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Töpfer

Neue Gegenstände aus Ton oder Metall zu gestalten war schon fast das Musterbeispiel produktiver Arbeit. Sie konnte nur mit Hilfe des Feuers getan werden. Es zerstörte die ursprünglichen Verbindungen, in denen Ton oder Metallsubstanzen vorkamen, und brachte so neue Substanzen in einer neuen Form hervor.

Die Herstellung von Töpferarbeiten hing im wesentlichen von zwei Arbeitsvorgängen ab: ein Stück Ton in der gewünschten Form zu modellieren und es so zu erhitzen, daß es irreversibel hart wurde und keine chemische Verbindung mit Wasser mehr eingehen konnte. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg müssen die Menschen den Prozeß des Erhärtens von Ton zufällig beobachtet haben, wenn sie ihn für eine Herdstelle gebraucht haben. Die ältesten bekannten Überreste von absichtlich gebranntem Ton, in der Form von Figurinen, stammen aus dem Älteren Paläolithikum vor zwanzigbis dreißigtausend Jahren und wurden an verschiedenen Orten des eurasischen Kontinents gefunden. [1]

Gebrannte Gefäße aus Lehm wurden erst nützlich, nachdem Menschen seßhaft geworden waren. Anfänglich wurde die Herstellung vermutlich von wandernden Spezialisten, die mit ihren Werkzeugen von Dorf zu Dorf reisten und ihre Töpfe auf offenen Feuern brannten, übernommen. Die Töpfe selbst waren für einen Transport zu schwer und zu zerbrechlich. Sie waren nur für Menschen, die in dauerhaften Siedlungen wohnten, von Nutzen.

In derartigen Siedlungen konnten Töpfer Öfen bauen, mit denen sich die Hitze effektiver kontrollieren ließ als auf einem offenen Feuer. Ganz eindeutig erforderten das Bauen eines Ofens und seine effektive Nutzung viele Fertigkeiten. Die Qualität des Tons prüfen, das Reinigen, Schmelzen, Trocknen, Erhitzen und Abkühlen und letzten Endes das Dekorieren des fertigen Objekts – alle diese Tätigkeiten erforderten vom einzelnen Handwerker Wissen, Fertigkeit, Aufmerksamkeit und Geduld. Darüber hinaus mußten auch soziale und kulturelle Bedingungen erfüllt sein. Der Ofen war neben einer technischen Errungenschaft auch eine Kapitalinvestition. Um ihn zu benutzen, brauchten die Töpfer regelmäßigen Nachschub an Brennmaterial und Ton. Sie konnten ihr Handwerk nur ausüben, wenn sie vor Raubzügen ziemlich sicher waren. Dies kann eine Erklärung dafür sein, warum viele von ihnen zunächst an einen Tempel oder an einen Palast angeschlossen waren.

Töpferware war nützlich, um Weizen, Nüsse, Öl und andere Nahrungsmittel aufzubewahren. Sie trug viel zur produktiven Kapazität einer Gemeinde bei, indem die Produkte dauerhafter gemacht wurden. Nahrung und Samen konnten über eine lange Zeitperiode konserviert und für Tiere unzugänglich aufbewahrt werden. Als die Menschen für längere Zeit von ein und derselben Ernte leben mußten, wurde ihr Schicksal zunehmend mit dieser Ernte verknüpft. Es war nun nicht nur möglich, Nahrungsmittel in Töpfen zu konservieren, man mußte es auch tun, um das Überleben zu sichern. Die zerbrechliche Töpferware, die lebensnotwendige Dinge enthielt, war nicht nur ein Symbol gesteigerter Produktivität seßhafter Menschen, sondern auch ein Symbol ihrer Verwundbarkeit, insbesondere, als die Militärspezialisten in der Lage waren, mit Hilfe der Metallurgie ihr Zerstörungspotential zu vermehren.

  • [1] Renfrew und Bahn 1991, S. 292.
 
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