Auswertung der Interviews

Nach der Transkription und Anonymisierung der Interviews wurden diese nacheinander zunächst formal ausgewertet (vgl. dazu Kap. 4.3.1); es wurden zu einzelnen Passagen oder Sequenzen thematische Zusammenfassungen formuliert und mit prägnanten Überschriften versehen, die dazu dienen sollten, sich einen Überblick über das transkribierte Material zu verschaffen und in eigenen Worten thematisch zu sortieren.[1] Während dieser Arbeit wurde bereits entschieden, dass zwei der geführten Interviews nicht in die konkrete Ausarbeitung einbezogen werden würden (die Interviews mit den Nummern 02 und 07). Die Gründe hierfür liegen in den sehr knappen Ausführungen der Interviewten, in dem fast vollständigen Fehlen von Erzählungen und der dadurch entstehenden Problematik, Orientierungsmuster der Befragten herausarbeiten zu können. Im Anschluss daran wurden die Interviews umfangreich ausgewertet, wobei der Fokus auf der reflektierenden Interpretation, wie in Kap. 4.3.2 dargestellt, lag; Ziel war zunächst vor allem, die inhärenten Orientierungsfiguren herauszuarbeiten. Dies war auch deshalb notwendig, da in mehreren Fällen umfangreiche Eingangserzählungen fehlten. Da die Interviews weder chronologisch noch thematisch strukturiert sind, war eine thematische Sortierung der Interpretationen erforderlich, so dass zwar Passage für Passage (bzw. sequentiell) vorgegangen wurde, daraufhin aber eine inhaltliche, d.h. Orientierungsrahmen spezifische, erfolgte. Konkret bedeutet dies, dass Textbausteine, Passagen oder Abschnitte mit ähnlichen Orientierungsstrukturen bzw. Themen zusammengefügt wurden, um eine grundlegende Struktur der einzelnen (reflektierenden) Interpretationen zu gewährleisten. Wegen der sehr unterschiedlichen Anlage der Interviews traf ich die Entscheidung, keine Typenbildung im Sinne der dokumentarischen Methode vorzunehmen, vielmehr werden einzelfallspezifische Fallrekonstruktionen vorgenommen (vgl. Kap. 5.1 bis 5.4), aus denen Orientierungsrahmen empirisch extrahiert wurden, welche sich fallübergreifend als bedeutsam erwiesen. Da diese somit als ‚typische', fallabstrahierte Orientierungen gelten können, die fallübergrei-fend relevant sind (wenngleich nicht jeder Orientierungsrahmen auch in jedem Fall nachgewiesen werden konnte), werden diese in Kapitel 5.5 miteinander in Bezug gesetzt bzw. kontrastiert. Insofern versteht sich die Auswertung in Anlehnung an die dokumentarische Methode. Mit diesem Vorgehen wird auch angestrebt, eine

„Vermischung quantitativer und qualitativer Forschungslogiken“ zu vermeiden und sich nicht an quantitativen „Quotierungskriterien“ zu orientieren (Krüger 2006, S. 25), sondern möglichst den qualitativen Charakter der Daten zu fokussieren; in der qualitativen Forschung würde die „Ebene der Einzelfallanalyse oft rasch verlassen“, zu schnell typologisiert und vereinheitlicht, deskriptiv und „und oft recht handgestrickt“ gearbeitet, wodurch „Erkenntnischancen qualitativer Forschung“ verschenkt würden (ebd.).

Im Zuge des Forschungsprozesses, vor allem während der zeitaufwändigen reflektierenden Interpretationen, wurde auch deutlich, dass das fünfte Interview aufgrund seiner spezifischen, vor allem interviewbedingten Anlage, geringen Ertrag für die Beantwortung der Fragestellung würde leisten können, insofern es ebenfalls von der Bearbeitung ausgeschlossen wurde[2]. Insofern bilden fünf Interviews die Basis für die sich anschließende Auswertung und Interpretation. Vier Interviews – 01, 04, 06 und 08 – werden ausführlich dargestellt; zentrale Orientierungsrahmen, die aus der reflektierenden Interpretation des dritten Interviews extrahiert wurden, dienen darüber hinaus der Perspektiverweiterung in der Fallabstraktion. Eine einzelfallspezifische Auswertung erfolgt für dieses dritte Interview nicht.

  • [1] Die Gesamtzahl des transkribierten Materials beträgt über 270 Seiten. Die ersten formulierenden Interpretationen wurden noch kleinschrittig durchgeführt, später dann weniger detailliert
  • [2] Die Informantin war nicht bereit zu erzählen oder konnte dies nicht, ggf. war ihr die Situation auch unangenehm. Sie vergaß mehrfach Fragen, verstand diese nicht, markierte diese als zu offen, bat um das ‚Verschieben' dieser auf einen späteren Zeitpunkt des Gesprächs; zudem stellte sie mehrfach Fragen an mich und ‚drehte' die Befragungssituation. Da ich eine deutliche Unsicherheit annahm, ging ich teils auf diese ein, um daraufhin wieder eigene Fragen zu stellen. Das Interview beinhaltet daher kaum verwertbare Passagen
 
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