Die private Käuferschicht

Wie die bisherigen Ausführungen gezeigt haben, ist das Sammeln von zeitgenössischer Kunst ein kostenintensives Vergnügen. In der Regel zählen heutige Kunstsammler zu den so bezeichneten High Net Worth Individuals (HNWI) oder Ultra High Net Worth Individuals (U-HNWI) [1]. Einige Kunstsammler entstammen entweder Familien, die zu dem etablierten Wirtschaftsbürgertum der Unternehmer zählen und über unbegrenzte Mittel verfügen, die sie weiter vermehren. Oder Kunstsammler zählen zu den Selfmademen, den Neureichen unserer Zeit. Neben dem beträchtlichen Wohlstand verfügen diese über ein Kunstund Kulturinteresse und verfolgen neue Trends der zeitgenössischen Kunst. [2] Insbesondere in den letzten fünfzehn Jahren nahm die Zahl der Kunstsammler weltweit zu, die mehrere hunderttausend Euro oder mehr pro Jahr für zeitgenössische Kunst ausgeben. [3]

Auf dem internationalen Kunstmarkt treten unterschiedliche Sammlertypen auf, die getrennt von einander zu betrachten sind. Das neue Geld und das alte Wissen finden nicht zwangsläufig zusammen. Heutzutage sind für einige Kunstkäufer die ökonomischen Wachstumswerte relevant, die in Abhängigkeiten von Wirtschaftszyklen, Aktienmärkten und Wechselkursen stehen. Der alte Dreiklang von Bildung, Geschmack, Wissen ist stets bei einigen passionierten Sammlern alten Schlages vorhanden. Sie zehren vom Wissen des Handelns und von deren eigenen Intuitionen und Neigungen. [4] Allerdings kann in der heutigen Zeit nicht mehr davon ausgegangen werden, dass Kunstkäufer nicht auch den materiellen Wert in ihre Kaufentscheidung miteinbeziehen. Dafür sind die Marktpreise vieler Kunstwerke sehr hoch. [5]

In der Kunstund Kulturwissenschaft herrschen verschiedene Ansichten, wie Kunstsammler zu kategorisieren sind. Da es sich bei dem Wort Kunstsammler um keine definierte Bezeichnung für Personen mit bestimmten Eigenschaften handelt, gibt es verschiedene Beschreibungen von Sammlertypen. Folgende Begriffe typologisieren beispielsweise Kunstsammler:

„potenter Trophäenjäger, dialogorientierte Pioniere, verantwortungsbewusster Scout, tiefschürfender Connaisseur, kunstliebende Politiker, risikofreudige Entdecker, impulsgebende Mäzene, zeitgeistgieriger Stratege.“ [6]

Jeder Kunstsammler scheint eine Mischung aus verschiedenen Typen zu sein. Der eine sammelt nach ideellen Werten aus der persönlichen Neigung heraus. Der andere sieht seine Kunst als strategische Anlage an. Oder Kunst wird gekauft, um eine Unternehmenssammlung aufzubauen. Es scheinen große Unterschiede zwischen diesen Typen zu liegen, doch sind die Übergänge kaum erkennbar. [7]

Für das weitere Verständnis dieser Arbeit werden nachfolgend drei verschiedene Sammlertypen beschrieben, die vergleichsweise klar von einander abzugrenzen sind.

  • [1] Vgl. Lauterbach u. a. 2011, S. 37. Nach Angaben des World Wealth Report sind HNWIs Personen, die mindestens über eine Mio. US-Dollar Netto Finanzvermögen verfügen (Finanzvermögen exklusive Sammlerstücke, Gebrauchsgegenstände, langlebige Konsumgüter und als Hauptwohnsitz dienende Immobilien). Jemand der mehr als 30 Mio. Dollar besitzt, zählt zu den U-HNWIs. In Deutschland ist die Zahl von HNWIs von 862 Tsd. im Jahr 2009 auf 924 Tsd. im Jahr 2010 mit einer Wachstumsrate von 7.2% gestiegen.
  • [2] Vgl. Pophanken u. Billeter 2001, S. 18; Hollein 1999, S. 30.
  • [3] Vgl. Fleck 2013, S. 71.
  • [4] Vgl. Herchenröder 2000, S. 333 f..
  • [5] Vgl. Drinkuth 2003, S. 38.
  • [6] Schreiber 2009, S. 69.
  • [7] Vgl. Schreiber 2009, S. 69; siehe auch Schroeter-Herrel 2000, S. 69 f.; Wuggenig 2011, S. 59.
 
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