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4.2.3 Bereichsspezifische Interessen nach Todt

Todt unterscheidet, ebenso wie die Münchener Gruppe, das Interesse in ein rein dispositionales Persönlichkeitsmerkmal (trait) und ein situatives Interesse (state) (vgl. Daniels, 2008, S. 25). Seine Forschungsergebnisse heben sich jedoch von der Münchener Gruppe ab, indem er das individuelle Interesse in allgemeine, spezifische und situative Interessen unterteilt (vgl. a.a.O.):

Abbildung 15: Interessenmodell nach Todt, Drewes und Heils (1991) (nach Daniels, 2008, 2008, S. 26)

Das mehrdimensionale Modell beschreibt sehr gut die Verbindung des Interessenkonstrukts mit dem jeweiligen Kontext und Inhaltsbereich. Nach Todt handelt es sich um verallgemeinerte Handlungstendenzen, die sich in enger Wechselwirkung zur kognitiven Entwicklung und zur Entwicklung des Selbstbildes differenzieren (vgl. a.a.O.). Im Gegensatz dazu beziehen sich spezifische Interessen auf bestimmte Gegenstände, Tätigkeiten oder Erlebnisse innerhalb eines allgemeinen Interessenbereichs. Sie entwickeln sich aufgrund konkreter Anregungen und/oder Gelegenheiten sowie wiederholten befriedigenden Handlungen, die mit diesen unterschiedlichen Interessen auftreten können. „Die Interessen in den Lebensbereichen Schule, Freizeit und Beruf müssen dabei nicht immer unmittelbar miteinander zusammenhängen“ (Daniels, 2008, S. 27). In diesem Punkt ist der Musikunterricht ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es kein anderes Fach gibt, mit dem sich die meisten Schüler in ihrer Freizeit freiwillig und so zeitintensiv beschäftigen (Heß, 2011, S.2ff). Nach Todts Modell ist jedoch im Bereich Musik von einer großen Diskrepanz zwischen den allgemeinen, spezifischen und situativen Interessen im Kontext von Freizeit und Schule (horizontaler Vergleich) bei Jugendlichen auszugehen. Was Todt in seinem anschaulichen Modell hingegen nicht verdeutlicht, ist die entwicklungspsychologische Komponente im Sinne einer zeitlichen Entwicklung. Geht man von einem interessierten Schüler im Musikunterricht aus, wo auf der einen Seite ein situatives Interesse für Musik hervorgerufen wird und auf der anderen Seite ein von musikalischer Leidenschaft zu einem Berufsziel hingeführter Berufsmusiker dargestellt wird, so müsste das Modell umgekehrt aufgebaut sein, um ebenso eine zeitliche Entwicklung innerhalb dieses Modells aufzeigen zu können.

 
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