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4.2.1 Das Interessenkonstrukt als eine Personen-Gegenstand-Konzeption

Die Münchener Gruppe um Andreas Krapp und Manfred Prenzel (1992) hat sich vor dem Hintergrund der bereits vorgestellten Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci & Ryan (1993) innerhalb der Interessenforschung besonders mit der Person, bei der Interesse ausgelöst wird und dem auslösenden Gegenstand, beschäftigt. Im Gegensatz zu Deci & Ryan erforscht Krapp in Hinblick auf das Interesse stärker den Bezug zwischen Person und Gegenstand als Umweltfaktoren, welche gegeben sein müssen damit ein Interesse ausgelöst wird.

Wie bereits im ersten Teil der Arbeit vorgestellt, spricht die Philosophie beim Enthusiasmus ebenfalls von der Relation zwischen Person und dem Auslöser für den Enthusiasmus, nur dass sie nicht von Gegenstand sondern von „Objekt“ und daher von einer Subjekt-Objekt-Beziehung spricht. Diese gleiche Beziehung beschreibt Krapp innerhalb seiner Interessenforschung als PersonenGegenstands-Relation. Dass sich auch Krapp mit seiner Forschung auf die Selbstbestimmungstheorie der Motivation beruft, und diese relationale Kon- struktebene auch beim Interesse in der Auslösungsphase von Bedeutung zu sein scheint, sind Gründe dafür, dass das Interesse nach dem Personen-GegenstandKonstrukt erklärt wird. Ausgangspunkt der Personen-Gegenstandskonzeption ist die grundsätzliche Feststellung, dass im Leben eines Menschen ein ständiger Austauschprozess zwischen Individuum und Umwelt stattfindet (vgl. Krapp, 1992a, S. 304). Ältere Entwicklungstheorien wie die bereits in Kapitel 3.3.2 erwähnte Feldtheorie von Kurt Lewin und auch neue psychologische Theorien in der Musikpädagogik (‚Semiotischer Funktionskreis' nach Spychiger, 2001) belegen dieses. Krapp versteht unter dem Begriff „Gegenstand“ hier nicht nur „reale“ Gegenstände, sondern ebenso „Sinnund Bedeutungseinheiten [...] Sachverhalte in der Lebenswelt eines Menschen, über die Wissen erworben und ausgetauscht werden kann“ (a.a.O., S. 305). Daher befindet sich das Individuum stehtig in vielen Personen-Umwelt-Relationen, „Interesse [jedoch] bezeichnet eine bedeutungsmäßig herausgehobene Person-Gegenstands-Relation.“ (a.a.O., S. 307). Unter dem Begriff des Personen-Gegenstand-Bezugs versteht Krapp eine „relativ dauerhafte (stabile) und situationsübergreifende (generalisierte) Relation einer Person zu einem Gegenstand im Sinne eines habituellen oder dispositionalen Persönlichkeitsmerkmals“ (a.a.O.).

 
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