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TEIL II

4 Methodische Orientierungen

Nachdem in den vorangegangenen Kapiteln sowohl der theoretische Hintergrund als auch der Forschungstand bearbeitet wurden und an einigen Stellen bereits inhaltliche Interessen der vorliegenden Studie benannt wurden, erfolgt nun hier eine Darstellung der Entwicklung der bearbeiteten Fragestellung (Kap. 4.1) sowie die methodologische Fundierung und das methodische Vorgehen der empirischen Arbeit. Es wird zum einen theoretisch begründet, vor welchem Hintergrund (Kap. 4.2) und mit welchen Instrumenten die Studie durchgeführt wurde (Kap. 4.3), zum anderen, wie forschungspraktisch konkret vorgegangen wurde (Kap. 4.4).

4.1 Entwicklung und Begründung der Fragestellung

Der These folgend, dass das Lehrerinbzw. Lehrer-Werden keine situative Motiventscheidung ist, die vor dem Hintergrund bestimmter rationaler Erwägungen getroffen wird (etwa antizipierte Arbeitszufriedenheit, angestrebter Verdienst, bestimmte Faktoren, die mit der Lebensplanung im Kontext stehen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf), sondern vielmehr ein komplexer, gesamtbiographischer Prozess ist, werden hier in Stichworten zentrale Befunde der vorangegangenen Kapitel zusammengefasst und vor deren Hintergrund die der Studie zugrunde liegende Fragestellung entwickelt.

Kap. 2.1 hat gezeigt, dass quantitative ‚Motivstudien' aus verschiedenen Gründen nur teilweise Erklärungen für die ‚tatsächlichen', i. e. für die Befragten objektiven und damit durch Interpretation rekonstruierbaren Gründe der beruflichen Orientierungen angehender Lehrkräfte liefern können. Viele der reflektierten Studien haben zunächst den Anspruch, einen Überblick über ein ganzes Fächerspektrum zu liefern, insofern fachspezifische Motive – hier für das Fach Musik – ausgeklammert werden. Auch solche Studien, die einen biographischen Ansatz verfolgen, erheben vielfach die Beweggründe für mehrere Unterrichtsfächer und sind in ihrer Anlage vornehmlich quantitativ, da sie auf vergleichbare Ergebnisse, wie etwas Phasen oder Prozesse auf dem Weg zum Beruf, abzielen (wie etwa bei Hirsch 1990). Auch wenn spezifisch nach dem Fach Musik gefragt wird, wie dies Bailer (2002) tut, oder eine biographische Perspektive eingenommen wird, wie bei Treptow (2006), ist das Ziel Vergleichbarkeit von – hier – Berufswegen. Die referierten Studien haben nicht den hier zu formulierenden Anspruch, einzelfallspezifische Bedingungsgefüge – i. e. Familie, Schule, Freundschaften, Peers, non-formale Bildungsorte, um beispielhaft einige zu nennen –, biographischer Erfahrungen zu rekonstruieren, die zu einem Lehramtsstudium der Musik führen. Dem soll mit der theoretischen Perspektive Bourdieus nachgekommen werden. Die Rekonstruktion individueller Habitus ermöglicht es, Herkunft und biographische Erfahrungen dahingehend zu rekonstruieren, dass sie – gedacht als das, was Bourdieu unter Doxa[1] versteht, nämlich eine unvermeidbare, durch Akteurinnen und Akteure fraglos akzeptierte, jeweils subjektbezogene Konstante der Generierung des Sozialen, als eine Art ‚natürliche Einstellung im Sinne Husserls (vgl. Koller 2009, S. 79) – ‚selbstverständlich' zu dem Beruf der Musiklehrerin resp. des Musiklehrers führen; nicht als Notlösung, als vorübergehende Möglichkeit, sich finanziell über Wasser zu halten, als Ersatz für den nicht erfüllbaren Traum, Künstlerin resp. Künstler zu werden, da dies – rational oder irrational – für die eigene Biographie nicht möglich erscheint. Der Vorwurf einer rein deterministischen Perspektive liegt hier nahe; und er ist auch berechtigt. Jedoch erscheint es mit Blick auf eine empirische Studie ertragreich, habituelle Strukturen zu rekonstruieren und dahingehend zu befragen, wie diese strukturiert sind und biographische Entwicklungen individuell strukturieren. Gleichsam – wie unten gezeigt werden wird – werden individuelle Ausprägungen der Habitusstrukturen miteinander verglichen, um akteursspezifische Umgangsweisen miteinander in Beziehung setzen zu können und damit nicht nur einzelfallspezifische Aussagen zu treffen, sondern fallunabhängige Orientierungen herauszuarbeiten. Insofern lautet die Fragestellung:

In welcher Form liegen fallspezifische Bedingungsgefüge, die als Habitus rekonstruiert werden können, dafür vor, dass junge Menschen das Fach Musik studieren, um dieses später in der Schule als Lehrerin oder Lehrer zu unterrichten und gibt es darüber hinaus ‚typische' Orientierungen, die fallunabhängig auf eine solche Berufswahl hindeuten?

Wie diese Fragestellung empirisch bearbeitet wird, zeigt das sich anschließende Kapitel 4.2.

  • [1] Bourdieu versteht unter „dem Begriff der Doxa alle Meinungen, deren Gültigkeit fraglos vorausgesetzt wird“, als „fraglose Übereinstimmung“, also „die Akzeptanz von vielen Dingen, ohne dies zu wissen“ (Koller 2009, S. 79). Durch den Begriff ‚Doxa' wird auch die ‚Selbstverständlichkeit' der sozialen Welt für Akteurinnen und Akteure beschrieben: sie ist, „wie sie ist“ (ebd.).
 
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