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Die negierte Schuld Wie Theodor Eschenburg die NS-Beamtenschaft rechtfertigt

[Erstveröffentlichung: Blätter für deutsche und internationale Politik 1/2014, S. 113-120. Wiederabdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Besonderer Dank geht an Albrecht von Lucke.]

In der Politikwissenschaft wird seit geraumer Zeit erbittertert über Theodor Eschenburg gestritten, einen der Gründerväter der Zunft nach 1945. Als Rektor der Universität Tübingen verschaffte Eschenburg dem jüdischen Philosophen – und Marxisten – Ernst Bloch nach dessen Verlassen der DDR eine Gastprofessor. Eschenburg hatte den Ruf eines liberalen, publizistisch einflussreichen Wissenschaftlers, der sich an der Ordnung des Grundgesetzes orientiert. Doch in den 30er Jahren war er selbst an der Arisierung eines jüdischen Unternehmens und damit an der Durchsetzung der NS-Herrschaft beteiligt. Das wurde durch Forschungen von Rainer Eisfeld bekannt, ebenso wie der Fakt, dass Eschenburg in jener Zeit auch eine Weile Mitglied der Motor-SS war. Durch die Erkenntnisse Eisfelds, der sich bereits vor über 20 Jahren fragwürdigen Kontinuitäten der deutschen Politikwissenschaft gewidmet hat, erscheinen nun auch Theodor Eschenburgs Beiträge in der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem neuen Licht, insbesondere jene zur Rolle der Beamtenschaft im NS-System. Im Umgang mit dieser kommt indirekt auch Eschenburgs Umgang mit seiner eigenen Biographie, und mit der Durchsetzung der NS-Herrschaft in einem Teilbereich des Hitler-Regimes, zum Ausdruck.

Theodor Eschenburg und „Die Zeit“

Die Bedeutung Theodor Eschenburgs für die deutsche Öffentlichkeit nach 1945 ist ohne seine Wirkung durch „Die Zeit“ nicht zu begreifen. Seine zahlreichen Artikel in der Hamburger Wochenzeitung verschafften ihm bundesweite Aufmerksamkeit, ließen ihn überhaupt erst zum viel beschworenen praeceptor germaniae avancieren. Der langjährige „Zeit“-Chefredakteur Theo Sommer nannte ihn das „Gewissen der Nation“. Eschenburgs Artikel in der „Zeit“ über Beamte und Minister im Nationalsozialismus reproduzieren jedoch deren Selbstbild einer weitgehend unselbständigen und somit von eigener Verantwortung freien Rolle in der Diktatur. Dies zeigen vor allem seine Beiträge über den Staatssekretär im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker, Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk und Ministerialrat Hans Globke, den späteren Chef des Bundeskanzleramts von Konrad Adenauer.

Hinzu kommt ein Zweites: Die wichtigsten rechtstheoretischen Arbeiten zur Machtstruktur Nazi-Deutschlands – nämlich der emigrierten Juristen und Politikwissenschaftler Franz Neumann, Ernst Fraenkel und Otto Kirchheimer – werden von Eschenburg wissenschaftlich gar nicht wahrgenommen. So entwickelte Eschenburg keinen kritischen, rechtstaatlichen Begriff für die Analyse der juristisch vermittelten NS-Herrschaft.

 
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