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2.3 Wissen in der interpretativen Policy-Analyse

Nullmeier (2001, S. 292–293) weist darauf hin, dass Analysen, die mit dem Begriff Ideen operieren, häufig in einen Dualismus von Ideen und Interessen zurückfallen. Er spricht sich deshalb für einen weit gefassten Wissensbegriff aus, der diesen binären Schematismus aufbricht. Zugleich problematisiert er den Wissensbegriff, da dieser im Gegensatz zwischen Meinen und Glauben eingespannt sei. Unter dem Begriff „Idee“ gehe es zudem zu häufig um große Paradigmen. Zur Untersuchung der alltäglichen politischen Deutungen spricht er sich dennoch für den Begriff Wissen aus. Wissen wird verstanden als durch Kommunikation konstituierte und konfirmierte Praxis. Dem wissenschaftlichen Wissen kommt dabei nicht von vornherein eine Sonderrolle zu. Es unterscheidet sich lediglich durch die spezifischen Regeln seiner Konstruktion und Konfirmation und durch den Ort seiner Produktion (Rüb 2006, S. 346). Die wissenssoziologische Perspektive fragt dann danach, unter welchen sozialen Bedingungen und mit welchen Folgen Wissenschaft mit besonderer Autorität ausgestattet wird.

Heinelt und Lamping (2015, S. 10) betonen, dass Wissen stets mit einem Prozess der Sinngebung und der Herstellung und Verbesserung von Handlungsfähigkeiten angesichts einer Konfrontation mit einer Unzahl von Informationen und Daten über die soziale Umwelt verknüpft ist. „Wissen und Handeln sind hier inniglich verknüpft, erweisen sich beide doch als besondere Sinnphänomene: Sinn ist, was Handeln leitet, orientiert und ein Verhalten erst als Handeln auszeichnet. Wissen ist also nichts der Handlung Äußerliches, sondern konstitutiv für Handeln“ (Knoblauch 2005, S. 146). Dies wird auch in Luhmanns (1992) Definition von Wissen als „kognitiv stilisierte Erwartung“ ausgedrückt. Es handelt sich also um Erwartungen, die im Enttäuschungsfall geändert werden. Diese stehen analytisch im Kontrast zu Normen als kontrafaktisch stilisierten Erwartungen, d. h. als Erwartungen, an denen auch im Enttäuschungsfall festgehalten wird. Im Handeln verbin- den sich beide Erwartungsformen zu komplexen Erwartungskonstellationen. Diese Definition basiert auf Schützs Bestimmung von Wissen als „certainty taken for granted until further notice“ (Schütz 1976, S. 288).

Um auf der Makroebene das Zusammenspiel von Wissen mit Institutionen etc. zu beleuchten, ist die Rede von Wissensformen („knowledge forms“) geläufig (Nullmeier et al. 2010, S. 80), ein Begriff, der unterschiedliche Generalisierbarkeit, Arenen und Institutionalisierungsformen umfasst. Während der Begriff „Deutungsmuster“ in der Soziologie dem Vokabular der Objektiven Hermeneutik vorbehalten ist, wird er in der Wissenspolitologie bedeutungsgleich zum Begriff „Wissen“ verwendet (Nullmeier 1993, S. 181). Viehöver (2004, S. 235) kritisiert indes am Wissensbegriff, dass der „inter-individuelle und kollektive Transmissionsmechanismus des Wissens häufig ungeklärt“ bleibe. In der eigentlichen Analyse müsse dann doch auf die Rekonstruktion von Diskursen oder Narrativen zurückgegriffen werden.

 
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