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2.1.5 Zusammenfassung

Der kurze Überblick über die politikwissenschaftlichen Ansätze zeigt, dass es verschiedene analytische Perspektiven auf den Untersuchungsgegenstand der Beziehung zwischen Jugendamt und freien Trägern in der Jugendhilfe gibt. Der Dritte-Sektor-Ansatz ist vor allem als ein heuristisches Modell zur Erfassung der Nonprofit-Organisationen zwischen Markt und Staat anzusehen und zeichnet sich durch seine hohe Anschlussfähigkeit zu wirtschaftsund hier besonders interessierenden politikwissenschaftlichen Fragestellungen aus. Dabei gibt es große Schnittstellen zwischen der Dritte Sektor-, der Wohlfahrtspluralismus-, Governanceund Korporatismus-Forschung. Der Wohlfahrtspluralismus-Ansatz hilft dabei, den Blick zu schärfen für das Zusammenspiel und die Interaktion des Staates und des Dritten Sektors als zwei zentrale Sektoren neben dem Markt und dem informellen Bereich sowie ihre jeweiligen Beiträge bei der Wohlfahrtsproduktion im Zeitverlauf. Darüber hinaus sensibilisiert er für die Hybridität der Dritte-Sektor-Organisationen, die als intermediäre Organisationen zwischen Markt, Staat und informellem Sektor angesiedelt sind. Ein Mehrwert des Governance-Ansatzes besteht in der Ablösung von einer Fokussierung auf die Sektoren und die sie auszeichnenden Handlungslogiken und die verstärkte Hinwendung zu den unterschiedlichen Governance-Formen (Hierarchie, Markt, Netzwerke etc.), die bei der Wohlfahrtsproduktion zusammenwirken und in unterschiedlichen Mischformen in den Sektoren, aber auch politischen Handlungsfeldern wie z.B. der Jugendhilfe anzutreffen sind. Darüber hinaus steht Governance für eine deskriptive und auch normativ aufgeladene Gegenwartsdiagnose, nach der die hierarchische staatliche Steuerung zunehmend abgelöst wird durch eine komplexe Kombination unterschiedlicher Steuerungsformen. Der Korporatismus-Ansatz schließlich ist von heuristischem Nutzen beim Verstehen der gewachsenen wechselseitigen Verflechtungen zwischen Politik, Verwaltung und freien Trägern im gegenseitigen Interesse. Gleichzeitig steht er als Zustandsbeschreibung für ein spezifisches System der Verflechtung von Staat und Verbänden. Es wird allerdings diskutiert, ob der Korporatismus-Ansatz heute noch passend ist, um den Status quo des Zusammenwirkens von Staat und DritteSektor-Organisationen treffend zu beschreiben.

 
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