002

Eisenstadt(Stadt)

43

13.485

11.644

315

272

Eisenstadt-Umgebung

453

41.474

38.738

92

86

X

X

Güssing

485

26.394

26.867

54

55

X

X

Jennersdorf

253

17.376

17.884

69

71

X

X

Mattersburg

238

39.134

37.379

165

157

X

Neusiedl am See

1.038

56.504

51.559

54

50

X

X

Oberpullendorf

701

37.534

37.778

54

54

X

X

Oberw art

732

53.573

53.094

73

73

X

X

Rust(Stadt)

20

1.942

1.730

97

87

X

Burgenland

3.962

287.416

276.673

73

70

Feldkirchen

559

30.082

30.313

54

54

X

X

Hermagor

809

18.547

19.675

23

24

X

X

Klagenfurt Land

766

58.435

56.443

76

74

X

X

Klagenfurt Stadt

120

96.640

90.869

805

757

Sankt Veit an der Glan

1.494

55.394

58.562

37

39

X

X

Spittal an der Drau

2.764

76.971

81.666

28

30

X

X

Villach Land

1.009

64.268

64.871

64

64

X

X

Villach Stadt

135

60.004

57.429

445

426

Völkermarkt

908

42.068

43.660

46

48

X

X

Wolfsberg

974

53.472

56.445

55

58

X

X

Kärnten

9.538

555.881

559.933

58

59

Amstetten

1.186

112.944

109.399

95

92

X

X

Baden

754

140.078

126.556

186

168

X

Bruck an der Leitha

495

43.615

40.121

88

81

X

X

Gänserndorf

1.272

97.460

88.190

77

69

X

X

Gmünd

787

37.420

39.916

48

51

X

X

Hollabrunn

1.011

50.065

49.877

50

49

X

X

Horn

784

31.273

32.244

40

41

X

X

Korneuburg

627

76.370

68.135

122

109

X

X

Krems an der Donau(Stadt)

52

24.085

23.353

466

452

Krems(Land)

923

55.945

54.291

61

59

X

X

Lilienfeld

932

26.040

26.963

28

29

X

X

Melk

1.014

76.369

75.541

75

74

X

X

Mistelbach

1.293

74.150

72.483

57

56

X

X

Mödling

277

115.677

106.816

417

385

X

Neunkirchen

1.150

85.539

85.774

74

75

X

X

Sankt Pölten(Land)

1.123

97.365

93.333

87

83

X

X

Sankt Pölten(Stadt)

108

52.145

49.009

481

452

Scheibbs

1.024

41.073

41.135

40

40

X

X

Tulln

658

72.104

64.736

110

98

X

X

Waidhofen an der Thaya

669

26.424

28.133

39

42

X

X

Waidhofen an der Ybbs(Stadt)

131

11.341

11.664

86

89

X

Wiener Neustadt(Land)

972

75.285

71.891

77

74

X

X

Wiener Neustadt(Stadt)

61

42.273

37.804

694

620

Wien-Umgebung

485

117.343

101.855

242

210

X

Zw ettl

1.399

43.102

45.448

31

32

X

X

Niederösterreich

19.186

1.625.485

1.544.667

85

81

Braunau am Inn

1.040

98.842

95.025

95

91

X

X

Eferding

260

31.961

30.666

123

118

X

X

Freistadt

994

65.208

64.130

66

65

X

X

Gmunden

1.433

99.540

99.401

69

69

X

X

Grieskirchen

579

62.938

62.042

109

107

X

X

Kirchdorf an der Krems

1.239

55.571

55.312

45

45

X

X

Fläche (km2)

Bevölkerung

Bevölkerungs Ländlich Ländlich dichte Variante 3 Variante 4

(EW/km2) (Statut) (150 EW/km2)

Politischer Bezirk

2014

2002

2014

2002

Linz(Stadt)

96

193.814

182.304

2.019

1.899

Linz-Land

460

141.540

129.754

308

282

X

Perg

613

66.269

64.106

108

105

X

X

Ried im Innkreis

584

58.714

58.320

100

100

X

X

Rohrbach

827

56.455

57.805

68

70

X

X

Schärding

618

56.287

56.929

91

92

X

X

Steyr(Stadt)

27

38.120

39.415

1.436

1.485

Steyr-Land

973

58.618

57.696

60

59

X

X

Urfahr-Umgebung

650

82.109

78.126

126

120

X

X

Vöcklabruck

1.085

131.497

126.662

121

117

X

X

Wels(Stadt)

46

59.339

56.842

1.293

1.239

Wels-Land

458

68.600

63.267

150

138

X

Oberösterreich

11.980

1.425.422

1.377.802

119

115

Hallein

669

58.336

54.380

87

81

X

X

Salzburg(Stadt)

66

146.631

143.671

2.234

2.189

Salzburg-Umgebung

1.005

145.275

135.777

145

135

X

X

Sankt Johann im Pongau

1.755

78.614

77.619

45

44

X

X

Tamsw eg

1.020

20.450

21.313

20

21

X

X

Zell am See

2.642

84.964

84.290

32

32

X

X

Salzburg

7.156

534.270

517.050

75

72

Bruck-Mürzzuschlag

2.155

100.855

107.548

47

50

X

X

Deutschlandsberg

864

60.466

61.366

70

71

X

X

Graz(Stadt)

127

269.997

232.930

2.118

1.827

Graz-Umgebung

1.103

145.660

131.749

132

119

X

X

Hartberg-Fürstenfeld

1.223

89.252

90.516

73

74

X

X

Leibnitz

683

77.774

75.252

114

110

X

X

Leoben

1.099

61.771

67.449

56

61

X

X

Liezen

3.268

78.893

81.873

24

25

X

X

Murau

1.384

28.740

31.301

21

23

X

X

Murtal

1.676

73.041

77.476

44

46

X

X

Südoststeiermark

1.069

88.843

91.198

83

85

X

X

Voitsberg

679

51.599

53.420

76

79

X

X

Weiz

1.071

88.355

86.039

83

80

X

X

Steiermark

16.401

1.215.246

1.188.117

74

72

Imst

1.724

57.271

53.219

33

31

X

X

Innsbruck-Land

1.989

169.680

155.474

85

78

X

X

Innsbruck-Stadt

105

124.579

112.882

1.189

1.077

Kitzbühel

1.162

62.318

59.308

54

51

X

X

Kufstein

969

103.317

94.100

107

97

X

X

Landeck

1.595

43.906

43.583

28

27

X

X

Lienz

2.019

48.990

50.365

24

25

X

X

Reutte

1.236

31.672

31.578

26

26

X

X

Schw az

1.842

80.305

75.192

44

41

X

X

Tirol

12.640

722.038

675.701

57

53

Bludenz

1.286

61.100

60.835

48

47

X

X

Bregenz

865

128.568

121.577

149

140

X

X

Dornbirn

172

84.117

76.212

488

442

X

Feldkirch

278

101.497

93.950

365

338

X

Vorarlberg

2.601

375.282

352.574

144

136

Wien (Stadt)

415

1.766.746

1.571.123

4.261

3.789

Wien

415

1.766.746

1.571.123

4.261

3.789

Österreich

83.879

8.507.786

8.063.640

101

96

80

74

nach der Bevölkerungsdichte (Variante 4). Als Grenze zwischen ländlichem und städtischem Bezirk fungiert abermals eine Bevölkerungsdichte in Höhe von 150 EW/km², diesmal auf der Ebene des politischen Bezirks. Das ergibt für 2014 eine Einteilung der 95 politischen Bezirke Österreichs in 74 ländliche und 21 städtische (siehe Tabelle 2, Spalten 5 und 8).

Je nach gewählter Variante zur Abgrenzung zwischen ländlich und städtisch ergibt sich ein unterschiedlich großer ländlicher Raum. Tabelle 3 zeigt für jede der vier diskutierten Varianten den Umfang des so ermittelten ländlichen Raums, gemessen als Anteil an der Gesamtfläche bzw. Gesamtbevölkerung Österreichs. Demnach umfasst beispielsweise der nach Variante 1 abgegrenzte ländliche Raum mehr als 97 % der Fläche und im Jahr 2013 mehr als 70 % der Bevölkerung Österreichs. Vergleicht man die vier Varianten hinsichtlich Flächenund Bevölkerungsanteil, so lässt sich erkennen, dass die Varianten 2 und 4 den ländlichen Raum enger abgrenzen als die Varianten 1 und 3. Betrachtet man die Entwicklung der Bevölkerungsanteile von 2002 bis 2014 (2013), so zeigt sich, dass der Bevölkerungsanteil im ländlichen Raum variantenunabhängig um beinahe 2 % abgenommen hat.

Tab. 3 Ländlicher Raum: Fläche und Bevölkerung (eigene Darstellung; Datenquelle: Statistik Austria)

Abgrenzung

Ebene Detail

Fläche (Anteil in %)

Bevölkerung (Anteil in %)

2014 (2013) 2002 Veränderung

Versorgungs-

Variante 1 (Ballungsräume)

97,4%

70,6%

72,1%

1,5%

region

Variante 2

(150 EW/km²)

92,5%

61,4%

62,9%

1,5%

Politischer

Variante 3 (Statut)

98,2%

65,9%

67,5%

1,6%

Bezirk

Variante 4

(150 EW/km²)

94,6%

56,6%

58,5%

1,9%

Deutlicher tritt die Verlagerung des Bevölkerungsschwerpunktes in den städtischen Raum bei Betrachtung von Tabelle 4 hervor: Die beiden rechten Spalten legen, wiederum weitgehend variantenunabhängig, offen, dass sich infolge des relativ starken Bevölkerungswachstums in Österreich im Betrachtungszeitraum zwar auch die Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum leicht erhöht hat; die Veränderung der Bevölkerungsdichte im städtischen Raum war jedoch um ein Vielfaches höher. Es ist weiter zu erkennen, dass auf Ebene der Versorgungsregionen der auf Basis von Variante 2 abgegrenzte ländliche Raum eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte aufweist als jener, welcher auf Basis von Variante 1 abgegrenzt wird. Auf Ebene der politischen Bezirke gilt dasselbe für den nach Variante 4 abgegrenzten im Vergleich zu dem nach Variante 3 abgegrenzten ländlichen Raum. Diese jeweils geringere Bevölkerungsdichte könnte ein Argument darstellen, um im Falle einer Beschränkung auf jeweils eine Abgrenzungsvariante den Varianten 2 und 4 den Vorzug zu geben, wie dies im Rahmen von Abschnitt 3.2.3 geschieht.

Tab. 4 Bevölkerungsdichte im ländlichen und städtischen Raum (eigene Darstellung; Datenquelle: Statistik Austria)

Ebene

Abgrenzung

Detail

Bevölkerungsdichte (EW/km²)

2014 (2013) 2002 Veränderung Ländlich Städtisch Ländlich Städtisch Ländlich Städtisch

Versorgungs-

Variante 1 (Ballungsräume)

73

1.128

71

1.021

+ 3%

+ 10%

region

Variante 2

(150 EW/km²)

67

516

65

474

+ 2%

+ 9%

Politischer

Variante 3 (Statut)

68

1.870

66

1.691

+ 3%

+ 11%

Bezirk

Variante 4

(150 EW/km²)

61

817

59

740

+ 2%

+ 10%

  • [1] Gemäß Regionaltypologie der OECD wird bei Gemeinden mit einer EinwohnerInnenzahl von mindestens 200.000 von urbanen Zentren gesprochen. Für die vorliegende Untersuchung wurde diese Grenze für die Definition der „Ballungsräume“ etwas abgesenkt (daher „annähernd“), um auch noch die dritte Großstadt Österreichs, nämlich Linz, einbeziehen zu können
  • [2] Auch diesbezüglich wird auf die Regionaltypologie der OECD zurückgegriffen, wonach Gemeinden mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als 150 EW/km² als ländlich klassifiziert werden. Diese Grenze wird hier von der Gemeindeebene auf die Ebene der Versorgungsregionen übertragen
  • [3] Ein städtisches Zentrum sollte u. a. eine entsprechend hohe Bevölkerungsdichte aufweisen. 13 der 15 Statutarstädte erfüllen diese Anforderung mit Bevölkerungsdichten von mehr als 300 EW/km² problemlos. Die Statutarstädte Rust im Burgenland und Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich, die Bevölkerungsdichten von weniger als 100 EW/km² aufweisen, werden in der vorliegenden Untersuchung bei der Abgrenzung nach Variante 3 aber dennoch als städtische Zentren betrachtet
 
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