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5 Eine vorläufige Bilanz interpretativer Forschung

Ein interpretativer Zugang hat sich in der Politikfeldanalyse in den letzten zwei Jahrzehnten erst langsam etabliert. In seinem Resümee des interpretativen Paradigmas in der Soziologie hält Keller (2012, S. 315) fest, dass die vielfältigen Perspektiven „nicht zu einer einzigen gemeinsamen Grundlagentheorie geronnen [sind], obwohl sie doch in ihren unterschiedlichen Akzentsetzungen immer auch ineinander widerhallen und eine entsprechende Integration denkbar erschiene.“ Dies gilt gleichermaßen für die heterogenen Strömungen innerhalb der interpretativen Policy-Analyse, sodass ein Fazit stark abstrahieren muss. Im abschließenden Kapitel soll eine vorläufige Bilanz bisheriger interpretativer Policy-Forschung gezogen werden, ohne Leerstellen aus Binnensicht (5.1) und Kritikpunkte aus einer Außenperspektive (5.2) zu unterschlagen. Des Weiteren sollen die vielfältigen und für empirische Forschung fruchtbaren Anschlussmöglichkeiten an die Politikwissenschaft insgesamt und Debatten in ihren Nachbardisziplinen aufgezeigt werden (5.3). Das Kapitel schließt mit einem Blick auf Rolle und Selbstverständnis einer interpretativen Policy-Analyse (5.4).

5.1 Kritik aus der Binnensicht

Ein aus der Sicht prinzipieller Befürworter einer interpretativen Policy-Analyse regelmäßig geäußerter Vorwurf lautet, dass häufig unklar bleibe, wie die empirische Arbeit genau aussehen könne. Trotz der Dichte der theoretischen Konzepte sei es häufig schwer, daraus ein konkretes Vorgehen abzuleiten. Dies liegt erstens an der Theorielastigkeit einiger Zugänge, wie beispielsweise der poststrukturalistischen Policy-Analyse, die dann in der konkreten Auswertung zuweilen doch auf das Repertoire anderer Ansätze wie der Kritischen Diskursanalyse zurückgreift. Zweitens betonen gerade die Autorinnen und Autoren der hermeneutisch-interpretativen Schiene, dass ihre Forschung nicht linear und iterativ sei und dass das Interesse an lokalem Wissen und meaning-making in context der Generalisierbarkeit eines starren Methodeneinsatzes entgegenstehe (Schwartz-Shea und Yanow 2012, S. 94). Zudem würde der Begriff der Methode mit seiner Konnotation von Finalität und intellektueller Kontrolle der chaotischen Qualität des policy-making nicht gerecht (Wagenaar 2011, S. 242).

Hendrik Wagenaar (2011, S. 79) kritisiert zudem die Neigung interpretativer Policy-Forschung, Public Policy überwiegend auf Text zu reduzieren und die beispielsweise von Dvora Yanow propagierte Ethnographie aus Bequemlichkeit zu meiden. Nur weil Handlungen „gelesen“ werden könnten wie Text, bedeute dies nicht im Umkehrschluss, dass Texte als Handlungen verstanden werden können. Auch bezüglich der Datenerhebung in Form von qualitativen Interviews zögen sich die meisten Forscherinnen und Forscher auf eine sichere Auswahl an Expertinnen und Experten, gewählten Politikerinnen und Politikern oder Mitarbeiter(inne)n von Verwaltungen zurück, anstatt im Feld mit marginalisierten Gruppen zu arbeiten.

 
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