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Finanzen und Fachlichkeit: ein relationales Verhältnis

Für den Leiter des ostdeutschen Stadt-Jugendamtes OSJA gehört es zum Selbstverständnis, den „Mehrklang“ von „Kosten“ und „Qualität“ „vernünftig“ zu regeln (OSJA_18), und er steuert in diesem Sinne die freien Träger. Seine Mitarbeiterin OSJB ist geprägt durch die Norm, „effizient“ (OSJB_54) mit den öffentlichen Mitteln umzugehen, und legt dementsprechend bei der Auswahl von Angeboten konsequent die Kriterien „Fachlichkeit“ und „Finanzen“ an (OSJB_133). Sie grenzt sich außerdem explizit von der Anfang der 1990er Jahre proklamierten Leitlinie ihrer damaligen Ausbilder ab, nach der die Sozialarbeiter sich ausschließlich um fachliche Fragen kümmern und mit den Kosten nicht auseinandersetzen. Sie betont, bereits damals habe das Gesetz „Verhältnismäßigkeit“ (OSJB_56) eingefordert. Die finanzielle Steuerungsperspektive bzw. das Ziel, die Kosten zu deckeln, ist für beide von besonderer Bedeutung. Sie stehen dementsprechend auch der Vorgehensweise positiv gegenüber, die Träger über finanzielle Anreize im Rahmen eines Bonus-Malus-Systems zu steuern und positionieren sich insgesamt als Hüter der öffentlichen Finanzen. Es geht ihnen darum, „mit den Mittel[n] sparsam“ umzugehen (OSJA_61) und „Kostensteigerungen […] in Grenzen [zu] halten“ (OSJB_54).

Der Trägervertreter WST2A positioniert seinen Träger als „Jugendhilfefirma“ (WST2A_2), dessen laufender Betrieb mit „vielen Qualitätsstandards“ (WST2A_136) wie Supervision und Fortbildungen sich nur realisieren lässt, wenn Jugendämter „ein Grundverständnis“ dafür haben, „dass freie Träger Wirtschaftsbetriebe sind, die gewisse Rücklagen bilden müssen, Sicherheitspolster anlegen müssen und deswegen auch immer gut kalkulierte Fachleistungsstunden oder Pflegesätze haben“ (WST2A_80). Qualität lässt sich in dieser Argumentation nur mit entsprechend hohen Entgelten realisieren. Dieses Selbstverständnis trägt er ebenso selbstverständlich nach außen wie das Ziel, seinen Träger „wirtschaftlich stabil“ (WST2A_50) zu halten.

Auch der ostdeutsche Trägervertreter OLT2A positioniert sich mit der besonderen Qualität seines Trägers: „Wir sind als Träger teuer, das ist bekannt, wir sind mit der teuerste Träger im Landkreis. Aber die Qualität macht's“

(OLT2A_46). In dem Verständnis, dass Qualität ihren Preis hat, fordert er vom Jugendamt entsprechend hohe Entgelte ein (OLT2A_115). In der Beschreibung der eigenen Handlungspraxis dokumentiert sich eine unternehmerische Orientierung und er vertritt dabei völlig selbstverständlich den Anspruch, dass sein Träger mit den Angeboten „Geld verdienen“ muss (OLT2A_189).

 
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