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2.2.3.1 Der leidenschaftliche Sammler

Für einen leidenschaftlichen Kunstsammler ist es charakteristisch, dass er genau weiß, was er kaufen will. Er weist den Wissenshintergrund auf, angebotene Objekte selbst beurteilen zu können. [1] Dabei ist nicht auszuschließen, dass die Preise und Wertentwicklungen eine Rolle bei der Kaufentscheidung eines Kunstwerkes spielen. Eine spätere Wertsteigerung bestätigt letztlich den Sammler darin, dass er mit dem richtigen Gespür Kunstwerke mit Bedeutung für seine Sammlung erworben hat. [2]

Einige der leidenschaftlichen Sammler kaufen Werke von zeitgenössischen Künstlern an, bevor diese internationale Karriere gemacht haben und im hohen Preisgefüge angelangt sind. Zeitgenössische Kunst bietet eine Chance, Kunstwerke zu vertretbaren Preisen mit erheblichen Wertsteigerungspotenzial zu erwerben. Einige Sammler kaufen Werke von jungen Künstlern, deren Œeuvres sich im Laufe der Zeit als wegweisend herausstellen und dann auch für Museen begehrenswert erscheinen. [3] So kann die Sammlertätigkeit in der frühen Phase einer künstlerischen Karriere dazu führen, dass der Künstler bekannt wird. Durch Ankäufe und Ausstellungsbeteiligungen werden Künstler unmittelbar und mittelbar materiell unterstützt. Letztlich befinden sich diese leidenschaftlichen Sammler in der Position, langfristig den Preis und den Wert von Kunst mitzubestimmen. [4]

In Deutschland wird selten darüber gesprochen, dass Kunst nicht nur etwas kostet, sondern auch Geld einbringt. Vielmehr ist von einem geistigen Kapital die Rede. In einem Gespräch mit THEEWEN bringt der Sammler Reiner Speck zum Ausdruck:

„Berühmt gewordene Sammler traten nicht mit dem Ziel an, als solche bekannt oder gar vermögend zu werden, sondern um über Kunst etwas Existenzielles zu erfahren. Sie investierten nicht in Kunst, sie lebten für sie und mit ihr. […] Kunst bietet auf ambivalente Weise die Möglichkeit, über einen sehr teuren Einsatz eine kostbare Erfahrung zu machen.“ [5]

Aus Sicht des Sammlers macht Sammeln krank. Es führt zu schlaflosen Nächten, zu Familienstreit und Verschuldung. In der heutigen Konsumgesellschaft ist der Sammler derjenige, der bewusst und leidend zu verzichten versucht. [6] Das Sammeln von Kunst sei eine unheilbare Krankheit, und gilt dafür als die schönste. [7] Dieser Typus des leidenschaftlichen Sammlers bestimmt die niemals endende Kunstrezeption. Denn die Begierde nach neuen Kunstwerken ist nicht zu stillen. Diese Haltung gegenüber dem künstlerischen Schaffen stellt letztlich die Grundlage dafür dar, dass auf dem Kunstmarkt nicht nur ein Angebot, sondern auch entsprechende Nachfrage besteht. [8]

  • [1] Vgl. Lacey 1998, S. 28.
  • [2] Vgl. Schreiber 2009, S. 79.
  • [3] Vgl. Schroeter-Herrel 2000, S. 74.
  • [4] Vgl. Boll 2009, S. 57 f..
  • [5] Theewen 1994, S. 115.
  • [6] Vgl. a.a.O., S. 114
  • [7] Vgl. Lindemann 2011, S. 231.
  • [8] Vgl. Boll 2009, S. 57.
 
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