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Luftverschmutzung und Brennstoff ersorgung

Die Verwendung von Feuer in den Städten des vorindustriellen Europas schuf neben dem Brandrisiko noch andere Probleme. Vordringlich war die Brennstoffversorgung; in der öffentlichen Aufmerksamkeit wurde jedoch oft die Luftverschmutzung als dringlicheres Problem erachtet. Rauch konnte in der Tat eine große Plage sein. Solange die Beund Entlüftung schlecht war, litt man im Hause direkt am Herd unter diesem Problem. Die Einführung und allmähliche Verbesserung von Kaminen trug viel dazu bei, diese häusliche Unannehmlichkeit zu verringern. Als fast unvermeidliche Folge zündeten die Menschen mehr Feuer an. Damit verbrauchten sie auch mehr Brennstoff und produzierten mehr Rauch. Mit der Zeit führte dies zu einer Knappheit von Holz und seinem Derivat, Holzkohle, und zur Verwendung minderwertiger Brennstoffe, was in vielen Städten ernste Probleme mit Luftverschmutzung verursachte.

Traditionell war Holz bei weitem der wichtigste Brennstoff. Es war ein sperriges Gut, unhandlich für Transporte über weite Strecken über Land. Die Möglichkeit, es ohne übermäßig hohe Kosten zu beziehen, sei es aus der näheren Umgebung über Landwege oder andernfalls über Wasserwege, war eine der Standortbedingungen für Städte und städtische Industrien. [1]

In mehreren Teilen Europas wurde die Brennstoffknappheit bereits im 13. Jahrhundert akut. Eine der ersten Städte, die unter "der allmählichen Vernichtung der Wälder im städtischen Umland" litt, war London. [2] Als sich die Bevölkerung von zwanzigtausend Einwohnern im Jahre 1200 auf vierzigtausend im Jahre 1340 verdoppelte, wurde Holz zunehmend durch eine minderwertige Kohle ersetzt, die man sea coal ("Seekohle", Steinkohle) nannte; sie wurde in der Nähe von Newcastle abgebaut und mit dem Schiff nach London gebracht. Sea coal gab einen übelriechenden, alles durchdringenden Rauch ab und hinterließ eine allgegenwärtige schwarze Rußschicht. Ihr Rauch soll Königin Eleonore zur Zeit des Michaelis-Festes 1257 aus der Stadt vertrieben haben. Nach dem Schwarzen Tod in der Mitte des

14. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung ab und mit ihr der Verbrauch von sea coal. Die Erleichterung war jedoch nicht von Dauer: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann für London eine Zeit großen Wohlstands und Wachstums, und es wurde soviel sea coal verbraucht wie nie zuvor. [3] Ein weiterer alternativer Brennstoff war Torf. Viele Teile Europas waren – und sind noch – bedeckt mit Torfmoor, aus dem dieser fossile Brennstoff leicht gewonnen werden konnte. Torf war jedoch selbst nach intensivem Trocknen immer noch voluminöser als Holz und sein Transport über Land daher sehr teuer. In dieser Hinsicht hatten die Niederlande das Glück, Wasserstraßen zu besitzen, über die Torf zu niedrigen Kosten transportiert werden konnte. Dem niederländischen Agronom J. W. de Zeeuw zufolge verdankte die niederländische städtische Wirtschaft und Kultur das Ausmaß ihrer Blüte im 17. Jahrhundert der Verfügbarkeit dieses alternativen Brennstoffes. [4]

In England, das mit Binnenwasserstraßen weniger begünstigt war, wurden andere Lösungen für das Brennstoffproblem gesucht. Zunehmend wurde Kohle verwendet – zuerst nur als Ersatz für Holz und sein Derivat, Holzkohle, später aber als anerkannter Brennstoff. Wie der britische Historiker A. E. Wrigley aufzeigt, brachte der zunehmende Einsatz von Kohle einen Wechsel von einer fast völligen Abhängigkeit von organischem Energiefluß zu einer zunehmenden Abhängigkeit von fossilen Energievorräten mit sich. England hätte viele Millionen Hektar Wald mehr besitzen müssen, als es tatsächlich besaß, um sich Ende des 18. Jahrhunderts mit der Menge Holz zu versorgen, die seinem jährlichen Kohleverbrauch entsprochen hätte. [5]

  • [1] Vgl. Konvitz 1985, S. 124.
  • [2] Brimblecombe 1987, S. 16.
  • [3] Te Brake 1975.
  • [4] Zeeuw 1978. Siehe auch Unger 1984.
  • [5] Wrigley 1988, S. 55.
 
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