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3.3.1 Die Führungsstile im Kontext des Musikalischen Enthusiasmus

Für die Untersuchung des ME im Musikunterricht sollen vor diesem Hintergrund nun auch die Führungsstile nach Lewin herangezogen werden. Der ME wird als eine Art „Kraftfeld“ vermutet, das seine Energie sowohl für das Individuum als auch für die Gruppe freisetzt und so auf das soziale Klima einwirkt. Daher stellt sich an dieser Stelle die Frage, welcher Erziehungsstil nach Lewin auch den ME fördern könnte. Die Auswirkungen der Führungsstile nach Lewin zeigen sich in unterschiedlichem Verhalten der Gruppenmitglieder sowie in einer Beeinträchtigung ihrer Leistungsbereitschaft und Kreativität. Die autoritär geführten Gruppen zeigten teilweise aggressive Tendenzen, die sich weniger gegen den Leiter als vielmehr gegen andere – meist schwächere – Gruppenmitglieder äußerten.

Der Druck und die Autorität wurden so transformiert und in Form von Aggression an andere Mitglieder der Gruppe weitergegeben. Auch die Spontanität und Kreativität waren in dieser Forschungsgruppe Lewins gemindert, da hierfür kein Freiraum durch den Gruppenleiter gegeben war. Das Sprachverhalten der Gruppenmitglieder war egozentrischer Natur, was ebenfalls dafür spricht, dass der autoritäre Führungsstil nicht förderlich für einen erfolgreichen Lernprozess ist. Denn im Gegensatz zum autoritären Führungsstil zeigten die Mitglieder der demokratisch geführten Gruppe, dass ihr Maß an Kreativität und den daraus entstandenen Arbeitsprodukten deutlich höher ausfiel. Keine besonders hohe Aggressivität wurde hier vermerkt und die Aufgaben wurden von der Gruppe gemeinsam gelöst sowie Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe bewältigt. Bezogen auf den ME wäre dieses Klima in der Gruppe vermutlich auch für den ME förderlich, da hier ein Freiraum gewährt wird, in dem er sich entfalten kann.

Wie bereits zu Beginn des Kapitels angemerkt, stehen Lewins Untersuchungen auch in einer diskussionsreichen Kritik. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist hierbei in Bezug auf den schulischen Kontext erwähnenswert. So wird kritisiert, dass Lewins Gruppen „künstliche“ Gruppen sind, die im Rahmen der Freizeitgestaltung untersucht wurden und nicht im schulischen Kontext. Das heißt, sämtliche gruppendynamische Aspekte in einer Unterrichtssituation, in welcher der Lehrer meistens vor der Klasse steht, sind hier nicht ausreichend berücksichtigt. Man kann die Erkenntnisse Lewins durch die unterschiedlichen Umstände daher nicht einfach auf den Schulalltag übertragen. Doch besonders in den künstlerischen Fächern wie Bildende Kunst und Musik kommt es, häufiger als in anderen Fächern, durch Gruppenarbeit und Projekte zu Situationen, die dem produktiven und kreativen Verhalten von Lewins Freizeitgruppen entsprechen, obwohl dieses im schulischen Kontext stattfindet. Beispielsweise das Erlernen von Instrumenten, die Teilnahme an musikpädagogischen Projekten oder das gemeinsame Spielen von Musikstücken sind keine typischen Lehr-Lernsituationen, in denen der Lehrer vor der Klasse steht. Seine Rolle gleicht eher der eines fachkundigen Gruppenleiters. Vor diesem Hintergrund lassen sich in Bezug auf die Förderung des ME im Unterricht die drei Erziehungsstile nach Lewin als mögliche Kategorien zum ME in die empirische Untersuchung miteinbeziehen.

 
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