< Zurück   INHALT   Weiter >

6 Präsentation der Ergebnisse

Die folgenden Kapitel beinhalten neben einer quantitativen Auswertung einiger Antworten zu den Interviewfragen eine Clusteranalyse zum Enthusiasmus. In einem weiteren Teil der Ergebnispräsentation wird ausschließlich die qualitative Ergebnispräsentation nach der GT Methode fokussiert. Abschließend werden dann qualitative und quantitative Ergebnisse verbunden, um erste Aussagen zum Auftreten des ME im musikalischen Umfeld in Form einer aufgestellten Typologie zu formulieren.

6.1 Quantitative Auswertung der Antworten aus den Interviews

Bei der Auswertung der Interviewfragen ist es besonders von Interesse, mit welchen Worten das Phänomen „Enthusiasmus“ beschrieben wird. Hierzu gab es bei der Interviewdurchführung keine Beeinflussung und es wurde eine große Offenheit zur individuellen Beschreibung des Phänomens gegeben, indem gefragt wurde: „Was bedeutet für Dich eigentlich Enthusiasmus?“ (Interviewfrage Nr.1). Hierzu wurde sich in der Auswertung besonders auf Begriffe konzentriert, die begründet aus der eigenen theoretischen Sensibilität und dem theoretischen Teil der Ergebnisse hervorgehen. Die Ergebnisanalyse bezieht sich daher hier auf die vier stärksten Begriffe wie ‚Spaß'‚ ‚Interesse', ‚Freude' und ‚Leidenschaft'. Die erste Interviewfrage impliziert zugleich ein weiteres Ergebnis, das der zweiten Frage vorausgeht, da so auch festzustellen ist, ob der Begriff „Enthusiasmus“ überhaupt bekannt ist. In einem weiteren Analyseschritt soll in Bezug auf die erste Frage auch festgestellt werden, ob es hier eventuell auch, je nach Art der weiterführenden Schule oder im Vergleich zur Eltern-Bläser-Gruppe, Unterschiede gibt.

Ergebnisse zur Interviewfrage Nr. 1: Ist der Begriff „Enthusiasmus“ bekannt?: Von allen 50 befragten Probanden ist 84 % der Befragten der Begriff ‚Enthusiasmus' bekannt. Hierbei gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Die 16 %, die den Begriff nicht kennen, setzen sich ausschließlich aus einer Gruppe von Jugendlichen zusammen. Die Erwachsenen haben als Vergleich hierzu keine Definitionsschwierigkeiten.

Ergebnisse zu Frage Nr. 2: „Mit welchen Begriffen wird das Phänomen ‚Enthusiasmus' von den Probanden beschrieben ?“:

Neben den Ergebnissen zur Bekanntheit des Begriffs ‚Enthusiasmus' soll geprüft werden, mit welchen Worten der Enthusiasmus beschrieben wird. Außerdem wird aus pädagogisch-psychologischer Sicht nach den Zusammenhängen und der möglichen „Nähe“ dieser Begriffe zum Enthusiasmus gefragt, wie zum Beispiel ob das Interesse für die Befragten eine Vorstufe des Enthusiasmus ist.

65 % aller Befragten erwähnen im Zusammenhang mit der Beschreibung zum Enthusiasmus in verschiedenen Lebenssituationen die Worte ‚Spaß' und

‚Interesse'. Was das Geschlecht und die Altersklasse angeht, so gibt es in dieser Fallauswahl hierzu keine signifikanten Unterschiede, bis auf die Tatsache, dass 74 % aller Jugendlichen und nur 25 % der Erwachsenen den Begriff ‚Interesse' verwenden. Genauso gering ist dieser Anteil in der Gymnasialklasse mit einem musikalischen Schwerpunkt. Signifikant höher ist hier der Anteil der Parallelklasse, wo 89 % aller Probanden den Begriff ‚Interesse' verwenden.

Ergebnisse zu Frage Nr. 3 „Sind Unterschiede in Hinblick auf die verschiedenen Populationen festzustellen ?“:

Insgesamt sind viel weniger Unterschiede als vermutet festgestellt worden und keine an dieser Stelle erwähnenswerten auffälligen Werte (auch in der Klasse mit dem musikalischen Schwerpunkt) zu vermerken. Es gibt aber zwei Interviewfragen, deren Antworten, neben qualitativen, auch quantitative Ergebnisse bilden und die im Folgenden kurz zusammengefasst sind:

Ergebnisse zur (zusätzlichen) Interviewfrage „Spielst Du ein Instrument ?“:

Von allen befragten Jugendlichen spielen 51 % ein Instrument. In der folgenden Auswertung wird die Klasse mit dem musikalischen Schwerpunkt herausgenommen, da die Schüler in dieser Klasse alle ein Instrument spielen, denn es ist eine Bedingung, um in diese Schwerpunktklasse zu kommen. 22% aller befragten Jugendlichen der anderen drei Populationen haben früher mal ein Instrument gespielt und 27 % bisher keines. Auffällig ist, dass von allen Probanden der Realschule 75 % bisher kein Instrument in ihrer Freizeit gespielt haben, 8 % früher mal ein Instrument gespielt haben und nur 17 % ein Instrument in ihrer Freizeit spielen. Von den Schülern des Gymnasiums in Tecklenburg spielen mit 40 % deutlich mehr Jugendliche ein Instrument, 50 % haben früher ein Instrument gespielt und nur 10 % spielen kein Instrument. Recht ähnlich verteilen sich die Werte in der vergleichbaren Klasse des Gymnasiums in Schwerin, ohne musikalischen Schwerpunkt. Hier spielen 56 % der Befragten ein Instrument, 33 % haben früher mal ein Instrument gespielt und 11 % haben bisher noch kein Instrument in ihrer Freizeit gespielt.

Die quantitativen Ergebnisse der Fallauswahl deuten tendenziell darauf hin, dass die Schüler der beiden weiterführenden Schulen ohne musikalischen Schwerpunkt ein ähnliches Verhältnis aufweisen. Das lässt auf einen ähnlichen Zugang zu Musik und dem musikalischen Angebot durch die Schulen schließen. In der Realschule hingegen kommen nach den Ergebnissen die Jugendlichen weniger mit Instrumenten in ihrer Freizeit in Kontakt. Inwiefern auch weitere äußere Bedingungen neben den Unterrichtsinhalten, wie die Einrichtung von Bläserklassen und anderen Angeboten der Schule und die umliegenden kulturellen Einrichtungen hier eine Rolle spielen, gilt es zu hinterfragen. Hierfür bedürfte es weiterer empirischer Untersuchungen.

Ergebnisse zur Interviewfrage Nr. 7 „Wählst du Musik weiter ?“:

Zum Zeitpunkt der Befragung sind die Jugendlichen mit 15 oder 16 Jahren in einem Alter, in dem sie sich bewusst für oder gegen das Unterrichtsfach Musik entscheiden können. Ein weiterer Faktor ist hier jedoch auch das andere Alternativwahlfach Kunst, da sie zwischen Musik und Kunst als Unterrichtsfach wählen müssen.

Aus der Realschule wählen 58 % aller Schüler das Fach Musik weiter, wobei hiervon 8 % dieses tun, um nicht das Fach Kunst belegen zu müssen. 33 % hingegen wählen das Fach nicht weiter. Einen ähnlichen Wert weisen die Befragten des Gymnasiums in Schwerin auf, wo 67 % das Fach Musik weiterwählen (hier jedoch kein Schüler, um nicht Kunst zu wählen) und 33 % das Fach nicht weiterwählen. Nach diesen Ergebnissen kann man die Tendenz feststellen, dass nach diesen Ergebnissen das Spielen eines Instruments also keinen großen Einfluss auf die Weiterwahl des Fachs Musik besitzt. Wäre das der Fall, so würden sich nach den niedrigen Werten der Realschule (75 % spielen kein Instrument) hier deutlichere Unterschiede abzeichnen. Auch die andere Gymnasialklasse des Graf Adolf Gymnasiums wählt zu 80 % das Fach Musik weiter. Diese quantitative Auswertung der Interviewantworten zu dieser Frage belegt, dass die weitere Wahl des Fachs Musik mit ungefähr zwei Drittel aller befragten Schüler an allen Schulen fast gleich verteilt ist.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >