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9 Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick

Die Beziehung zwischen öffentlichen und freien Trägern in der Jugendhilfe ist seit den 1990er Jahren einem einschneidenden Wandel unterworfen. In Politik und Praxis wurde viel und kontrovers über die damit verbundenen Folgen für die Beziehung diskutiert. Einzelne wissenschaftliche Studien haben aus Perspektive der öffentlichen oder freien Träger untersucht, welche Auswirkungen das 1990/91 in Kraft getretene KJHG und das NSM auf die Beziehung hatten (siehe Kap. 5). Doch es fehlt bis dato an einer systematischen Zusammenführung beider Perspektiven und einem Abgleich der wechselseitigen Wahrnehmungen von öffentlichen und freien Trägern, um die Beziehung in ihrer Ganzheitlichkeit zu verstehen.

Diese Arbeit hatte sich deshalb das Ziel gesetzt zu untersuchen, wie Jugendämter und freie Träger ihre Beziehung zueinander sehen und welches Rollenverständnis sie haben. Dafür wurden im Rahmen einer rekonstruktiven Studie acht Beziehungen zwischen vier Jugendämtern und jeweils zwei Trägern in zwei westund zwei ostdeutschen Kommunen qualitativ in den Blick genommen. Diese acht Fälle wurden mit dem Anspruch ausgewählt, eine möglichst große Heterogenität widerzuspiegeln. Angesichts der Tatsache, dass a) bislang keine Erkenntnisse darüber vorliegen, was für die Beziehungen ‚typisch' ist, und es b) eine Vielzahl von Beziehungen in Deutschland mit unterschiedlichsten kommunalen Rahmenbedingungen gibt, ist davon auszugehen, dass die acht Fälle nur einen Ausschnitt der realen Heterogenität widerspiegeln. Trotz dieser Einschränkung gilt: Die analysierten acht Fälle bieten wertvolle Erkenntnisse über die vielfältigen Beziehungsmuster zwischen Jugendämtern und freien Trägern und es konnten Einsichten gewonnen werden, die auf jede andere Beziehung im Feld übertragbar sind.

Es wurden pro Jugendamt jeweils zwei Interviews durchgeführt, pro Träger ein Interview. Diese Datenbasis wurde ergänzt um Dokumentenanalysen. Während die Interviews mit der um die Positioningund Agency-Analyse erweiterten Dokumentarischen Methode ausgewertet wurden, erfolgte die Interpretation der Dokumente inhaltsanalytisch. Die Dokumentarische Methode wurde ausgewählt, weil sie dabei unterstützt, die ‚soziale Wirklichkeit der Beziehung' aus der Perspektive der Jugendämter und Träger zu rekonstruieren und dabei sowohl das Spezifische der Beziehung zu verstehen als auch die sozialen Einflüsse, die auf diese wirken, in den Blick zu nehmen. Zudem ermöglicht sie nicht nur den methodisch kontrollierten Zugang zu dem bewussten, reflexiven Wissen der Akteure über die Beziehung, sondern auch zu dem reflexiv nicht ohne weiteres zugänglichen Wissen, das ihrer Beziehungswahrnehmung und -gestaltung zugrunde liegt. Konkret ermöglichte dies die Rekonstruktion von

Ÿ Handlungsmustern, d.h. wie Jugendämter und Träger bei der Gestaltung der Beziehung agieren,

Ÿ Argumentationsund Legitimationsmustern, d.h. wie sie ihr eigenes Handeln legitimieren und das Handeln der Gegenseite bewerten,

Ÿ Denk und Wahrnehmungsmustern, d.h. der normativen Haltungen, die ihrem Handeln und Kommunizieren zugrunde liegen.

Darüber hinaus konnte so rekonstruiert werden, ob die normativen Haltungen von der Handlungspraxis abweichen, und darüber reflektiert werden, ob und welche externen Zwänge und Restriktionen sowie normative Vorgaben hierfür der Grund sein könnten. Im Ergebnis ermöglichte die Anwendung der Dokumentarischen Methode nicht nur zu verstehen, wie Jugendämter und freie Träger in ihren Beziehungen zueinander agieren, sondern auch wie es dazu kommt, dass sie so agieren.

Die erarbeiteten empirischen Ergebnisse, die im vorausgehenden Kapitel bereits gebündelt und interpretiert wurden, werden im Folgenden noch einmal rekapituliert, um sie ausgewählten theoretischen Ansätzen gegenüberzustellen. Dem schließt sich ein Vergleich mit den Ergebnissen anderer Studien an, um dann abschließend einen kurzen Ausblick darauf zu geben, wie die vorliegenden Ergebnisse Anstoß für weitere Auseinandersetzungen geben könnten.

 
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