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4.4.4 Die Sammlung Deutsche Bank im Städel Museum Frankfurt

Als ein aktuelles Beispiel einer Dauerleihgabe von Kunstwerken aus einer privaten Unternehmenssammlung ist die Partnerschaft der Deutschen Bank mit dem Städel Museum in Frankfurt zu nennen.

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus des Städel Museums 2011 konnten 600 Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank permanent im Museum integriert werden. Beide Vertragspartner sprechen von einem ewigen Verbleib. Der abgeschlossene Vertrag sieht mit größter Sicherheit einen ständigen Verbleib der Werke im Museum vor. [1] Demnach wird von einer klassischen Win-win Situation gesprochen. [2] Zwar wurden die Kunstwerke auf Basis eines unbefristeten Leihvertrages an das Städel Museum übertragen. Doch für den höchst unwahrscheinlichen Fall einer Beendigung des Vertragsverhältnisses wurde dem Museum eine Ankaufsoption der Werke zu einem Viertel des aktuellen Wertes eingeräumt. Diese kann ohne Zinsen in gleichen Tranchen über 25 Jahre gezahlt werden. Durch diese Option ist ein Weiterbestand dieser Werke in dem Städel Museum gesichert. [3]

Die Sammlung Deutsche Bank galt für die Sammlungserweiterung im Bereich der Gegenwartskunst des Städel Museums als sehr attraktiv. Aus einem Konvolut von 56 Tsd. Kunstwerken konnte der Museumsdirektor Max Hollein in Absprache mit der Deutschen Bank in kollegialen wie sachkundigen Gesprächen 600 Werke auswählen. Nach gemeinsamen Ermessen fügen sich diese sehr gut in die bestehende Sammlung des Städel Museums ein. Die Qualität der Kunstwerke war für die Auswahl entscheidend. Von Beginn an konzentrierten sich die Kuratoren der beiden Partnerinstitutionen auf gemeinsame Schnittstellen der beiden Sammlungen. Sie untersuchten, ob sich die Sammlungen ergänzen und sich neue Verbindungen zwischen Werken ergeben. Der Vorteil an dieser Partnerschaft besteht darin, dass sich der Großteil der Sammlung weiterhin im Unternehmen befindet. Nur einige Werke sollten für das Museum ausgewählt werden. So konnte hier maßgeschneidert geschaut werden, welche Kunstwerke die Sammlung des Städel Museums ergänzen und sich entsprechend einfügen. Im Wesentlichen wurden Kunstwerke der deutschen Malerei der 1960er bis 1990er Jahre ausgewählt. Diese Entscheidung ist nachzuvollziehen, da sich das Sammlungskonzept der Sammlung Deutsche Bank an sich auf Papierarbeiten konzentriert. Somit finden die ausgewählten Kunstwerke im Städel einen geeigneteren Ort. [4]

Diese Auswahl ergänzt die Städelsammlung, schließt damit Lücken und setzt neue Akzente. [3] Diese Kunstwerke besitzen museale und kunsthistorische Bedeutung. Daher ist es für die Werke sinnvoll, dass diese der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Erweiterungsbau stellt dafür den idealen Ort dar, denn Frankfurt ist ebenso für die Deutsche Bank der Hauptsitz. Die Sammlung ist in Frankfurt entstanden. An diesem Ort soll sie zu einem kulturellen und sozialen Umfeld beitragen und Menschen aus aller Welt eine Attraktivität bieten. [6]

Die personelle Verbindung spricht ebenso für diese Art von Partnerschaft. Hermann Josef Abs war über Jahre für die Administration des Städel Museums zuständig und prägte die Deutsche Bank als Vorstandssprecher. Der ehemalige Städel Direktor Klaus Gallwitz war ebenso Mitglied der Ankaufskommission der Deutschen Bank. Diese traditionelle Verbundenheit des Unternehmens mit dem Städel Museum trug natürlich zu einer solchen Kooperation bei. Insbesondere galten die Erneuerung des Sitzes der Deutschen Bank und der Erweiterungsbau des Städel Museums als die entscheidenden Beweggründe für eine Musealisierung eines Teil der Kunstsammlung der Deutschen Bank. [7]

Die Autorin ist der Ansicht, dass auch Unternehmenssammlungen für die öffentlichen Museen eine starke Bedeutung einnehmen. Denn, wie an diesem Beispiel einer Dauerleihgabe verdeutlicht, stellen auch sie potenzielle Kooperationspartner dar. Für Unternehmen kann es sehr attraktiv sein, einem bedeutenden Museum Kunstwerke zu verleihen, Ausstellungen gemeinsam zu realisieren oder Kunstwerke zu schenken. Diese Art von kulturellem Engagement und Kulturförderung findet nicht nur bei den Mitarbeitern des Unternehmens, sondern auch bei Museumsbesuchern hohe Anerkennung. Das Image der Deutschen Bank wird dadurch gestärkt.

  • [1] Vgl. Fricke u. Engler 2012, S. 261.
  • [2] Vgl. a.a.O., S. 263.
  • [3] Vgl. Pressemitteilung Städel Museum 2012, S. 22.
  • [4] Vgl. Fricke u. Engler 2012, S. 261.
  • [5] Vgl. Pressemitteilung Städel Museum 2012, S. 22.
  • [6] Vgl. Fricke u. Engler 2012, S. 260.
  • [7] Vgl. a.a.O., S. 261.
 
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