< Zurück   INHALT   Weiter >

Forschungsbeispiele

Carolyn M. Hendriks (2005) untersucht, wie die Funktion und die Legitimation eines Forums durch das geprägt ist, was sie als participatory storylines bezeichnet, also die umgebenden Narrative zur öffentlichen Teilhabe. Diese geben vor, wer die Öffentlichkeit ist und inwiefern die Öffentlichkeit am Policy-Prozess teilnehmen sollte. Participatory storylines sind insofern kein Narrativ im eigentlichen Sinne, als sie keinen Plot mit Anfang, Mitte und Ende aufweisen müssen, sondern eher ein Set zusammenhängender Ideen, die unterschiedlichen Sektoren der Zivilgesellschaft verschiedene aktive und passive Rollen zuschreiben (Hendriks 2005, S. 4).

Während in anderen Feldern das lokale Wissen von Laien wertgeschätzt werde, transportierten beispielsweise die storylines um Beteiligungsverfahren zu genveränderten Lebensmitteln, dass die ablehnende Bevölkerung einfach nur schlecht informiert sei und lediglich ausreichend über die Vorteile in Kenntnis gesetzt werden müsse:

In this vain, public participation was approached either through a public relations or science communication narrative. Under both narratives, ‚participation' served a dual function. First, it was a means to measure public attitudes on the technology and second, it served to communicate the scientific ‚facts' to the public. (Hendriks 2005, S. 10)

Svea Luise Herrmann (2009) kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Initiierung einer öffentlichen Deliberation Machtkonfigurationen sogar verstärken könne, anstatt sie zu destabilisieren. In ihrer Analyse der Problematisierung neuer bio-medizinischer Entwicklungen in Deutschland und Großbritannien betrachtet Herrmann (2009) den Umgang mit einem wicked problem, also einem Problem, bei dem nicht nur die Lösung unklar ist, sondern aufgrund der Neuartigkeit des Themenfeldes Unsicherheit herrscht, worin das Problem selbst eigentlich besteht. Nicht nur sei die Sprache, mit der bio-medizinische Entwicklungen allgemein verständlich erfasst werden können, begrenzt, auch die normativen Grundlagen des Fortschritts seien hochgradig umstritten. Herrmann (2009, S. 15) untersucht, wie das Thema von unterschiedlichen Akteuren problematisiert wurde, wie sich diese Problematisierungen im Laufe der Debatte verändert haben und zu welchen Policy-Ergebnissen dies geführt hat.

Policy-Debatten sind eingebettet in den sozio-politischen Kontext, in dem sie stattfinden, und somit in Machtkonstellationen. Für Herrmann hat Diskurs mit Foucault nicht nur eine inhaltlich-semantische Dimension im Sinne der

 
< Zurück   INHALT   Weiter >