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5.5 Zusammenfassung

Die interpretative Policy-Analyse hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren stark weiterentwickelt und ausdifferenziert und zudem Besonderheiten in Abgrenzung zum interpretativen Paradigma in der Soziologie ausgebildet. Dies wird zuweilen von ihren Kritikern übersehen. Verbreiteter als eine explizite kritische Auseinandersetzung mit interpretativer Forschung ist sicherlich eine Naturalisierung der eigenen neo-positivistischen Epistemologie. Variablenbasierte Forschungsdesigns und Bewertungsmaßstäbe sind gleichsam internalisiert worden und dermaßen selbstverständlich, dass interpretative Forschungsdesigns eher auf ein diffuses Unverständnis treffen, als auf eine dezidierte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Prämissen oder Umsetzungen. Nichtsdestotrotz hat die interpretative Policy-Analyse gerade auch durch ihre Offenheit gegenüber neuen Theorien und Methoden eine ausgesprochene Integrationsfähigkeit und Dynamik an den Tag gelegt und durch die Erweiterung des eigenen Repertoires neue Blicke auf bislang unbeachtetes Terrain geworfen. Auch für die Praxis des policy-making in dezentralen GovernanceFormen sind Vertreterinnen und Vertreter der interpretativen Policy-Analyse durch ihr Selbstverständnis als Moderatoren gut gerüstet, politische Praxis nicht nur kritisch zu hinterfragen, sondern in partizipativen Verfahren weiter zu entwickeln.

Deutschsprachige Auseinandersetzung mit der Kritik an interpretativen Arbeiten

• Nullmeier, Frank (1997): Interpretative Ansätze in der Politikwissenschaft, In: Benz, Arthur/Seibel, Wolfgang (Hrsg.), Theorieentwicklung in der Politikwissenschaft. Eine Zwischenbilanz. Baden-Baden: Nomos, 101–144.

• Nullmeier, Frank (2012): Interpretative Policy-Forschung und das Erklärungsproblem. Oder: Wie kann man diskursiven Wandel erklären?, In: Egner, Björn/Haus, Michael/Terizakis, Georgios (Hrsg.), Regieren. Festschrift für Hubert Heinelt. Wiesbaden: VS Verlag, 37–56.

Grundlagentexte zum neuen Selbstverständnis interpretativer Policy-Forscherinnen und -Forscher

• Hajer, Maarten/Wagenaar, Hendrik (Hrsg.) (2003): Deliberative Policy Analysis. Understanding Governance in the Network Society. Cambridge et al.: Cambridge University Press.

• Fischer, Frank (1993): Bürger, Experten und Politik nach dem „Nimby“Prinzip. Ein Pläydoyer für die partizipatorische Policy-Analyse, In: Héritier, Adrienne (Hrsg.), Policy-Analyse. Kritik und Neuorientierung. PVS-Sonderheft 24/1993. Opladen: Westdeutscher Verlag, 451–470.

• Fischer, Frank (1995): Evaluating Public Policy. Chicago: Nelson-Hall

Publishers.

 
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