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Eschenburg als Namenspatron?

Was spricht nun aus unserer Sicht dafür und was dagegen, Eschenburg als Namenspatron des Wissenschaftspreises der DVPW zu behalten?

Zunächst zwei Vorbemerkungen. Erstens gilt es zu unterstreichen, dass es unseres Erachtens nicht primär um die Frage des Grades an „Mitläufertum“ bei Eschenburg geht, denn hier sind unterschiedliche Bewertungen möglich. Wir neigen vor dem Hintergrund der zeitgeschichtlichen Forschung zur Bedeutung der „fiskalischen Ausplünderung“ zu der Auffassung, dass Eschenburg sich mit seiner Tätigkeit als korporativ einbezogener Wirtschaftsvertreter funktional im Sinne der Stabilisierung des NS-Regimes verhalten hat – unabhängig vom Grad seiner Involviertheit und von seinem konkreten Agieren in dem Arisierungsfall Wilhelm Fischbein.

Zweitens gilt es in diesem Zusammenhang zu betonen, dass keiner der in der aktuellen Debatte Beteiligten Theodor Eschenburg Antisemitismus oder eine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus unterstellt, ein Eindruck der womöglich entstehen kann, wenn man nur die Zurückweisung der Kritik an Eschenburg zur Kenntnis nimmt. Eschenburg verfügte über ein weit gespanntes soziales Netz, das auch Sozialdemokraten und jüdische Freunde und Bekannte einschloss, wie zuletzt Hans-Joachim Lang dargelegt hat. Doch um den Vorwurf des Antisemitismus geht es nicht.

Es geht vielmehr um die Frage, ob jemand ein würdiger Namensgeber für einen Preis ist, der sich über sein eigenes Verhalten im Nationalsozialismus jenseits der Floskel, „kein Held“ gewesen zu sein, und der Behauptung, dass ein solches Verhalten nicht beurteilen könne, wer es nicht selbst durch eigenes Erleben gekannt habe, in wichtigen Punkten ausschweigt. Dass Eschenburg im kleinen Kreis, in seinem Colloquium etwa – wie einige seine Schüler berichten, Aufzeichnungen gibt es nicht – darüber gesprochen hat, kann bei einem die Öffentlichkeit suchenden Politikwissenschaftler wie Eschenburg nicht als Ersatz für eine solche Aufarbeitung gelten. Im Fall des öffentlichen Politiklehrers Theodor Eschenburg kommt es auch bei diesem Thema auf die Öffentlichkeit an. Zwar hat Hermann Lübbe das kollektive Beschweigen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft als eine funktionale Notwendigkeit für den Aufbau der westdeutschen Demokratie ansehen wollen und dafür die Verdrängung und Vernachlässigung der Opferperspektiven kühl in Kauf genommen; „Achtundsechzigern“ wie Claus Offe hat dieses Schweigen der Täter und Mitläufer dagegen noch nie eingeleuchtet. Sie haben stattdessen versucht, Licht in Biographien hineinzubringen, die zwischen 1933 und 1945 bemerkenswerte Lücken aufwiesen.

 
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