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5.4.7 Lehrerarbeit und Zukunftsvorstellungen

Mit einer Anekdote aus der Grundschulzeit verdeutlicht Markus seine Haltung gegenüber Musiklehrkräften, deren Umgang mit Kindern er als inkonsistent ausweist. Auf die Frage seiner Lehrerin, ob er während der Pause nicht auf einem Flügel in der schulischen Aula spielen wolle, reagierte er zögerlich und teilte der Lehrerin mit, er müsse sich darauf erst vorbereiten, was er dann auch tat und in der kommenden Woche von sich aus auf seine Lehrerin zutrat um ihr mitzuteilen, dass er nun spielen könne. Die Reaktion seiner Lehrerin ist für Markus nicht nachvollziehbar, da diese „jetzt […] keine lust“ gehabt hätte. Zudem scheint er nicht viel davon zu halten, dass die während der Grundschulzeit die meiste Zeit nur gesungen wurde. Mittels einer Argumentation nähert sich Markus auch der Frage des Umgangs mit Kindern in der Schule, vornehmlich aus (s)einer inklusionspädagogischen Sichtweise heraus, die einen Schwerpunkt seines Studiums darstellt. Obschon die Entwicklung bezogen auf Inklusion an Schulen gut sei, sei sie noch nicht auf der Höhe der Zeit, wie dies etwa andere Länder vormachten. So sei es nicht angemessen, Kinder als ‚Inklusions-Kinder' zu markieren. Obschon Markus diese Auseinandersetzung mit seinem Studium argumentativ bearbeitet, lässt sich hier dennoch eine Orientierung an der Individualität (von Kindern) feststellen – nicht an Fähigkeiten oder Etiketten, die bestimmte Defizite oder Diskriminierungen mit sich brächten – was ihn auch zu einer Hintergrundkonstruktion veranlasst, in der er darstellt, welche Probleme für den einzelnen (hier übernimmt er auch die Perspektive einer Musiklehrkraft, die in seiner Schulzeit „nur gedisst“ wurde, da keiner der anderen Schülerinnen und Schüler etwas mit Musik anzufangen wusste) entstehen können, wenn nicht – so meine Folgerung – auf diese Einzelnen und deren individuelle Bedürfnislagen eingegangen wird. Denn Markus scheint sich, insofern auch die Anschlussäußerung nach der Hintergrundkonstruktion Sinn macht („so glücklich wie in #norddeutscher stadt# war ich noch nirgendswo und ich fühl mich hier auch mega angekomm“), mit seiner Individualität während seiner Schulzeit fremd gefühlt zu haben. Er kam sich „überflüssig vor“, „konnte mit denen nichts anfang“, während diese, anders als er, mit Musik nichts anfangen konnten und selbst Musiklehrer waren in seinen Augen komisch; ggf., weil diese völlig andere Vorstellungen und Ziele hatten als er, hierzu sagt Markus jedoch nichts), so dass er zwar „lange zeit noch kontakt gesucht“ habe, aber keinen gefunden hätte. Ähnliche Erfahrungen schildert Markus auch bezogen auf sein Studium mit inklusivem Schwerpunkt, bei dem er zunächst keinen Anschluss fand und von einer Person auch „mega ausgegrenzt“ wurde (diese hatten auch ‚falsche' Vorstellungen von Inklusion), später dann aber mit Studierenden zusammentraf, die „alle die richtigen ansichten von inklusion“ hatten.

Bevor Markus – auf Nachfrage – explizit Auskunft darüber gibt, wie es aus seiner Sicht zu seinem Musikstudium gekommen sei, setzt er sich mit der Frage auseinander, ob und wie er den Themenbereich Musik und Inklusive Pädagogik – für den er sich auch in seiner Studienabschlussarbeit entschieden hat – weiter forcieren könne; so käme eine Promotion über ein Förderstipendium in Frage, hierbei wäre als disziplinäre Verortung für ihn aber vornehmlich der Bereich der Musik interessant, sowie eine Anstellung im wissenschaftlichen Mittelbau, um dort auch Studierendenkontakte, etwa in der Lehre, zu haben. Der für Markus interessante Bezug zur Praxis innerhalb einer theoretischen Arbeit würde somit ergänzt durch weitere praxisnahe Elemente. Ob Markus im Anschluss seines Studiums ein Referendariat anstrebt, hält er offen, wenngleich es „natürlich auch ne schöne sache“ wäre, das Referendariat gemacht zu haben, auch wenn er in dieser Zeit eine Einschränkung seiner gesanglichen Ambitionen vermutet. Zudem kritisiert Markus in Bezug auf eine Lehrertätigkeit die Art und Weise der Umsetzung einer inklusiven Perspektive an Schulen und sieht diese als noch nicht zeitgemäß an (vgl. w. o.), da der Umgang mit Etikettierungen, wie sie die schulische Praxis präge, in seinen Augen verfehlt ist. Neben einer inklusiven Perspektive hält Markus auch eine Ausrichtung von Schule an demokratischen Prinzipien hinsichtlich der zu treffenden Entscheidungen, wie bei Freinet, für sinnvoll, obschon er hierin Grenzen sieht, da Kindern zu Beginn auch bestimmtes Wissen vermittelt werden müsse; bezogen auf dieses Wissen sieht Markus starken Überarbeitungsbedarf. Neben dem Überholungsbedarf der zu vermittelnden Inhalte steht Markus der momentanen Struktur Schule skeptisch gegenüber und sieht sich in dieser nicht als Lehrkraft, was seiner Ansicht nach an festgefahrenen Meinungen und der problematischen Kommunikationsstruktur liegt: man dürfe nicht ehrlich seine Meinung äußern und avanciere, würde man dies dennoch kritisch tun, schnell zum ‚Buhmann'. Schulen würden keine individuelle Förderung betreiben sondern Kinder so erziehen, dass sie selbstverständlich den Weg des geringsten Widerstands nehmen, was er an einem Beispiel aus seinem Praktikum verdeutlicht. Insofern nimmt Markus in Bezug auf eine Lehrertätigkeit eine Perspektive der Klientenorientierung ein, an denen sich Schule und schulisches Lernen orientieren müsse. So schildert er im weiteren Verlauf des Interviews eine Begegnung mit einem Schüler, der von zwei Lehrkräften „laufend ausgezählt“ wurde und dem er sich dann in Einzelförderung annahm und feststellte, dass dieser sich meist langweilte und deshalb den Unterricht störte. Markus kritisiert, dass Lehrkräfte, „sich nich eingestehen [könnten, d. Verf.] dass sie mit dem kind nich umgehen könn“ – statt sich der Kinder anzunehmen, würden diese dann auch noch von anderen Kindern „ausgezählt“; in solchen Situationen erachtet es Markus als verständlich, wenn diese „dann am rad drehn“. Über Probleme zu sprechen sei hier das probate Mittel, um dem Potenzial der Kinder gerecht zu werden, statt diese auszugrenzen.

Die konkrete Studienwahlentscheidung fiel aus Sicht von Markus, als bereits der Fachfokus auf ein musikorientiertes Studium gefallen war, durch das Zutun seiner Cousine in einem Gespräch, der es „ganz klar“ war, dass er den B-Studiengang (i. e. ein bestimmter Lehramtsstudiengang) einschlagen müsste, weil er in den Augen seiner Cousine stets guten Umgang mit Kindern und Jugendlichen gezeigt hätte. Diese Idee bewog Markus dazu, sich mit dieser Perspektive näher auseinanderzusetzen, was dazu führte, dass er sich „das durchaus vorstellen könnte“. Demgegenüber schildert Markus die Schwerpunktwahl der Inklusiven Pädagogik als zufällig. Durch die Arbeit mit Menschen mit Behinderung (zuerst in K-Stadt) stieß ihn seine damalige Lebensgefährtin darauf, diesen Weg auch im Studium zu gehen: „arbeitest sowieso den ganzen tag mit behinderten und dann kannste das auch machen“. Auch in dem, was Markus als (kognitive) Studienwahlentscheidung ausweist, wird sowohl für den B-Studiengang als auch für den Schwerpunkt Inklusion deutlich, dass er zumindest latent das aufgreift, was ihm durch andere für ihn relevante Personen eröffnet wird und damit verstanden werden kann als soziale Orientierung.

 
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