Auseinandersetzung mit Studium und späterem Beruf

Franziskas Wunsch, Lehrerin zu werden, erschöpft sich zunächst darin, Musikerin zu sein, genau wie jene Menschen, die sie stets so bewundert hatte. Als Lehrerin zu arbeiten stand zunächst nicht zur Debatte, zumal sie das eine „zeitlang […] auch nich sagen“ durfte, war aber dann eine Art Alternativentscheidung zum Vollblutmusikerdasein, da sie musikalisch an „die totalen cracks […] gar nicht mehr“ rankommen könne – ihre fehle Ausbildungszeit. Zudem äußert Franziska in dem Zusammenhang einen Wunsch nach einer eigenen Familie, was mit dem Vollblutmusikerdasein schwer zu vereinen wäre. Das Lehramt war dann eine Alternative, die sie mit ihrem Studium anzustreben begann.

Die derzeitige Haltung zu ihrem Musikstudium erachtet Franziska als ambivalent, sie ist von Zweifeln erfüllt und stellte Überlegungen an, das Studium abzubrechen und findet den Beruf der Lehrerin oder genauer: Musiklehrerin als „schwierig“ – ein Abbruch kommt nach mehreren Studienjahren aber nicht mehr in Frage, da Franziska eigentlich davon ausgeht, dass sie das, was sie tut, schon gut kann. Jedoch ist sie sich unsicher, ob sie überhaupt etwas anderes „kann“, das ihr „liegen würde“. Anstrengende Phasen des Studiums gab es bereits kurz nach Beginn desselben.

Die Aufnahmeprüfungsphase empfand sie als fordernd – eben weil sie kurz zuvor viel neu und umlernen musste und wegen der zeitlich umfangreichen Übezeit. Somit wurde die Musik zur lästigen Pflicht, die ihr kaum Raum ließ durchzuatmen und die guten Seiten ihrer Tätigkeit zu reflektieren. Trotz dieses hohen Drucks ist sie im Moment des Interviews auch unsicher ob der Qualität ihrer Ausbildung. Sie meint, ihr fehlten Kenntnisse, die sie dazu befähigen, guten Musikunterricht zu machen, da sie zum einen innerhalb der Schule vornehmlich schlechte Erfahrungen mit Musikunterricht und Musiklehrkräften gemacht hat und zum anderen ‚nur' zwei Instrumente spielt und das Klavierspiel in ihren eigenen Augen zu wenig beherrscht oder diese ungeeignet sein können – im Gegensatz zum Klavierund Gitarrenspiel, was für sie im Unterricht sinnvoller ist, wahrscheinlich, da es sich bei beiden um Harmonieinstrumente handelt, die sich als Begleitinstrument etwas beim Singen eignen. Auch das ‚System Schule' mit dem ‚Pflichtprogramm Musik' hält Hemmnisse für ihre Arbeit bereit – mit Schülerinnen und Schülern, die kein Interesse an Musikunterricht haben, denen grundlegende Kenntnisse fehlen, wie sie es schon durch Praxiserfahrungen erleben konnte und Eltern, die ‚harte' Fächer bevorzugen und Musik nicht Ernst nehmen. Auch ihrem anderen Fach gegenüber ist Franziska eher pessimistisch eingestellt:

„musik ham se kein bock drauf und #fremdsprache#[1] könn se nich (.) {mhm} also {mhm} ich glaube hab da auch einfach ne fächerkombination . wo also n bisschen öh naja . wirkt glaub ich nich so einfach (.) äh zumindest äh große wahrscheinlichkeit dass die schüler da nich mitmachen wolln (.)“

Franziska trennt Schule und den kirchlichen Orchesterverbund voneinander. Während die Schule ein Pflichtprogramm ist, ist das Orchester freiwillig. Die Musikerinnen und Musiker im Orchester sind dabei alles „elitekinder […] aus sozial sehr also gut stehenden haushalten“, die Teilnahme basiere auf Freiwilligkeit, die Elternunterstützung sei stets gegeben – ganz anders als in der Schule.

Es dokumentiert sich hier, dass Franziskas Perspektive vor dem Studium immer noch Bestand hat. Sie sieht sich mit ähnlichen Unsicherheiten konfrontiert, die ihr bereits in der Jugend zu schaffen gemacht haben. Andere – Kommilitoninnen und Kommilitonen – sind sogar besser geeignet, die Arbeit, die sie investieren muss, um Erfolg zu haben, muss höher sein – ähnlich wie zu dem Zeitpunkt, an dem sie als Kind einer nicht musikaffinen Familie feststellt, dass ihr Weg mehr Arbeit bedeutet habe. Das Musikstudium ist eine Welt, in der sie noch nicht zu Hause ist wie im Orchester, in das sie jahrelang hineinwachsen konnte und sich dort bewährt hat – die Bewährung als angehende Musiklehrerin steht dagegen noch bevor, jedoch: auch anderen ergeht es ihrer Ansicht nach so.

Sie sieht aber auch sehr positive Seiten am späteren Beruf – sie will nicht so einen ‚stures' Lehrerdasein führen, wie sich im o.g. Zitat andeutet. Die Arbeit als Musiklehrerin würde ihr ermöglichen, den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten des eigenen Umgangs mit Musik erfahrbar zu machen, etwa in einem von ihr geleiteten Orchester oder auch durch intensivere Beschäftigung im Rahmen von Kursfahrten.

  • [1] Mit Rauten wurden in den Transkriptionen anonymisierte Begriffe oder Passagen gekennzeichnet; dies diente vor allem dem Schutz der Befragten
 
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