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3.2 Das Phänomen Musikalischer Enthusiasmus im Musikunterricht

Im Umfeld musikalischer Bildung wird, wie bereits erwähnt, der Enthusiasmus als Qualitätsmerkmal, das für Erfolg steht, auffallend häufig benutzt. Erfolg ist an den Beispielen aus dem letzten Kapitel im Sinne einer „guten“ musikpädagogischen Arbeit zu verstehen. Auch wenn es hierfür (noch) keine empirischen Belege gibt, so wird angenommen, dass speziell der Musikunterricht im Gegensatz zu anderen Unterrichtsfächern vermutlich einfacher als manch anderes Unterrichtsfach gestaltet werden kann, um einen Enthusiasmus für ein Objekt (hier die Musik) auszulösen. Ein erstes Modell zu den möglichen Ebenen als Dimensionen, auf denen der ME im Musikunterricht beim Schüler ausgelöst werden kann, wurde zur Visualisierung der Mehrdimensionalität aufgestellt. Es ist für das bevorstehende Forschungsvorhaben von der Konstruktion des ‚Musikalischen Selbstkonzeptes' als mehrdimensionales Modell angeregt worden (Spychiger, 2010). Spychigers Konstrukt beschreibt die Genese und Ausdruck des musikalischen oder musikbezogenen Lebensbereichs in verschiedenen Dimensionen. Bezogen auf die Erforschung des Enthusiasmus im pädagogischen Umfeld, soll das folgende Modell den Musikunterricht als Lebensbereich der Schüler beschreiben, der auf vielseitige Weise einen Enthusiasmus beim ihnen auslösen kann:

Abbildung 2: Die verschiedenen Dimensionen des Musikunterrichts

Die Dimensionen stehen in keinem geordneten Verhältnis. Sie sind aus Sicht der Lehrperson wie ein Strauß an Möglichkeiten zu verstehen, auf welcher Ebene und in welcher Weise der ME erfahren werden kann. Je nachdem wie die Unterrichtsstunde aufgebaut ist und welche Inhalte im Fokus stehen, so kann auf diesen Ebenen ein ME ausgelöst werden. Klanglich durch ein Vorspielen und aktives Musizieren, kognitiv durch die Erarbeitung von Theorien oder Biographien von Komponisten, physisch durch jegliche Form von Bewegung zur Musik und emotional durch jede Form der Wahrnehmung von Musik, die Emotionen beim Schüler auslöst. Aufgrund dieser Vielseitigkeit, die der Musikunterricht bietet, wird der Enthusiasmus im Umfeld musikalischer Bildung auch besonders durch die geschilderten Erfahrungen zum ME im Musikunterricht von Schülern erforscht. Das heißt nicht, dass der Enthusiasmus nicht auch in anderen Fächern existiert, im Gegenteil, Enthusiasmus existiert nach den Aussagen aus dem historischen Teil, überall dort, wo ein Subjekt sich einem Objekt, sei es geistig in Form eines Inhaltes oder handlungsorientiert mit einem Gegenstand, widmet. Der Musikunterricht bietet sehr viele Möglichkeiten, die eine tiefere Erkenntnis über die Komplexität des Enthusiasmus im pädagogischen Kontext versprechen. Die folgende wissenschaftliche Erforschung des ME hat nicht zum Ziel, am Ende eine Theorie zu entwickeln, die in pädagogisch-didaktischer Hinsicht hinreichend ist, um sie in der Unterrichtspraxis anzuwenden. Der Schwerpunkt der Arbeit soll inhaltlich vielmehr auf der ‚Situation' als Ort der Entstehung, Auslösung und Wirkung des Phänomens liegen. „Die Situation als Ausgangspunkt pädagogischer Theorie“, so beschreibt es auch Walter Herzog in seinem erziehungswissenschaftlichen Buch „Zeitgemäße Erziehung“ (Herzog, 2006, S. 457). Die folgenden Kapitel befassen sich deshalb zunächst mit verschiedenen Erziehungsstilen und einem didaktischen Modell für den Unterricht. Es wird vermutet, dass auf der Handlungsebene im Unterricht sowohl der Erziehungsstil als auch der Lehrer einen möglichen Einfluss auf die Auslösung eines ME beim Schüler besitzen. Auf diese Theorien wird für das Verständnis der möglichen Beziehungen von Subjekt und Objekt im Unterricht im Kontext des ME nun

eingegangen.

 
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