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3.5.3 Die Akquise von Drittmitteln

Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation zählt Fundraising im Museumsbetrieb zu einer immer wichtigeren Aufgabe. Die Beschaffung von Geldmitteln werden zunehmend von spezialisierten Fundraisern vorgenommen. Diese Drittmittel werden in der Regel zur Unterstützung für Ausstellungsprojekte, für Neubauten oder wie hier im Fokus stehend für Neuankäufe für die eigene zeitgenössische Sammlung eingesetzt.

Im zunächst allgemeinen und weiten Verständnis lässt sich Fundraising als eine umfassende Mittelbeschaffung einer nicht kommerziellen Organisation verstehen. [1]

„Das Fundraising ist die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten eines [Museums], welche darauf abzielen, benötigte Ressourcen (Geld-, Sachund Dienstleistungen) durch eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen des Ressourcenbereitstellers ohne marktadäquate materielle Gegenleistung zu beschaffen.“ [2]

Diese Akquise von Drittmitteln trägt zur Finanzierung des Museumsbetriebes bei, bezieht sich auf potenzielle Fundgiver und ist systematisch angelegt. Als Drittmittel werden finanzielle Mittel und Sachmittel verstanden. Kostenlos zur Verfügung gestellte Dienstleistungen, Spezialwissen sowie ideelle Unterstützung und ehrenamtliches Engagement zählen dazu. Damit handelt es sich um Ressourcen, die nicht selbst erbracht oder erwirtschaftet werden können. [3]

Im engeren Verständnis wird in Deutschland mit dem Begriff des Fundraisings das Einwerben von Zuwendungen der Privatwirtschaft, der Förderstiftungen und der mäzenatisch aktiven Privatpersonen verstanden. Diese grenzen sich klar von den staatlichen Förderungen und eigenen Einnahmen eines Museums ab. [4]

In Abgrenzung dazu ist das Sponsoring zu sehen. Grundsätzlich wird das Sponsoring zwar in den Aufgabenbereich des Fundraisings eingeordnet. Es geht dabei von gleichen Grundsätzen wie to ask for money aus, richtet sich allerdings ausschließlich an Unternehmen als potenzielle Sponsoren. Vorrangig geht es beim Sponsoring darum, dass der Sponsor im Gegenzug zu seiner finanziellen Leistung bzw. Sachoder Dienstleistung unternehmensbezogene Marketingund Kommunikationsziele verfolgen kann. Dadurch erfährt der Sponsor (werbemäßige) Gegenleistungen durch den Gesponserten. [5] Diese Art von Ausstellungsförderung bietet dem Unternehmen eine Möglichkeit, sich als Kulturförderer zu positionieren. Oftmals wird dem Sponsor die Gelegenheit geboten, Räumlichkeiten des Museums für exklusive Veranstaltungen für Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter zu nutzen. Ferner wird das Unternehmen mit Logo-Nennung in Kommunikationsmaßnahmen zur Ausstellung eingebaut. Gleichzeitig kann der Sponsor die besondere Ausstellung oder das Museumsevent für eigene interne und externe Kommunikation nutzen. In der Regel haben die Mitarbeiter während der Laufzeit einer Sonderausstellung freien Eintritt in das Museum. Grundsätzlich werden die Sponsoring Leistungen nach individuellen Vorstellungen angepasst. Diese Finanzierungsmaßnahme eignet sich im kulturellen Bereich insbesondere für zeitlich begrenzte Projekte, wie beispielsweise Sonderausstellungen, Blockbuster-Ausstellungen und Museumsnächten. [6] Da diese Finanzierungsmaßnahme in der Regel für den langfristigen Aufbau einer musealen zeitgenössischen Kunstsammlung nicht geeignet ist, wird diese im Folgenden nicht weiter besprochen. Im Vergleich zu den Fundraising Aktivitäten in den USA befindet sich das Fundraising und die Philanthropie in Deutschland noch in den Anfängen. Es bietet für die Museumsbetriebe Chancen und Möglichkeiten für die Zukunft. Da eine Vielzahl von Non-Profit Organisationen aktiv Fundraising betreiben, stehen die Museen zunehmend in einem Wettbewerb um die privaten Ressourcen. Modernen Museumsbetriebe sind diesem Wettbewerb nur gewachsen, wenn die Fundraising Aktivitäten systematisiert, professionalisiert und spezialisiertes Personal für diese Tätigkeiten eingesetzt werden. [7] Daher stellt das Einwerben von Drittmitteln in professionell betriebenen Museen eine kontinuierliche Managementaufgabe dar.

Das Fundraising ist mehr als nur eine Geldbeschaffungsmaßnahme. Es geht dabei um ein kontinuierliches Werben um Gunst und Geld, um Freunde und Förderer gleichermaßen. Fundraising versteht sich als ein Friendraising. Mit diesem erweiterten Blick geht es um potenzielle Kommunikationsaufgaben. Die Drittmittelakquise verlangt eine Kundenorientierung im Hinblick auf die Förderer. Motive und Erwartungen müssen herausgefunden werden, um eine an das Museum angepasste eigenständige Kommunikationsstrategie zu entwickeln. [8]

Grundsätzlich kommen verschiedene Geldgeber in Frage, die als Drittmittelquellen in das Konzept mit einzubeziehen sind. Folgende Quellen wie die fördernde Kulturstiftung, die Form der Spende und die Funktion des gemeinsamen Freundeskreises eines Museums für zeitgenössische Kunst werden vorgestellt. Diese Förderungsmöglichkeiten eignen sich für den Aufbau und Ankauf von zeitgenössischen Kunstsammlungen der öffentlichen Museen.

  • [1] Vgl. Haibach 2012, S. 16.
  • [2] Gerlach-March 2010, S. 47.
  • [3] Vgl. Gerlach-March 2010, S. 46 f.; Lissek-Schütz 2004, S. 353.
  • [4] Vgl. Klein 2008, S. 226.
  • [5] Vgl. Lissek-Schütz 2004, S. 355; Haibach 2012, S. 69.
  • [6] Näheres dazu siehe: Bortoluzzi Dubach u. Frey 2011; Bruhn 2010; Günter u. Hausmann 2012, S. 89 ff.; Heinze 2008, S. 75 f..
  • [7] Vgl. Haibach 2012, S. 30; Hausmann 2011, S. 103; Lissek-Schütz 2004, S. 351.
  • [8] Vgl. Lissek-Schütz 2004, S. 349; Haibach 2012, S. 19; siehe auch Bendixen u. Heinze 1999, S. 25 ff..
 
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