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5.1.1 Das Kodieren

Die qualitativen Interviews sind die zentrale empirische Grundlage der Datenerhebung nach der GT Methode (vgl. Strauss, 1991b, S. 46). Das Kodieren ist ein Interpretationsverfahren, mit dem die gewonnenen Daten aus den transkribierten Interviews systematisch aufgebrochen werden. „Coding, the initial phase of the analytic method, is simply the process of categorizing and sorting data. Codes then serve as shorthand devices to label, separate, compile and organize data. Codes range from simple, concrete and topical categories to more general, abstract conceptual categories for an emerging theory“ (Charmaz, 1994, S. 97). Durch dieses Aufbrechen entstehen zusammen mit neuen Konzepten neue Kategorien aus dem kontinuierlichen Vergleich der Daten während der Erhebung.

„[...] Es ist der zentrale Prozess, durch den aus den Daten Theorien entwickelt werden.“ (Strauss & Corbin, 1996, zitiert nach Flick 2007, S. 388). Daher werden die Daten nicht inspiziert, um eine befindliche Theorie fortzuschreiben, sondern diese entsteht erst durch die systematische Kodierung (vgl. Strübing, 2008, S. 19). „Im Prozess des Kodierens entwickelt der Forscher Konzepte, das sind in Begriffe gefasste Hypothesen, und er stellt Zusammenhänge zwischen diesen Konzepten her.“ (Hildenbrand, 2010, S. 36). Anhand von einzelnen Wörtern, Textstellen oder Stichpunkten werden bestimmte Stellen im Text vermerkt. Es ist nicht die Quantität, sondern die aufgebrochene Qualität der Daten, die im Vordergrund des Verfahrens steht.

Der Prozess der Auswertung beginnt mit dem offenen Kodieren. Das offene Kodieren bedeutet das „Aufbrechen“ des Textes, in dem einzelne Phänomene analytisch herauspräpariert werden (vgl. Strübing, 2008, S. 20). Mit der Markierung der Textstelle und der Hervorhebung eines Kodes anhand von einfachen Worten entsteht gleichzeitig ein Konzept. Das offene Kodieren leitet nach und nach in ein axiales Kodieren über. Beim axialen Kodieren werden qualifizierte Beziehungen zwischen Konzepten verglichen und anhand des kontinuierlichen Vergleichens geprüft (vgl. Strübing, 2008, S. 20). Auf einer „höheren“ Ebene werden nun einzelne Konzepte in Hauptund Nebenkategorien eingeteilt. So stellt sich durch die Generierung heraus, welche Ereignisse konzeptuell ähnlich sind und welche Kategorien mehr und mehr gesättigt werden. „Das ständige Vergleichen von Vorkommnissen führt sehr bald zur Generierung [...] der Kategorie. Der Forscher beginnt den vollen Umfang der Charakteristik [...] der Kategorie zu begreifen, das heißt des Zusammenhangs ihrer Dimensionen, der Bedingungen [...] ihrer wesentlichen Konsequenzen, ihrer Beziehungen zu anderen Kategorien [...]“ (Glaser & Strauss, 1998, S. 112).

Wenn man das axiale Kodieren als eine Hervorhebung innerhalb des Auswertungsverfahrens auf einer ersten höheren und abstrakteren Stufe betrachtet, so wird schnell deutlich, was das selektive Kodieren bedeutet. Hier werden alle sich vorher gebildeten Hauptund Nebenkategorien betrachtet und sogenannte „Kernkategorien“ gebildet. Die Entscheidung für die jeweilige „Kernkategorie“ trifft der Forscher. Sie verbindet alle Hauptkategorien und ist ein zentrales Element der GT. Eine Kernkategorie muss daher evident in einer Beziehung zu anderen Hauptkategorien stehen. Dadurch, dass der Forscher auch jetzt noch stetig seine analytische Perspektive mit dem Aufkommen neuer (Schlüssel-) Kategorien justiert, können auch zu einer Schlüsselkategorie noch neue Kodes und Konzepte gebildet werden.

Die Datenauswertung gilt dann als abgeschlossen – sofern man im Sinne der Forschungsmethode überhaupt von einem Abschluss sprechen kann – wenn eine Theorie aus den erhobenen Daten generiert werden kann. Hierbei gilt es, sich als Forscher generell zu fragen, was für eine Theorie gebildet werden soll. Soll die Theorie eine soziale Realität möglichst genau in ihrer Komplexität beschreiben und anhand von sorgfältig ausgearbeiteten Daten möglichst weit in Details gehen? Oder soll die Theorie eben diese Komplexität vereinfachend beschreiben, ohne genau ins Detail zu gehen und damit breitere Anwendung auch in anderen sozialen Kontexten finden? Um diesen Kern kreist die Forschung nach dieser Methode, da sich laut ihrer Vorgehensweise dieser Zwiespalt in der sozialen Realität stetig auftut. So muss man sich auch fragen, für welche Art der Beschreibung von sozialer Realität die Theorie geeignet sein soll.

„Glasser and Strauss seem to favor both [...] they try to reconcile these divergent demands [...] through a distinction between two kinds of theory, which they call

‚substantive' and ‚formal' theory“ (Dey, 1999, S. 39).

Die Bildung einer formalen Theorie aus einer materiellen Theorie ist das schlussendliche Ziel am Ende einer jeden vergleichenden Datenanalyse. „[...] formal theories should not normally be applied directly to data, lest this involve forcing data to fit the theory.[...] Instead, the research should allow substantive theories to emerge first, and on that basis determine which formal theories might be most relevant“ (Dey, 1999, S. 40). Das bedeutet, dass sich die formale Theorie aus der materiellen Theorie heraus entwickelt und ein höheres Abstraktionsniveau bildet. Sie ist daher allgemeiner formuliert und beinhaltet im Gegensatz zu einer materiellen Theorie keine weiteren beschreibenden Details (vgl. Glaser

& Strauss, 1998, S. 88ff).

 
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