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6.7 Aufstellung von Hypothesen zum Musikalischen Enthusiasmus

Für die Theoriegenerierung nach der GT gilt die Regel im Voraus keine Hypothesen aufzustellen (vgl. Glaser & Strauss, 1998, S. 199). Vor dem Hintergrund der vorliegenden Untersuchungen dieser Arbeit lassen sich jedoch an dieser Stelle nun verschiedene Hypothesen zum ME in Verbindung mit den fünf verschiedenen Dimensionen nach Costa & McCrae aufstellen. „Es muss unterstrichen werden, dass diese Hypothesen zunächst einen vorläufigen Status haben: Sie beschreiben mutmaßliche, nicht getestete Zusammenhänge [...] .“ (a.a.O.). Es handelt sich daher um aus dem analysierten Datenmaterial generierte Hypothesen, die sich auf verschiedene Bereiche im Kontext des ME beziehen und in weiteren empirischen Studien zum ME getestet werden könnten:

I. Der ME im didaktischen Kontext:

Auch wenn in dieser Arbeit keine konkrete Unterrichtssituation auf das mögliche Auftreten des ME bei Schülern untersucht wurde, so lässt sich anhand der Aussagen der Probanden (auch bei der Eltern-Bläser-Gruppe) in den Interviews feststellen, dass eine Lehrperson keine notwendige Bedingung zur Auslösung des ME ist. Sie ist vielmehr als Ermöglicher für Bedingungen im Unterricht anzusehen, die den ME beim Individuum auslösen. Die Lehrperson hat dadurch eine systemische Funktion.

Hypothese 1

Die Auslösung des ME im Musikunterricht ist nicht bedingt durch die Lehrperson, sondern durch ein situationsbezogenes soziales Konstrukt in der Unterrichtssituation im Sinne einer Objektauseinandersetzung.

II. Die individuelle Persönlichkeitsstruktur und der mögliche Einfluss auf den Musikalischen Enthusiasmus:

Durch die Auswertung der Persönlichkeitstests und die anschließende Analyse konnte anhand von verschiedenen Clustern kein bestimmtes Persönlichkeitskonstrukt festgestellt werden, das den ME eindeutig bedingt (Kapitel 6.2). Die Korrelationsanalyse führt Ergebnisse auf, die darauf hindeuten, dass es für Personen mit einem höheren Wert im Bereich Offenheit für neue Erfahrungen wahrscheinlicher ist, dass sie eine Situation mit ME erleben als andere.

Hypothese 2

Personen mit einem hohen Wert in der Dimension „Offenheit für neue Erfahrungen“ erleben mehr von ME geprägte Situationen als andere Menschen.

III. Der ‚Musikalische Enthusiasmus' im Zusammenhang mit Motivation und Disziplin:

Was den ME im Zusammenhang mit Motivation und Disziplin betrifft, ist es anhand der Aussagen der Schüler schwierig, zu den konstanten Gruppenformationen als Situation für den ME Aussagen zu treffen. Motivation und Disziplin sind hier deutlich häufiger in den Aussagen der Mitglieder der Eltern-BläserGruppe zu finden, da sie sich in einer Gruppe konstant und regelmäßig musikalisch außerhalb eines schulischen Kontextes weiterbilden. Die auffallende Ausprägung im Bereich Verträglichkeit und ihre Aussagen zur Auswirkung des ME auf die eigene Motivation und Disziplin ergeben eine weitere Hypothese in diesem Zusammenhang:

Hypothese 3

Musikbegeisterte Personen mit einem ausgeprägten Wert in der Dimension Verträglichkeit erleben einen ME in einer musikalischen Gruppenformation regelmäßig, bewusst und häufiger als andere.

IV. Die Persönlichkeitsmerkmale und der ‚Musikalische Enthusiasmus':

Die Aussagen der Probanden zeigen in ihrer qualitativen und quantitativen Auswertung nicht, dass der ME in einem direkten und einflussreichen Zusammenhang mit verschiedenen Merkmalen steht. Der ME kann als Phänomen im Musikunterricht als auch außerhalb der Schule in verschiedenen Situationen, unabhängig von einem bestimmten Merkmal, existent sein.

Hypothese 4

Der ME ist ein Phänomen, das situationsbedingt ausgelöst und nicht durch das Alter, den Bildungsstand oder den musikalischen Fähigkeitsbereich der ihn erfahrenden Person bedingt wird.

 
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