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4.2.4 Das topologische Interessenkonstrukt

Daniels führt bei der Vorstellung der verschiedenen aktuellen Interessenkonstrukte das Modell der Kieler Gruppe (Hoffmann, Häußler & Lehrke, 1998) als Letztes auf, da auch sie ihren Ansatz mit dem psychologischen Interessenmodell der Kieler Gruppe verbindet. Sie geht stärker auf den tätigkeitsbezogenen Aspekt ein, der ein Interesse hervorruft. Im Rahmen einer Studie zur physikalischen Bildung entwickelten sie ein Interessenmodell mit drei Dimensionen: 1. Interesse am Kontext, 2. Interesse an einem bestimmten (hier physikalischen) Inhalt, 3. Interesse an einer bestimmten Tätigkeit in diesem Zusammenhang. Sowohl die Tatsche, dass die Studie in einem pädagogischen Kontext entstand als auch, dass der Musikunterricht ebenso ein stark tätigkeitsbezogenes Schulfach sein kann, machen die Ergebnisse der Kieler Gruppe auch für den ME interessant. Abschließend entwickelte die Kieler Gruppe für das Fach Physik sogar drei verschiedene Interessentypen: 1. Ein Schülertyp, der an einem breiten Spektrum der mathematischen Physik interessiert ist, 2. ein Schülertyp, der sich in erster Linie für die Anwendungen der Physik im Kontext von Mensch und Natur interessiert und 3. ein Schülertyp, der an einer Diskussion der gesellschaftlichen Bedeutung der Physik interessiert ist und gleichzeitig Desinteresse an der „harten“ Physik zeigt.

Zusammenfassend lässt sich nach Daniels feststellen, dass alle Interessenkonstrukte zwischen einem individuellen und einem situativen Interesse unterscheiden, wobei Letzteres durch die wichtigen äußeren Umweltbedingungen hervorgerufen wird. Dem individuellen Interesse hingegen wird stets ein intrinsischer Charakter zugesprochen und es besteht aus gefühlsbezogenen und gefühlsneutralen Komponenten. Lediglich die Bereiche bzw. Dimensionen, in denen sich das Interesse durch einen Auslöser in Form eines Gegenstands entwickeln kann, werden in der Forschung unterschiedlich benannt. Daniels weist weiter darauf hin, dass die bereits vorgestellte Selbstbestimmungstheorie der Motivati- on aus dem Bereich der Lernmotivation wie auch die Konstrukte anderer intrinsisch motivierter Verhaltensweisen in einer engen Beziehung zu den vorgestellten Interessenkonstrukten stehen. Ebenso gilt das für den ME. Da er aufgrund seines intrinsischen Charakters immer wieder nahe den Konstrukten der intrinsischen Motivation, der Neugierde, des Interesses und auch der Leidenschaft anzusiedeln ist, ist es bedeutsam, ihn per definitionem von diesen wissenschaftlich abzugrenzen. Bisher sind hierzu jedoch keine Forschungsergebnisse aufzufinden.

 
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