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3 Theoretische Orientierungen

Das folgende Kapitel verortet die durchgeführte Studie im Diskurs zwischen Sozialisationsund Biographieforschung. Die Bedeutung der Umwelt für die Subjektwerdung einerseits und die Vergesellschaftung andererseits werden zu Beginn zusammenfassend beschrieben, gleichsam aber Grenzen und Probleme des Sozialisationsparadigmas für die hier vorliegende Studie aufgezeigt (Kap. 3.1). Es wird für eine biographieanalytische Perspektive plädiert, die Impulse sozialisatorischen Denkens für die empirische Biographieforschung berücksichtigt und diese als Mehrwert begreift. Innerhalb der Konstitution von Biographien werden die Bedeutung von Handlung und Sozialstruktur aufgezeigt. Verschiedene Perspektiven werden – freilich verkürzt, dabei aber immer bezogen auf die zentralen Aussagen – in ihrer Argumentation aufgegriffen und ihr jeweiliger Beitrag für einen gemeinsamen theoretischen Fokus fruchtbar gemacht (Kap. 3.2). Dieser liegt in der Bourdieu'schen Habitustheorie, die für die vorliegende Studie als theoretisch-analytische Blickrichtung ausgewählt wird. In Anlehnung an Idel (2007, S. 58) wird darauf verwiesen, dass die genaue Explikation einer Theorie einen zu stark determinierten Forschungsprozess evozieren würde, die Ausführungen somit nur theoretische Ausrichtungen und mögliche Bezugspunkte darstellen. Bezug nehmend auf die nachfolgenden Kapitel werden die Erkenntnisse daher in einem Zwischenresümee zusammengefasst (Kap. 3.3). Schließlich wird abschließend der Begriff der Identität beleuchtet und in Bezug gesetzt zu den Ausführungen zuvor (Kap. 3.4).

3.1 Das Sozialisationsparadigma und die biographische Perspektive

Der Begriff ‚Sozialisation' ist ein zentraler Begriff sozialwissenschaftlicher Theorien (vgl. Grundmann 2006, S. 18). Er soll Antwort geben auf die Frage, „wie Individuen in Gesellschaften integriert sind bzw. wie sich aus vielen individuellen Akteuren soziale Gemeinschaften“ bilden (ebd.): „Sozialisation bezeichnet den Gesamtzusammenhang der kognitiven, sprachlichen, emotionalen und motivationalen Entstehung und lebenslangen Veränderung der Person im Rahmen sozialer, interaktiver und gegenständlicher Einflüsse“, wobei die aktive Auseinandersetzung von Personen „mit den äußeren Verhältnissen“ „selbst ein Ergebnis der Sozialisationsprozesse“ ist (Helsper 2006, S. 80). Somit beschreibt Sozialisation zweierlei: Zum einen steht der Begriff „für die Auswirkungen, die von sozialen, personalen und gegenständlichen Umwelten auf die Person ausgehen“ (ebd.), was als Vergesellschaftung beschrieben wird. Vergesellschaftung meint dabei „die Gesamtheit aller Umweltbedingungen, die auf die Subjektentwicklung Einfluss nehmen“ (Tillmann 2007, S. 10). Impliziert ist damit, dass „sämtliche Umweltfaktoren gesellschaftlich durchdrungen bzw. beeinflusst sind“ (ebd.). Zum anderen wird im Zuge von Sozialisation die Person Mitglied der Gesellschaft, sie entwickelt ihre Persönlichkeit in aktiver Auseinandersetzung mit den benannten Lebensbedingungen (Koller 2008, S. 343). Persönlichkeit wird nach Tillmann (2007, S. 11f.) als ein „Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen“, die durch ihre jeweiligen Ausprägungen den individuellen Menschen kennzeichnen, beschrieben. Eingeschlossen sind neben (tatsächlich auftretendem und damit beobachtbarem) Verhalten auch „innerpsychische Prozesse und Zustände“ (ebd., S. 11). Die „Genese der Persönlichkeit im Sozialisationsprozess“ umfasst also sowohl Individuierung als auch Vergesellschaftung – beide „Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung“ müssen im Rahmen von Sozialisationstheorien „systematisch gefasst werden“ (ebd., S. 12). In Anlehnung an Burgess macht Grundmann (2006, S. 21f.) darauf aufmerksam, dass Persönlichkeitseigenschaften und Prozesse des Zusammenlebens „eine dem Menschen eigentümliche soziale Praxis zugrunde“ liegen, „die es zu entschlüsseln gilt“. Die Besonderheit, die Sozialisation gleichwohl umfasst, besteht zudem in der Veränderung der gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse durch die aktive Einwirkung von Subjekten (vgl. ebd., S. 22).

 
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