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4.4.3 Die Sammlung Falckenberg als Teil der Deichtorhallen Hamburg

Der Sammler Harald Falckenberg[1] präsentiert seine Sammlung mit über 2000 Werken der zeitgenössischen Kunst bereits seit 2001 in den umgebauten PhoenixWerken in Hamburg-Harburg der Öffentlichkeit. Der im Jahr 2009 durch den ArtCologne Preis[2] ausgezeichnete Sammler suchte nach einer Partnerinstitution, um seine Sammlung in seiner Heimatstadt langfristig zu sichern. [3] Nach dem Intendantenwechsel der Hamburger Deichtorhallen hat der Sammler einen Partner unter Gleichgesinnten gefunden. Der neue Direktor der Deichtorhallen Dirk Luckow beschreibt die Kooperation als einen „zukunftsweisenden Zusammenschluss.“ [4]

Im Sommer 2010 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Hamburg, der Deichtorhallen Hamburg GmbH, der Stiftung Falckenberg und Herrn Dr. Harald Falckenberg geschlossen. Dieser sieht eine Dauerleihgabe von mindestens dreizehn Jahren vor, vom 1.1.2011 bis 2023. Der Leihgeber stellt seine gesamte Sammlung den Deichtorhallen zum Gebrauch zur Verfügung. Die Phoenixhalle in Hamburg-Harburg gilt weiterhin als Ausstellungsort und ist organisatorisch wie konzeptionell an die Deichtorhallen gebunden. Diese Partnerschaft wurde ausgeweitet, indem die Stadt Hamburg die Finanzierung der Betriebskosten von 500 Tsd. Euro jährlich übernimmt. Weitere Personalkosten für eine Kuratorenstelle und eine Volontariatsstelle ausschließlich für diese Privatsammlung stellt die Stadt ebenso zur Verfügung. Fallen weitere Kosten im Zusammenhang mit dem Ausstellungsbetrieb in Hamburg-Harburg an, so hat sich der Privatsammler dazu verpflichtet, diese zu übernehmen. Im ersten Jahr wurde bereits mit 800 Tsd. Euro Mehrkosten gerechnet. [5]

Der Direktor der Deichtorhallen betont, dass insbesondere auch der Standort Hamburg-Harburg von dieser „Dependance Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg“ profitiert. Durch die Finanzierungshilfen kann das Ausstellungsprogramm in den Phoenix-Hallen aufrechterhalten bleiben, welches einem breiten Publikum vermittelt wird. [3] Aus Sicht des Sammlers stellt diese Kooperation eine Gelegenheit dar, die eigene Sammlung aktiv in einen Ausstellungsbetrieb zu integrieren. [7] Hamburgs ehemaliger Kultursenator Reinhard Stuth hob die Bedeutung dieser Kooperation hervor:

„Es ist uns gelungen, die weltweit renommierte Sammlung Falckenberg langfristig in Hamburg zu halten. Das ist ein wichtiger Erfolg für die Kulturmetropole Hamburg. Die Deichtorhallen Hamburg profitieren maßgeblich von der Kooperation. Sie haben vollen Zugriff auf die Bestände der Sammlung und können diese in weit stärkerem Maße als bisher dem Publikum zugänglich machen.“ [8]

Die Sammlung Falckenberg gilt als eine der wenigen Sammlungen in Deutschland, die in musealen Dimensionen zeitgenössische Kunst sammelt. Sie umfasst 2000 Werke, wobei der Schwerpunkt auf deutscher und amerikanischer Gegenwartskunst der letzten 30 Jahre liegt. Speziell die jüngere Kunstszene spiegelt sich in dieser Sammlung wider. Durch diese Kooperation schließt sich eine große Lücke von europäischen und amerikanischen Positionen zeitgenössischer Kunst nicht nur in Hamburg, sondern deutschlandweit. Das internationale Profil der Deichtorhallen wird durch diese Privatsammlung bekräftigt. Zudem bietet diese Privatsammlung gleichzeitig Anknüpfungspunkte, externe Leihgaben und Kooperationen mit renommierten Ausstellungshäusern und Museen weltweit möglich zu machen. [9]

Aus Sicht der Autorin erscheint diese Kooperation von Anfang an transparent. Vertraglich geregelt, überlässt der Sammler den Deichtorhallen über eine vereinbarte Frist den Gebrauch seiner zeitgenössischen Sammlung. Sämtliche kuratorische Entscheidungen liegen auf Seiten der Deichtorhallen. Der Sammler profitiert von der musealen Präsentation, der Profilierung seines Sammlerdaseins und der Übernahme der Finanzierung der Betriebskosten seitens der Stadt. Für die Öffentlichkeit ist es ersichtlich, dass der Sammler den Deichtorhallen und der Stadt Hamburg entgegenkommt. Diese Kooperation stellt für alle Partner einen Fortschritt und eine große Chance dar. Demnach ist diese Kooperation nicht als Dauerleihgabe, sondern als ein individualisierter Kooperationsvertrag einzuordnen. Dieser zielt auf eine zukunftweisende Zusammenarbeit einer privaten Sammlung mit einem öffentlichen Ausstellungshaus und mit einer Stadt ab.

  • [1] Dr. Harald Falckenberg ist Jurist und Geschäftsführer des Unternehmens ELAFLEX HIBY Tanktechnik.
  • [2] Siehe zum Art-Cologne Preis Fn. 678.
  • [3] Vgl. Gardner 2011.
  • [4] Ebd..
  • [5] Vgl. Pressemitteilung Deichtorhallen 2011; Kulturbehörde 2011; Loschelder u. Müller 2011, S. 87 f..
  • [6] Vgl. Gardner 2011.
  • [7] Vgl. Herb 2012.
  • [8] Kulturbehörde 2011.
  • [9] Vgl. Pressemitteilung Deichtorhallen 2011; Gardner 2011.
 
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