Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Kultur arrow Feuer und zivilisation
< Zurück   INHALT   Weiter >

Feuerspezialisten: Töpfer, Schmiede und Krieger

Eine tödliche Konfiguration

ie fünf oben aufgezählten Trends bildeten zusammen ein Bündel, jeder einzelne wäre ohne die anderen undenkbar. So konnte die Spezialisierung nicht ohne Organisation erfolgen noch konnte sich die Schichtung ohne Organisation herausbilden usw. Das gesamte Bündel dieser Trends führte dazu, daß die agrarischen Gesellschaften komplexer wurden und verschiedene Klassen von Menschen mit verschiedenen sozialen Funktionen entstanden, wie z. B. Bauern, Handwerker, Krieger und Priester.

Für die Bauern war Feuer für eine Vielzahl von Zwecken unentbehrlich, vom häuslichen Kochen bis hin zum Verbrennen von Abfall und Stoppeln. Abgesehen von saisonalen Feuerfesten war der Gebrauch des Feuers in Routine übergegangen, und die Menschen lernten die Fähigkeiten, die für die Handhabung des Feuers notwendig waren, schon als Kinder. In einigen Gebieten wurden die Bauern langfristig mit einer Brennstoffknappheit konfrontiert, die ihre Ursache im eigenen Verbrauch hatte oder – wie an einigen Beispielen in späteren Kapiteln gezeigt werden wird – in der Holzlieferung an die Städte oder im Aufkommen brennstoffintensiver Industrien wie z. B. dem Bergbau.

Während der Einsatz von Feuer bei den Bauern in erster Linie praktischen Zwecken diente, standen für die Priester die zeremoniellen Funktionen im Vordergrund. Da sie durch praktische Restriktionen weniger gebunden waren, konnten sie eine größere Bandbreite kultureller Variationen im Feuergebrauch entwickeln. Auf diese Weise entstanden im Hinduismus und in der zoroastisehen Religion ganz besondere Feuerrituale. [1] Eine weitere bekannte Ausdrucksform solcher relativer Autonomie in der Herausbildung kultureller Feuertraditionen sind die Beerdigungsriten, die sich auf der Insel Bali erhalten haben. Hier werden für die Verbrennung der verstorbenen Mitglieder des Adels große Türme errichtet. Im fünften Kapitel werde ich etwas mehr über die Art und Weise sagen, in der Priester im alten Israel die Feuerrituale als Mittel zur Einführung und Verstärkung kollektiver, religiöser Identität einsetzten.

In diesem Abschnitt werde ich mich auf zwei Spezialistengruppen beschränken, die Meister des Feuers par excellence waren: die Töpfer und die Schmiede. Beide gebrauchten die zerstörerische Kraft des Feuers, um gesellschaftlich wertvolle Gegenstände zu produzieren. Ein bedeutender Teil der Objekte, die durch die Schmiede hergestellt wurden, waren Waffen, zum Töten bestimmt. Um die soziale Position der Schmiede zu verstehen (und die der Töpfer gleichermaßen), ist es notwendig, ihre besondere Beziehung zu den Kriegern zu beleuchten, die ihre mächtigsten Kunden und Förderer wurden.

Es war das soziale Schicksal sowohl der Töpfer als auch der Schmiede, ähnlich dem der Bauern, daß ihre Berufe sie extrem verwundbar gegenüber organisierter Gewalt machten und sie weder über Zeit noch über die Mittel verfügten, um sich dagegen zu verteidigen. Wie der britische Anthropologe Ernest Gellner feststellt: "Die agrarische Gesellschaft ist zur Gewalt verurteilt. Sie hortet Reichtümer, die verteidigt werden müssen und deren Verteilungsmodus mit Gewalt durchgesetzt werden muß".[2] Die Töpfer und Schmiede hatten nicht mehr Macht als die Bauern, dieser Tendenz zu widerstehen und die Agrargesellschaft davor zu bewahren, sich in eine von Kriegern beherrschte, militärisch-agrarische Gesellschaft zu verwandeln. [3] Ob gewollt oder nicht, sie trugen zu diesem Trend bei und wurden von ihm mitgezogen.

  • [1] Vgl. Boyce 1979; Duchesne-Guillemin 1962; Mokri 1982; Staal 1983.
  • [2] Gellner 1990, S. 179.
  • [3] Vgl. Goudsblom, Jones und Mennell 1989, S. 79–92.
 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften