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Staatskonservative Kollaboration Theodor Eschenburgs Agieren in einem Mikrokosmos des „Dritten Reichs“

[Erstveröffentlichung: Blätter für deutsche und internationale Politik 2/2014, S. 107-120. Wiederabdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Besonderer Dank geht an Albrecht von Lucke.]

„…Zu der Veranstaltung haben selbstverständlich nur

Arier Zutritt. Heil Hitler!

Die Geschäftsstelle gez. Dr. Eschenburg“ (1938)802

In der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft erschienen 2011 und 2013 zwei von mir verfasste kritische Beiträge über Theodor Eschenburg, die neue Aktenfunde verarbeiteten. Belegt wurde dort, dass Eschenburg 1938 als Dienststellenleiter der Reichsgruppe Industrie durch Darlegungen und Vorschläge, die er mündlich wie schriftlich dem Reichswirtschaftsministerium mitgeteilt hatte, an einer „Arisierung“ – dem Zwangsverkauf eines Unternehmens im Rahmen der „Entjudung“ der deutschen Wirtschaft – beteiligt gewesen war. Bereits der erste Aufsatz löste eine heftige, zunehmend auch in der Presse geführte Debatte aus, bei der mehr und mehr die Frage in den Vordergrund rückte, wie mit dem nach Eschenburg benannten Lebenswerk-Preis verfahren werden sollte, den die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) seit 2003 vergab. Der Berliner Tagesspiegel urteilte treffend, „besonders bei Eschenburgs Schülern [sei] der Ton polemisch.“ Daran änderte sich erst recht nichts, als DVPW-Vorstand und -Beirat die Abschaffung des Preises beschlossen – getreu der Faustregel: je schwächer das Argument, desto stärker die Worte. Das jüngste Beispiel dafür lieferte Ekkehart Krippendorffs Aufsatz in den „Blättern“, bei dem er so weit ging, der DVPW die „Selbstzerstörung“ und seiner Disziplin den „Offenbarungseid“ zu bescheinigen.

Glaubt man Krippendorff, dann

- hat die „dringend erforderliche Auseinandersetzung mit der Rolle der deutschen Politikwissenschaftler vor 1945 und ihre nicht minder notwendige Kontextualisierung… überhaupt [sc. noch nicht] stattgefunden“ (S. 87/88);

- bin ich bei der Entdeckung „angeblich braune[r] Flecken“ auf Eschenburgs Weste „mit feurigem Eifer“, ja mit „geradezu leidenschaftliche[m] Enthüllungs-Furor“ verfahren, ohne mich auf „Zweifel, Differenzierungen und eine historischpsychologische Komplexität“ einzulassen (S. 88).

Da die Vorwürfe derart ad personam gerichtet sind, besteht ein erster Schritt der Auseinandersetzung darin, den Hintergrund meiner Beschäftigung mit der Person Theodor Eschenburgs zu erhellen.

 
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