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8.1.2 Beziehung: Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis – Partnerschaft

Das Gegensatzpaar kann man als ein hierarchisches Beziehungsverständnis im Sinne einer Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung auf der einen und ein egalitäres Beziehungsverständnis im Sinne einer Partnerschaft auf der anderen Seite bezeichnen. Auch innerhalb dieser Dimension gibt es zum einen ‚Reinformen' in dem Sinne, dass die Interviewten durch ein hierarchisches oder ein egalitäres normatives Beziehungsverständnis geprägt sind und dieses ihre Handlungspraxis steuert. Es gibt aber ebenso Patchwork-Orientierungen, in denen die Akteure sich als Auftraggeber/Auftragnehmer und auch Partner definieren, entweder weil sie beides als verbindliche Norm anerkennen oder sich mit einem gegenteiligen Beziehungsverständnis konfrontiert sehen, das sich auch auf ihre Handlungspraxis auswirkt.

Orientierungen als ‚Reinformen'

Der Jugendamtsleiter WLJA des westdeutschen Landkreises WL definiert die Beziehung als eine Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung, in der das Jugendamt die Träger hierarchisch steuert. Dieses Beziehungsverständnis legitimiert er damit, dass das Jugendamt Fachlichkeit repräsentiert und als öffentliche Instanz die profitund machtorientierten Träger „zielgerichtet“ steuern muss, um das „beste Ergebnis“ (WLT1A_14) zu erzielen. Dieses Beziehungsverständnis prägt seine bisherige Handlungspraxis.

Die Jugendamtsleiterin OLJA des ostdeutschen Landkreises wiederum vertritt ein partnerschaftliches Beziehungsverständnis. Sie versteht die Träger als Partner in der Sache und distanziert sich explizit davon, das „Machtgehabe eines öffentlichen Trägers“ (OLJA_70) einzusetzen. Stattdessen proklamiert sie die Leitlinie, die Mitarbeiter des Jugendamtes und der freien Träger „auf gleicher Augenhöhe“ weiter zu entwickeln. Denn eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sieht sie als Voraussetzung für Fachlichkeit.

Die ostdeutsche Trägervertreterin OST2A definiert die Beziehung als eine Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung und ihren eigenen Träger dabei als

„Anhängsel“ (OST2A_36) des Jugendamtes. Das sich in dieser Selbstdefinition dokumentierende Abhängigkeitsgefühl vom Jugendamt spiegelt sich deutlich in ihren Beschreibungen der eigenen Handlungspraxis wider, die durch Defensivität und beflissene Dienstbarkeit gegenüber dem Jugendamt geprägt ist.

Der ostdeutsche Trägervertreter OLT1A sieht die Beziehung als eine Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung, in der seine „Firma“ vom Jugendamt als

„Geldgeber und Beleger unserer Einrichtungen“ (OLT1A_33) abhängt. Das sich in dieser Beschreibung dokumentierende Abhängigkeitsverhältnis wird unterstrichen durch seine Konstruktion des Jugendamtes als dominierenden, allwissenden Akteur, der seinen Träger engmaschig kontrolliert. OLT1A fügt sich selbstverständlich in die Rolle eines Anbieters ein, der sich in seinem Handeln voll und ganz am Jugendamt ausrichtet.

Ein Gegenbeispiel hierzu stellt der ostdeutsche Trägervertreter OLT2A dar, der die Beziehung als Partnerschaft „auf Augenhöhe“ definiert und betont: „Also die Sozialarbeiter im Jugendamt und unsere Mitarbeiter, begegnen sich wirklich partnerschaftlich fair“ (OLT2A_58). Durch eine solche Partnerschaft würden

schlussendlich auch Kosten gespart“ (OLT2A_58). Das Selbstverständnis eines gleichberechtigten Partners mit einer Tendenz in Richtung Überlegenheitsanspruch artikuliert er nicht nur verbal, es spiegelt sich auch in seinen Beschreibungen der Handlungspraxis wider. Sein Träger übt erheblichen Einfluss auf die individuelle Hilfeplanung aus und wird bei allen übergreifenden fachlichen Fragen vom Jugendamt eingebunden.

 
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