Forschen

Jede museale Sammlung stellt die Grundlage für die wissenschaftliche Bearbeitung und die archivale Forschung dar. Das wissenschaftliche Erforschen als dritte Aufgabe ist gleichzeitig die wesentliche Voraussetzung für die Präsentation der eigenen Sammlung. Erst vor dem historischen Hintergrund und der Erläuterung der Lebensumstände des Künstlers wird die Aussage eines Kunstwerkes verständlich und für den Betrachter in einen nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht. [1]

Abhängig von der Größe und Gattung betreibt ein Museum sammlungsbezogene Forschungen. Es erfasst, beschreibt und erschließt die Sammlungsobjekte. Es zeigt die spezifischen Quellencharakter und die besonderen Interpretationsmöglichkeiten der Objekte auf. Eine textliche und fotografische Dokumentation und ein Katalogisieren der Sammlungsbestände dient als Grundlage, um weiterführende wissenschaftliche Dokumentationen zu gewährleisten. Diese Forschungsergebnisse sind relevant für die wissenschaftlich fundierte Restaurierung und Konservierung. Ebenso sind sie grundlegend für Publikationen, Ankaufsentscheidungen sowie für die vierte Aufgabe: der Entwicklung von Ausstellungskonzepten und Museumspädagogik. [2]

Indem die künstlerischen Arbeiten im Museum präsentiert werden, lässt sich das Museum nicht nur als ein Ort der Archivierung, sondern auch als ein Ort der wissenschaftlichen Bearbeitung begreifen. Bezogen auf diese zeitliche Dimension ist das künstlerische Objekt in der Gegenwärtigkeit und aktuellen Betrachtung ein Zeugnis der Vergangenheit. Durch die Wahrnehmung im Hier und Jetzt werden die beiden zeitlichen Perspektiven des Gegenwärtigen und Vergänglichen erfahrbar und gleichgesetzt. [3] Für die museale Praxis ist die Frage nach dem Archivierungswert damit relevant. Das heißt, die Auswahl eines Ausstellungsobjektes ist abhängig von dem Gegenwartswert und dem zukünftigen kunsthistorischen Wert. Demnach fokussiert sich die wissenschaftliche Bearbeitung des materiellen Archivs auf zwei Ziele: Erstens geht es um den Charakter des Diskurses. Wofür legt das Sammlungsstück Zeugnis ab? Kunsthistorische, philosophische und gesellschaftspolitische Betrachtungsweisen sind ausschlaggebend. Diese Argumente legitimieren das zweite Ziel, ein Kunstwerk in diese Sammlung aufzunehmen und den Erhaltungsund Bearbeitungsaufwand auf sich zu nehmen. So findet durch die Fokussierung auf das Original eine Auseinandersetzung mit dessen historischen Wert und dem gegenwärtigen Dasein im musealen Raum statt. [4]

Die bereits beschriebenen Kernaufgaben, eine museale Sammlung aufzubauen und zu pflegen, sind nicht von der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu trennen. Das museale Forschen zielt auf die wissenschaftliche Bearbeitung der Objekte, deren Gruppen und Zusammenhängen ab. Die objektbezogenen Erkenntnisse, Zusammenhänge und Informationen werden dokumentiert und veröffentlicht. Das Erforschen eines Sammlungsobjektes beginnt mit der Inventarisierung und dem Nachweis der Provenienz. Ohne die Provenienz kann das Objekt jeden Wert im öffentlichen Museum verlieren. Durch die wissenschaftliche Bearbeitung wird das Kunstwerk in seinen ursprünglichen Kontext eingeordnet. Diese Einordnung ist notwendig für die Präsentation des Objekts in thematischen Ausstellungen und entsprechenden kunsthistorischen Publikationen. Das museale Forschen stellt daher einen Gegenstand für Publikationen und einen Ausgangspunkt für die vierte Aufgabe des Vermittelns dar. [5]

  • [1] Vgl. von Chlebowski 2008, S. 57.
  • [2] Vgl. Deutscher Museumsbund 2006, S. 14; von Chlebowski 2008, S. 57.
  • [3] Vgl. Spiegel 1998, S. 28
  • [4] Vgl. a.a.O., S. 29.
  • [5] Vgl. Konrad 2008, S. 34; Flügel 2005, S. 71.
 
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