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8.3.3 Zusammenfassung

Die Beziehung zwischen Jugendamt und Trägern lässt sich vor dem Hintergrund eines ambivalenten normativen Diskurs-Rahmens erklären. Dieser bezieht sich auf drei Dimensionen mit folgenden Polen:

Ÿ das System: Wettbewerb – komplementäre Angebotslandschaft

Ÿ die Beziehung: Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis (hierarchisches Beziehungsverständnis) – Partnerschaft (egalitäres Beziehungsverständnis)

Ÿ das Ziel: Finanzen – Fachlichkeit.

In der Folge haben sich verschiedene Normalitätsverständnisse darüber entwickelt, wie das System der Jugendhilfe sowie die Beziehung zwischen Jugendamt und Trägern zu gestalten sind und die Steuerungsziele Finanzen und Fachlichkeit dabei zueinander stehen. Die Normalitätsverständnisse können – abhängig davon, durch welchen spezifischen Diskurs-Ausschnitt die beiden Seiten der Beziehung geprägt sind – kongruent oder dissonant sein. Ist das normative Verständnis kongruent, dann akzeptieren die Träger ihre vom Jugendamt zugewiesene Rolle.

Ist das normative Beziehungsverständnis dissonant, versuchen die Träger ihr Beziehungsverständnis über Rhetorik und/oder Handeln im Zusammenschluss mit anderen Trägern gegenüber dem Jugendamt durchzusetzen, wenn sie sich davon Vorteile für ihren Träger erwarten. Dies wurde für die Dimensionen Systemund Beziehungsverständnis anhand von Beispielen belegt:

System: Wettbewerb – komplementäre Angebotslandschaft

Ist das Jugendamt z.B. durch einen wettbewerbsorientierten Orientierungsrahmen geprägt, versuchen die Träger, die sich durch Wettbewerb in einer nachteiligen Situation sehen, ihre Position über Argumentationsmuster gegen Wettbewerb und/oder wettbewerbsfeindliche Handlungsmuster in Form von Allianzen (Preis-, Gebiets-, Mengenkartelle) gegenüber dem Jugendamt zu stärken. Das erfolgreiche Bilden von Allianzen hängt allerdings von den anderen Trägern ab. Kommt eine Träger-Allianz gegen Wettbewerb nicht zustande – sprich kann der Träger mangels Gleichgesinnter sein Systemverständnis nicht durchsetzen – positioniert sich der Träger innerhalb des Wettbewerb-Systems.

Wenn das Jugendamt dagegen durch ein korporatisches Systemverständnis geprägt ist, nach dem ein geschlossener Markt mit komplementären Angeboten den normativ ‚richtigen' Rahmen bildet, dann argumentieren und agieren die in diesem Arrangement nicht berücksichtigten Träger mit einem ordoliberalen Systemverständnis für die Öffnung des Marktes und einen gleichberechtigten Zugang aller Wettbewerber. Setzt das Jugendamt sein Systemverständnis durch und/oder verbindet ein Träger mit einer komplementären Angebotslandschaft Vorteile für sich, positioniert er sich innerhalb dieses Systems.

 
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