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Der „Fall Eschenburg“: Die Bankrotterklärung der Politikwissenschaft

[Erstveröffentlichung: Blätter für deutsche und internationale Politik 12/2013, S. 87-93. Wiederabdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Besonderer Dank geht an Albrecht von Lucke.]

Am 26. Oktober hat der politologische Fachverband Deutschlands, die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), entschieden, ihren 2003 erstmalig und danach im Drei-Jahres-Abstand vergebenen Preis für ein politikwissenschaftliches Lebenswerk nicht mehr zu verleihen. Dieser Preis trug den Namen Theodor Eschenburgs, des viele Jahre lang prominentesten deutschen Politikwissenschaftlers, eines Gründungsvaters dieser Disziplin, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegen beträchtliche Widerstände in den Fächerkanon der deutschen Universitäten aufgenommen worden war.

Eschenburgs Rolle im Nationalsozialismus ist Gegenstand einer heftigen Debatte innerhalb der politikwissenschaftlichen Zunft. In der DVPW-Pressemitteilung vom 27. Oktober stellt die Verbandsvorsitzende Gabriele Abels fest: „Die bisherigen Aufdeckungen und die intensiven Debatten haben deutlich gemacht, dass es neben den belastenden auch zahlreiche entlastende Erkenntnisse gibt“. Und weiter heißt es: „Unzweifelhaft ist, dass weiterhin gravierende Wissenslücken bestehen, die es auf dem derzeitigen Stand des Wissens unmöglich machen, die Biographie Eschenburgs vor sowie nach 1945 hinreichend zu kontextualisieren, um zu einer Einschätzung zu kommen.“ Angesichts der eingestandenen Wissenslücken muss es umso mehr erstaunen, dass DVPW-Vorstand und -Beirat einstimmig für den

„Wegfall des Preises“ plädiert haben. Denn natürlich ist damit in der öffentlichen Wahrnehmung die vom Vorstand in Abrede gestellte „abschließende Beurteilung des Verhaltens Theodor Eschenburgs in der NS-Zeit verbunden“. Genau dies, ein vorschnelles „sichtbares und unhaltbares Unwerturteil über einen Mitbegründer der DVPW“ zu vermeiden, hatten über 100 Politikwissenschaftler, darunter der Autor, vorab dringend gefordert. Vergebens.

Was mit der DVPW-Entscheidung dagegen ebenfalls abgeschlossen wird, bevor es überhaupt stattgefunden hat, ist die dringend erforderliche Auseinandersetzung mit der Rolle der deutschen Politikwissenschaftler vor 1945 – und ihre nicht minder notwendige Kontextualisierung. Dafür hätte der „Fall Eschenburg“ einen geeigneten Anfang bedeuten können.

 
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