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Feuer als Zeichen göttlichen Zorns

In den Geschichten, die erzählen, wie die Israeliten in einer Säule aus Feuer und Rauch zum Gelobten Land geführt wurden, benutzte der HERR das Feuer zu deren Vorteil. Wir hören aber auch aus vielen Episoden, daß er es einsetzte, um Schaden zuzufügen, nicht nur den Feinden Israels, sondern auch den Israeliten selbst, wenn sie seinen leicht entflammbaren Zorn hervorgerufen hatten: "Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott" (Fünftes Buch Mose 4, 24).

Er schreckte auch nicht davor zurück, einen Regen aus Schwefel und Feuer (Erstes Buch Mose 19, 24) auf Sodom und Gomorra fallen zu lassen, um die Bewohner für ihre Verderbtheit zu bestrafen. Die Städte wurden für immer zerstört; im ganzen Land konnte man den Rauch sehen, der von der Erde aufstieg "wie ein Rauch von einem Ofen" (Erstes Buch Mose 19, 28). Die Söhne Aarons, die "fremdes Feuer" für ihre Opfer benutzten, anstatt Feuer von der ewigen Flamme im Tabernakel, traf ein ähnliches Schicksal: "Da fuhr ein Feuer aus von dem HERRN und verzehrte sie, daß sie starben vor dem HERRN" (Drittes Buch Mose 10, 2). Als sich das Volk während des Auszugs aus Ägypten beschwerte, entbrannte der Zorn des Herrn, und "das Feuer des HERRN loderte auf unter ihnen", bis Moses mit Gebeten eingriff und das Feuer niederschlug (Viertes Buch Mose 11, 1–3).

In den prophetischen Büchern, die sich auf die spätere Epoche der Königreiche Israel und Juda beziehen, liegt das Schwergewicht der Geschichten nicht so sehr auf Begebenheiten göttlicher Bestrafung in der Vergangenheit als auf Drohungen für die Zukunft. So droht Jeremia im Namen seines Herrn damit, daß der Herr, wenn das Volk von Jerusalem den Sabbat nicht heilige, ein "Feuer in ihren Toren anzünden (werde), das die festen Häuser zu Jerusalem verzehrt und nicht gelöscht werden kann" (Jeremia 17–27). Andere Propheten wiederholten die Drohung wörtlich: "Weil sie des HERRN Gesetz verachten (…) will ich ein Feuer nach Juda schicken, das soll die Paläste von Jerusalem verzehren" (Amos 2, 4–5).

Verglichen mit den monoton wiederholten Warnungen solcher Propheten wie Amos und Hosea ist das Buch Jesaja bemerkenswert wegen seiner großen Vielfalt plastischer Schilderungen von Feuer: "Und die Völker werden zu Kalk verbrannt werden, wie abgehauene Dornen werden sie im Feuer verzehrt" (Jesaja 33, 12). "Wer ist unter uns, der bei verzehrendem Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann? " (Jesaja 33, 14) "Da werden Edoms Bäche zu Pech werden und seine Erde zu Schwefel; ja, sein Land wird zu brennendem Pech werden, das weder Tag noch Nacht verlöschen wird, sondern immer wird Rauch von ihm aufgehen. Und es wird verwüstet sein von Geschlecht zu Geschlecht, daß niemand hindurchgehen wird auf ewige Zeiten" (Jesaja 34, 9–10).

Die Düsternis dieser Aussichten auf Zerstörung durch Feuer sollte nicht die Tatsache verdunkeln, daß sie nur einen kleinen Teil der gesamten Texte ausmachen. Die Katastrophen, die die Israeliten am meisten fürchteten, waren Trockenheit, die unausweichlich zur Hungersnot führen würde, und Krieg. Sie neigten dazu, die Vorstellung von Feuer als Strafe des Herrn fast automatisch mit militärischer Zerstörung zu verbinden – selbst wenn diese gedanklichen Verbindungen nicht sehr realistisch waren, wie in Jesajas Visionen von der Zerstörung Assyriens: "Und das Licht Israels wird ein Feuer sein und sein Heiliger wird eine Flamme sein, und sie wird seine Dornen und Disteln anzünden und verzehren in einem Tag" (Jesaja 10, 17).

Die Verse am Ende des Buches Jesaja beinhalten eindeutig ein militärisches Bild: "Denn siehe der HERR wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, daß er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen. Denn der HERR wird durch Feuer die ganze Erde richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERR Getöteten werden viele sein" (Jesaja 66, 15–16). Die letzten Sätze des Buches, die das Schicksal beschreiben, das alle Abtrünnigen erwartet, mag weniger kriegerisch klingen, sind aber nicht weniger grausam: "Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen und sie werden allem Fleisch ein Greuel sein" (Jesaja 66, 24). Nach dem Ersten Buch Mose wurden die Städte Sodom und Gomorra auf einen Schlag vom Erdboden getilgt; was Jesaja prophezeit, klingt wie nie endende Tortur, wie ewige Verdammnis.

Unter seinen Nachfolgern kam Hesekiel solch weitreichenden Verkündungen am nächsten. In einer wortreichen Passage von mehreren Versen beschrieb er, wie der Herr das Volk Israel sammeln würde wie Silber, Erz, Eisen, Blei und Zinn und sie dann alle zusammen in den Schmelzofen geben würde: "Ja, ich will euch sammeln und das Feuer meines Zorns gegen euch anfachen, daß ihr darin zerschmelzen müßt. Wie das Silber im Ofen zerschmilzt, so sollt auch ihr darin zerschmelzen und sollt erfahren, daß ich, der HERR, meinen Grimm über euch ausgeschüttet habe" (Hesekiel 22, 21–22). Es ist eine erschreckende Vision, die spätere christliche Vorstellungen von Hölle und Fegefeuer vorwegzunehmen scheint. Das Feuer, auf das sie sich bezieht, ist weder durch Blitz entstanden, noch durch einen Vulkan oder durch kriegerische Akte, sondern ist ein Schmelztiegel – ein Produkt und ein Instrument der menschlichen Industrie. Vielleicht wurden Dörröfen manchmal benutzt, um Todesstrafen zu vollstrecken. Dies könnte der historische Hintergrund der wundersamen Geschichte im Buch Daniel über die drei frommen Israeliten sein, die in einen "glühenden Ofen" geworfen wurden, weil sie sich weigerten, das von König Nebukadnezar errichtete goldene Idol anzubeten, und die zum großen Erstaunen von Nebukadnezar unversehrt herauskamen. Er rief – nach der Schrift – aus: "Denn es gibt keinen anderen Gott als den, der so erretten kann". (Daniel 3, 1–30). Es ist jedoch auch möglich, daß Hesekiel niemals Augenzeuge einer Hinrichtung in einem Ofen war. Zu dem von ihm heraufbeschworenen Bild von großen Menschenmengen, die zusammen wie Metall in einen Ofen geworfen werden, könnte er auch durch die Erfahrung des Stadtlebens und durch Beobachten einer lodernden Flamme, die ein dicht bevölkertes Quartier abbrennt, angeregt worden sein.

 
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