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Nachwort: Feuer und Brennstoff in der Geschichte der Menschheit

Seit der Erstveröffentlichung der englischen Ausgabe von Feuer und Zivilisation sind über zwanzig Jahre vergan gen. Die Kernaussagen des Buchs haben nach wie vor Bestand. Doch es gibt mehrere Gründe, der zweiten Ausgabe ein Nachwort anzufügen. Zunächst einmal sind mittlerweile neue Belege und neue Ideen publiziert worden. Sie legen beispielsweise nahe, dass sich der früheste Zeitpunkt einer möglichen Feuernutzung erheblich weiter zurückverlegen lässt als bislang vermutet. Zweitens verdient die besondere Rolle, die der Brennstoff als wesentliche Zutat des Feuers spielt, noch stärker herausgehoben zu werden. Und drittens kann hier in Ergänzung der zentralen Begriffe des Buchs die Triade von "Materie, Energie und Information" vorgestellt werden.

Materie, Energie, Information

Wie alles Leben besteht auch menschliches Leben aus bestimmten Kombinationen von Materie und Energie, die durch Information strukturiert und ausgerichtet werden (vgl. Goudsblom 2002, S. 21). Jeder dieser drei Begriffe ist in praktisch sämtlichen akademischen Disziplinen anwendbar: in den Geisteswissenschaften, den Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften.

"Materie" steht für die allgemeine Kategorie, die alle Objekte der materiellen Welt umfasst, die sichtbar, greifbar oder in anderer Weise beobachtbar sind, von Sand und Steinen über Tiere bis hin zu Artefakten. Die meisten materiellen Objekte erscheinen auf den ersten Blick statisch, unbeweglich und unveränderlich. Doch dieser statische Eindruck erweist sich bei näherem Hinsehen als irreführend. Schon Heraklit wies darauf hin, das alles, was "ist", sich im Fluss befindet und nicht unwandelbar, sondern dem Wandel unterworfen ist. Nichts auf der ganzen Welt existiert seit jeher und für alle Zeit in derselben Gestalt und am selben Ort. Als "Energie" sollen hier dem Physiker Frank Niele (2005) folgend allgemein alle Kräfte bezeichnet werden, die Bewegung und Veränderung bewirken. Feuer ist eine Erscheinungsform von Energie und Brennstoff ist eine ihrer Quellen. Eine ebenfalls vertraute Form von Energie ist der Wind – als Kraft, die Objekte in Bewegung versetzt, die ansonsten bewegungslos erscheinen, wie etwa die Zweige eines Baums bei Windstille.

Doch auch wenn kein Wind weht, ist in Bäumen Bewegung. Da ist das geschäftige Leben und Treiben anderer Organismen auf ihrer Borke und auch die Bäume selbst durchlaufen ständig Prozesse des Zellwachstums und -zerfalls oder des Verlierens und Neu-Austreibens von Blättern. Anders als der Wind sind diese Prozesse nicht unbeseelt, sondern Ausdruck des Lebens.

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft beziehen sowohl der Wind als auch das Leben ihre Triebkraft oder Energie aus derselben Quelle: dem Sonnenlicht. Sowohl der Wind als auch das Leben sind Umformungen der Sonnenaktivität, die sich in irdische Energie verwandelt hat und somit die Bewegung und Veränderung von Materie bewirkt.

Information als dritter Angelpunkt der Begriffstriade ist der allgemeine Ausdruck, den wir in Bezug auf die Frage verwenden können, was den verschiedenen Prozessen, die sich in den Kombinationen von Materie und Energie abspielen, Richtung und Form gibt. Weder der Wind noch das Leben ereignen sich zufällig. "Information" als übergreifende Kategorie lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die besondere Richtung, in die der Wind weht, und auf die scheinbar endlose Vielfalt der Manifestationen des Lebens.

In Bezug auf das Feuer von Information zu sprechen, mag zunächst irritieren. Die Vorstellung, dass Feuer, als es vor 400 bis 500 Millionen Jahren erstmals Wälder verwüstete, durch "Information" geleitet gewesen sein soll, scheint dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen. Feuer scheint fast der Prototyp der wilden Naturgewalt zu sein, die sich blind und ungerichtet vollzieht. Dennoch ist es keine ganz abwegige Annahme, dass Brände von Anfang an bestimmte Muster aufwiesen, so wie es auch bestimmte – wie auch immer bizarre – Muster des Lebens gibt. Der Gedanke, dass Feuer durch Information strukturiert sei, ist in der Geschichte der letzten eine Million Jahre plausibler geworden.

In diesem Zeitraum wurde die Häufigkeit und Vielfalt von Feuerereignissen in erkennbar zunehmendem Maße durch Menschen gelenkt und somit in immer höherem Grad der durch kollektives Lernen ermöglichten willentlichen Steuerung unterworfen.

Solange wir die konkreten Muster nicht kennen, die das Auftreten der Zündung eines Feuers erklären könnten, sind wir geneigt, von einer "wilden" oder "blinden" Naturgewalt zu sprechen. Doch wenn der Zündungsvorgang gesteuert und vorhersagbar verläuft, ist es den Tatsachen vollkommen angemessen zu sagen, er sei durch "Information" geprägt.

 
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