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Glossar

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Abduktion ist der erste Schritt des Folgerns, ein kreatives Moment des Entdeckungszusammenhangs, an den Induktion oder Deduktion anknüpfen können, aber nicht müssen (Wrana et al. 2014, S. 16). Im Gegensatz zur neo-positivistischen Forschung, die nach Generalisierbarkeit strebt, bietet sich für interpretative Forschung weder die empirische Überprüfung von Hypothesen (Deduktion), noch eine Hypothesenbildung aus dem empirischen Material (Induktion) an, sondern eine Abduktion, die für die Vielfalt potenzieller Interpretationen von Handlungen, Ereignissen, Umständen sensibel ist.

Arguing versus bargaining Die Unterscheidung zwischen Argumentieren und Verhandeln als zwei unterschiedlichen Kommunikationsmodi geht auf Jon Elster zurück. Argumentieren hat dabei das Ziel, jemanden von der eigenen Position zu überzeugen, das Verhandeln zielt darauf ab, den Gegner zu zwingen oder dazu zu bewegen, eine Behauptung zu akzeptieren. Während erfolgreiches Argumentieren auf überzeugenden, validen, konsistenten Argumenten beruht, hängt der Erfolg des Verhandelns von Drohungen und Versprechen, also von materiellen Ressourcen ab. Die Unterscheidung zwischen arguing und bargaining wird zwar häufig als Schlagwort im Zusammenhang mit interpretativer Policy-Analyse genutzt, hat aber, wie Saretzki (2009) herausarbeitet, eigentlich andere theoretische Wurzeln im rational choice approach. Eine synonyme Verwendung zu Habermas Unterscheidung zwischen erfolgsorientiertem, strategischem und verständigungsorientiertem Handeln ist daher unpassend.

Argumentative Wende Die Bezeichnung „argumentative Policy-Analyse“ wird zuweilen als Oberbegriff für post-positivistische, sprachund ideenbezogene Arbeiten der Policy-Analyse genutzt und geht auf den Titel eines Sammelbandes von 1993 zurück. Seinerzeit erschien mit dem von Frank Fischer und John Forester herausgegebenen „The argumentative turn in policy analysis and planning“ eine der zentralen Grundlegungen interpretativer Policy-Forschung. Grundsätzlich werden mit dem argumentative turn zwei neue Zielorientierungen für die Policy-Forschung angemahnt: Zum einen strebt der argumentative turn eine Neufassung der Inhalte der Policy-Forschung an, zum anderen eine Auseinandersetzung mit der Praxis der Policy-Forschung selbst, die mit ihren Analysen und Empfehlungen auf Politik einwirkt. In dieser Einführung werden die Bezeichnungen „post-positivistisch“ oder „interpretativ“ als Oberbegriffe genutzt, während der argumentative turn als Bezeichnung für diejenigen Arbeiten vorbehalten ist, die sich im Sammelband von 1993 wiederfinden. Dies scheint sich auch mit der Selbsteinschätzung oder zumindest forschungsstrategischen Ausrichtung vieler Autorinnen und Autoren zu decken, deren internationale Konferenzen die Interpretive Policy Analysis (IPA) im Titel tragen. Dieser Bezeichnung wurde daher auch beim Titel des vorliegenden Lehrbuchs gefolgt.

Argumentation ist ein sprachliches Verfahren, um strittige Geltungsansprüche zu verteidigen und das Gegenüber mittels plausibler und rationaler Argumente zu überzeugen. Damit ist bereits impliziert, dass Menschen im Allgemeinen und policy-maker im Speziellen aufeinander Bezug nehmen, wenn sie Äußerungen tätigen.

Causal Stories Auf Deborah Stone (1989) zurückgehender Terminus, der betont, dass Problematisierungen in der Regel mit Erzählungen einhergehen, die Ursache, Folgen und Lösungsansätze auf eine bestimmte Weise verknüpfen.

Claim Zentraler Begriff der sozialkonstruktivistischen Soziologie sozialer Probleme, die die Definition von Problemen und ihre Konstituierung in sozialen Prozessen ins Zentrum rückt. Die sozialkonstruktivistische Forschung interessiert sich für drei Beobachtungsfelder: die Beanstandungen (claims), die Beschwerdeführer (claims-maker) und den Prozess der politischen Auseinandersetzung (claims-making process).

Communities of meaning Der Begriff wurde von Dvora Yanow eingeführt. Sie geht davon aus, dass Policy-Dokumente keine eindeutigen Aussagen enthalten, und untersucht deren möglicherweise widersprüchliche Auslegung durch unterschiedliche policy-relevante Gruppen (Yanow 2000, S. 9 f.). Es gebe davon in jeder Policy-Situation mindestens drei, nämlich die Entscheidungsträger, die implementierenden Beamten sowie die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, wobei aus Implementationsstudien bekannt sei, dass Institutionen eine Vielzahl innerer Gemeinschaften aufweisen können.

Critical Discourse Analysis (CDA) Die Kritische Diskursanalyse hat ihre Wurzeln eher in der Linguistik als in der Policy-Forschung und umfasst eine Vielzahl weiterer Unterströmungen. Zentrale Vertreter sind Norman Fairclough und Ruth Wodak. Die Arbeiten der CDA untersuchen die offenen und verdeckten strukturellen Beziehungen von Dominanz, Diskriminierung, Macht und Kontrolle, die sich in Sprache manifestieren. Ein besonderes Interesse gilt der Untersuchung sozialer Ungleichheit und wie sie sprachlich ausgedrückt, signalisiert, konstituiert und legitimiert wird. Die CDA zeichnet sich durch einen ideologiekritischen Anspruch aus.

Critical Frame Analysis Den Zugang einer kritischen Rahmen-Analyse führt Mieke Verloo (2007) ein. Diese Analyse zielt darauf ab, die ordnenden Prinzipien aufzudecken, mit denen Informationen strukturiert werden, um somit dafür zu sensibilisieren, wie frames ein bestimmtes Verständnis eines Policy-Problems prädeterminieren und wie dies zu Inkonsistenzen oder zum Ausschluss bestimmter Standpunkte vom Policy-Diskurs führen kann.

Diskurs Der Begriff Diskurs ist vielfältig. Während discourse im angelsächsischen Raum ein einfaches Alltagsgespräch bezeichnet, steht er in den romanischen Sprachen für gelehrte Rede und wird als Erscheinungsund Zirkulationsform des Wissens analysiert (Keller 2005b, S. 95). Foucault (1973b, S. 74) fasst Diskurse als Praktiken, die „systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen.“ Foucault-Anhänger nutzen den Diskurs-Begriff daher meist nicht in einem engen Sinne von Text, sondern beziehen ihn eher auf die Makro-Ordnung von strukturellen Diskursordnungen. Während „Diskurs“ im deutschen Alltagsverständnis oft als thematisch bezogene öffentliche Auseinandersetzung gefasst wird, herrscht in der Politikwissenschaft ein Konzept vor, das an der inhaltlichen Einheit des durch den Diskursbegriff Bezeichneten festhält.

Diskurskoalition Der Begriff geht auf Maarten Hajer zurück, dessen Diskursanalyse neben der Sprachund Textanalyse auch die diskursspezifischen Akteurskonstellationen, also Diskurskoalitionen, analysiert. Dabei geht es ihm um die konstitutive Rolle von Diskursen im policy-making sowie um die kreativen, intelligenten Akteure, die sich aber innerhalb eines Kontextes bewegen müssen, der ihre Handlungen gleichermaßen ermöglicht und begrenzt. Dermaßen eingebettet sind Akteure in Diskurskoalitionen vereint, die durch storylines zusammengehalten werden, die eine gemeinsame Sicht auf ein Problem transportieren.

Dispositiv Die Konstellation verschiedener Praxisformen bezeichnet Michel Foucault als Dispositiv. Dies bezeichnet das Geflecht der kombinierten Diskursund Machtstrukturen, die Strukturen des Sprechens, die mit institutionellen, politischen und ökonomischen Verhältnissen korrespondieren und eine kohärente Praxis ermöglichen (Sarasin 2010, S. 103).

Deliberative Policy-Analyse Diese Unterströmung der interpretativen PolicyAnalyse ist durch den partizipatorischen Impuls der Demokratietheorie von Jürgen Habermas geprägt. Demnach sind in der Sprache grundsätzliche Verständigungsmöglichkeiten angelegt. Deliberative Kommunikation gilt als solche, die gewaltfrei ist, bestimmte Partikularinteressen mit allgemeineren Prinzipien verbindet und das Bemühen zeigt, auf eine Art zu kommunizieren, die Akzeptanz und Gegenseitigkeit ermöglicht. Der deliberativen Policy-Analyse geht es um die Frage, welche Formen der Kommunikation als deliberativ gelten können, wie bestimmte Praxen und Institutionen an diesem Ideal bewertet werden und wie Foren im Sinne einer solchen Kommunikation designt werden können.

Empirizismus Als empirizistisch werden von den Autorinnen und Autoren der interpretativen Wende diejenigen „theoriefernen“ Arbeiten der traditionellen Policy Studies kritisiert, die auf einer neo-positivistischen Epistemologie beruhen.

Expertise-Forschung Die Expertise-Forschung interessiert sich für die Grenzziehung zwischen politisch relevantem und irrelevantem Wissen sowie die kontextabhängige Zuschreibung von politischer und epistemischer Autorität.

Essex School (PDT) Als Essex School wird die auch als Political Discourse Theory (PDT) bekannte von Laclau und Mouffe inspirierte Diskursund Hegemonietheorie bezeichnet, die sich in den vergangenen Jahren auch als poststrukturalistische Policy-Analyse positioniert hat.

Frame/Framing Hinter der Bezeichnung frame-Analyse verbergen sich nicht zuletzt durch die Adaption des Begriffs durch die Medienwissenschaft, die Forschung zu sozialen Bewegungen und Organisationsstudien zuweilen sehr unterschiedliche Zugänge. Für das Feld der Policy-Forschung werden frames oder Rahmen hier mit Goffman (1974) als „Interpretationsschemata“ eingeführt. Unter den Arbeiten der argumentativen Wende werden insbesondere Rein und Schön (1993) mit dem Begriff frame in Verbindung gebracht.

Interpretatives Paradigma In den verschiedenen Ansätzen des interpretativen Paradigmas wird Soziologie als Kulturwissenschaft im Sinne Max Webers betrieben. Danach deuten Menschen die Welt – interpretieren sie – und die entsprechende Soziologie deutet (interpretiert) ihrerseits dieses Tun (Keller 2012, S. 4). Die interpretative Policy-Analyse geht insofern darüber hinaus, als sich unter ihrem Dach auch poststrukturalistische Zugänge finden, die sich in der Soziologie explizit von den Subjektannahmen des interpretativen Paradigmas abgrenzen.

IPA steht für Interpretive Policy Analysis und als Abkürzung für die jährlichen internationalen Konferenzen zur interpretativen Policy-Analyse.

Hermeneutik bezeichnet zunächst die theologische und philosophische Lehre vom

„richtigen“ Verstehen und Auslegen heiliger, philosophischer, poetischer, literarischer Texte. Es geht der Hermeneutik darum, allgemeine Regeln für die Organisation des Verstehensprozesses zu entwickeln (Keller 2012, S. 2). Im vorliegenden Lehrbuch werden interpretativ-hermeneutische von poststrukturalistischen Strömungen innerhalb der post-positivistischen Policy-Analyse unterschieden.

Kontingenz bezeichnet die Nichtnotwendigkeit, Offenheit und Ungewissheit menschlicher Lebenserfahrungen, die auf Konstruktionen beruhen, die so aber auch anders sein könnten.

Linguistische Wende Mit dem Begriff wird ein Paradigmenwechsel im 20. Jahrhundert bezeichnet. Die zentrale Annahme der linguistischen Wende besteht darin, dass Sprache die Welt nicht neutral abbildet, sondern sie selbst konstituiert. Denken und menschliche Erfahrung sind durch Sprache strukturiert.

Metapher Als Metapher wird die Übertragung eines Konzeptes samt seiner Bedeutung, die aus einem bestimmten Kontext entsteht, auf einen anderen Kontext verstanden, wo es seine übertragene Bedeutung entfaltet.

Narrativ In einem engeren Verständnis stellen Narrative ein Verhältnis zwischen verschiedenen Aussagen her. Dabei wird einerseits eine zeitliche Reihenfolge (Anfang, Mitte, Ende) einer Handlung hergestellt, zugleich geht mit diesem Ereignisverlauf implizit oder explizit auch die Unterstellung einer kausalen Verknüpfung (etwas passierte, weil…) einher. Statt von Narrativen ist auch von Erzählungen die Rede.

Plot bezeichnet die Verknüpfung von Handlungen und Ereignissen im Verlauf einer Erzählung. Der Historiker Hayden White bezeichnet die Transformation verstreuter Ereignisse in ein kohärentes Ganzes als emplotment. In der PolicyAnalyse hat Deborah Stone typische Plot-Strukturen wie Romanze, Komödie, Tragödie auf Problemerzählungen übertragen.

Policy Science versus Policy Analysis Die Bezeichnungen Policyoder Politikfeld-Analyse stehen im Deutschen sowohl für eine beschreibend-erklärende als auch für eine konkret politikberatende Variante der Policy-Forschung. Im Englischen hingegen findet der Begriff Policy Science für die präskriptiv-normative und der Begriff Policy Analysis für die beschreibend-erklärende Variante Verwendung (Héritier 1993: 9).

Post-Positivismus Post-positivistische Arbeiten unterscheiden sich von traditioneller Policy-Forschung durch unterschiedliche erkenntnistheoretische Überzeugungen und damit einhergehende andere Forschungsdesigns und Vorstellungen von der eigenen Rolle als Forscher. Positivistischen Arbeiten im weiteren Sinne geht es um die Entdeckung von Gesetzmäßigkeiten, die nicht nur erkannt werden können, sondern auch universal gelten. Zu diesem Zweck ist eine Beobachtung aus der Vogelperspektive möglich und erstrebenswert. Aus interpretativer oder post-positivistischer Sicht ist die soziale Welt hingegen durch die Zentralität von Deutungen und Interpretationen geprägt. Diese sind wiederum stark kontextspezifisch, sodass ein Streben nach Objektivität und Erklärungen weder möglich noch gewünscht ist.

Problemlösungsbias Kritik an der traditionellen Policy-Analyse, die Politik als Lösen objektiver Probleme idealisierte (Mayntz 2001).

Rational Choice Die Theorie der rationalen Entscheidung erklärt gesellschaftliche Phänomene auf der Basis individueller rationaler Handlungen. Die interpretative Policy-Analyse richtet sich vor allem gegen die Annahme, dass soziale Handlungen direkt instrumentell und auf Interessenmaximierung ausgerichtet sind, sowie gegen die Annahme, dass Präferenzen als fest vorausgesetzt und individuellen Akteuren zugeschrieben werden könnten (Finlayson 2007, S. 546).

Rhetorik Eine auf Überzeugung angelegte Kommunikation in kontingenten und konflikthaften Kontexten versteht die interpretative Policy-Analyse als Rhetorik (Finlayson 2007, S. 545). Policy-Analyse als Untersuchung von Rhetorik

– ihre Vertreter nutzen die Abkürzung RPA – ist insbesondere auch vom Wiener Politikwissenschaftler Herbert Gottweis (2006, 2007) betrieben worden. Ihm zufolge kann policy-making nicht auf kommunikatives Handeln im rationalen Habermasschen Sinne reduziert werden, denn es geht auch um andere Formen der Überzeugung, wie Manipulation, die Mobilisierung von Angst, Vertrauen und Hoffnung: Logos, Ethos und Pathos können unterschiedlich stark gewichtet sein. Storyline bezeichnet nach Maarten Hajer eine generative und stark kondensierte Form eines Narrativs, das die Sicht auf ein Problem transportiert. Storylines stellen in der Policy-Debatte Verbindungen zwischen einzelnen Argumenten und Sachverhalten her und machen die Verdichtung einer komplexen Problemmaterie auf einzelne Schlagworte oder Leitsätze möglich (Schneider und Jan- ning 2006, S. 181).

STS Die Science, Technology and Society Studies (STS) beleuchten die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Expertise und politisch-sozialen Ordnungsvorstellungen. Verschiedene Autorinnen und Autoren innerhalb der interpretativen Policy-Analyse, die sich beispielsweise empirisch für die Unterscheidung von Wissen und Nicht-Wissen, die Zuschreibung von epistemischer Autorität oder die diskursiven Problemkonstruktionen im Bereich der Bioethik interessieren, weisen daher eine Nähe zu diesem interdisziplinären Programm auf.

Struggle over ideas Diese auf Deborah Stone zurückgehende Formulierung wird aus Sicht der interpretativen Policy-Analyse zur Essenz des policy-making erklärt. Ideen und Wissen gehören damit zu den zentralen Untersuchungsgegenständen interpretativer Policy-Analyse.

Sozialkonstruktivismus/Konstruktionismus Die Grundlagen für eine sozialkonstruktivistische Wissenssoziologie wurden 1966 mit der „Gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit“ von Peter L. Berger und Thomas Luckmann (deutsche Auflage 1969) gelegt. Sie beschäftigen sich darin mit Prozessen der Generierung, Objektivierung und Institutionalisierung von Wissen als objektive Wahrheit (Keller 2005a: Abs. 6). Unter dem Sammelbegriff des social constructionism oder Sozialkonstruktivismus wird seither eine Vielzahl von sozialwissenschaftlichen Perspektiven miteinander verknüpft, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Herstellung von Wissen durch soziales Handeln befassen. Der Begriff der „Konstruktion“ steht dabei als Metapher für den Aspekt der Tätigkeit und das „Gemachtsein“ durch Menschen, ohne diesen dabei einen entsprechenden Plan zu unterstellen (Keller 2005b, S. 36). Während in anderen Kontexten meist von Spielarten des Konstruktivismus die Rede ist, hat sich in der Soziologie sozialer Probleme der Begriff „Konstruktionismus“ eingebürgert (Schmidt 2000, S. 153), der auch als Sozialkonstruktivismus bezeichnet wird.

Symbolischer Interaktionismus In der Soziologie wird der symbolische Interaktionismus als eine Ausprägung des interpretativen Paradigmas gefasst. Herbert Blumer (1971) formuliert die drei Grundprinzipien des symbolischen Interaktionismus, die besagen, dass Menschen Dingen gegenüber aufgrund der Bedeutung handelten, die diese Dinge für sie besitzen. Die Bedeutung der Dinge sei aus der sozialen Interaktion abgeleitet und diese Bedeutungen würden in einem interpretativen Prozess gehandhabt und geändert. Innerhalb des symbolischen Interaktionismus hat die Labelingoder Etikettierungstradition seit den späten 1960er Jahren zur soziologischen Analyse abweichenden Verhaltens und sozialer Probleme beigetragen und gilt als Vorläufer einer sozialkonstruktivistischen Soziologie sozialer Probleme.

Tradition Die britischen Autoren Bevir und Rhodes versuchen mit dem Konzept der Tradition das Verhältnis zwischen Handlungsfähigkeit und Determinismus auszubalancieren. „Tradition“ impliziert, dass die Akteure in einen bestimmten sozialen Kontext geboren werden, der dann als Hintergrund für ihre Überzeugungen und Handlungen fungiert, ohne sie festzulegen.

Wissenspolitologie Mit der Wissenspolitologie haben Frank Nullmeier (1993) und Friedbert Rüb (Nullmeier und Rüb 1993) den wohl bedeutendsten deutschen Beitrag zur interpretativen Policy-Forschung beigesteuert. Im Zentrum wissenspolitologischer Untersuchungen steht der Versuch, den Wandel von handlungsleitenden Wissensbeständen zu rekonstruieren und dadurch den Wandel einzelner Policies zu erhellen.

WPR Hinter der Abkürzung WPR verbirgt sich der „What's the problem represented to be?“-Ansatz, der von Carol Bacchi entwickelt wurde. Zu diesem Zweck führt Bacchi (2012a, S. 21) einen Satz von sechs Fragen ein, mit deren Hilfe die Forschung das Policy-Dokument darauf hin durchsuchen kann, welche Leerstellen und Lücken in der impliziten Problemdarstellung anzutreffen und welche Alternativen potenziell möglich sind.

  • [1] Im Folgenden sollen zentrale Begrifflichkeiten einer kurzen Definition unterzogen werden. Das Glossar soll gerade Studierenden unterer Fachsemester die Lektüre erleichtern, ist allerdings mit Vorsicht zu genießen: Viele dieser Begriffe sind komplex und vielschichtig, sodass eine derartige Darstellung nicht die inhaltliche Auseinandersetzung, wie sie weiter oben erfolgt, ersetzen kann.
 
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