Bewertung des Samples mit Blick auf die strukturelle Varianz

Das Sample schätze ich mit Blick auf die strukturelle Varianz wie folgt ein:

Ÿ Es wurden acht Jugendamtsvertreter und acht Trägervertreter interviewt mit dem Ziel, deren individuelle Orientierungen zu rekonstruieren. In diesen spiegelt sich in verschiedenen Varianten der kollektiv geteilte Sinn (kollektive Orientierungen) wider. Es ist davon auszugehen, dass das Sample auf dieser Ebene relativ große strukturelle Varianz bietet und auf Basis der rekonstruierten individuellen sinngenetischen Orientierungen eine Basistypologie entwickelt werden kann, die die verschiedenen individuellen Orientierungen in ihrer Variation erklärt.

Ÿ Bereits für sich genommen informieren die rekonstruierten individuellen Orientierungen der Interviewten über den kollektiven Sinn derjenigen Organisationen, die sie repräsentieren. Da die Interviewten zentrale Vertreter und Entscheidungsträger ihrer Organisationen sind, ist davon auszugehen, dass ihre individuellen Orientierungen in besonderem Maße die offizielle Politik und die kollektive Orientierung ihrer Organisation widerspiegeln. Die Befragung von zwei Vertretern pro Jugendamt ermöglicht zudem zusätzliche Erkenntnisse über die Zusammenführung beider Perspektiven. Pro Träger wurde nur ein Interview geführt, d.h. hier wurde die kollektive Orientierung des Trägers auf Basis einer einzelnen individuellen Orientierung sowie vorliegender Dokumente rekonstruiert. Die empirische Datenbasis ist für die Organisation Jugendamt damit breiter als für die Träger-Organisationen. Auf der anderen Seite steht ein Sample von acht Trägerorganisationen für eine größere strukturelle Varianz als ein Sample von vier Jugendämtern.

Ÿ Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die analysierten Jugendämter und Träger mit Blick auf die möglichen verschiedenen organisationsbezogenen Erfahrungsaufschichtungen nur einen Ausschnitt der real existierenden Heterogenität widerspiegeln. Deshalb verfolgt diese Studie nur das Ziel, über die verschiedenen standort-, milieuund organisationsspezifischen Erfahrungsräume als erklärende Variable für die rekonstruierten kollektiven Orientierungen zu reflektieren. Sie zielt nicht auf eine soziogenetische Typenbildung, der es darum geht, die Variationen als Produkte spezifischer standort-, milieuund organisationsspezifischer Erfahrungsräume zu erklären.

Ÿ Das Sample ermöglicht Erkenntnisse über acht Beziehungen und die damit verbundenen Beziehungsmuster. Hier ist davon auszugehen, dass die acht Fälle nur einen begrenzten Ausschnitt der real existierenden Heterogenität – insbesondere mit Blick auf ihre kontextuelle Einbettung – widerspiegeln.

Zu beachten ist, dass die Reichweite der Erkenntnisse von einer Ebene zur anderen damit sukzessive abnimmt, da die Anzahl der Untersuchungseinheiten abnimmt. Es ist zu vermuten, dass die von mir analysierten acht Fälle, d.h. Beziehungen, letztlich nur erste Einblicke in die bestehende Heterogenität der Praxis geben können. Trotz dieser Einschränkung gilt: Die analysierten Fälle bieten wertvolle Erkenntnisse über die vielfältigen Beziehungsmuster zwischen Jugendämtern und freien Trägern und es können auf Basis der Daten Einsichten gewonnen werden, die auf jede andere Beziehung übertragbar sind.

 
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