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4.4.5 Die Sammlung Ludwig im Museum Ludwig Köln

Die enge Freundschaft mit dem Museum Ludwig Köln begann in den 1960er Jahren in Form von Dauerleihgaben aus der privaten Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst von Irene und Peter Ludwig. [1] Sie wurde durch Schenkungen weiter fortgeführt und hat durch eine testamentarische Verfügung von Irene Ludwig im November 2010 einen Abschluss gefunden. [2]

Die bedeutende Sammlerin vermachte der Stadt Köln das gesamte Konvolut vorund nachrevolutionärer russischer Avantgarde. Dieses hatte sie zuvor dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Insgesamt erwarb das Museum Ludwig 473 Positionen für die eigenen Bestände. [3] Für den ehemaligen Direktor Kasper König, der einen wöchentlichen Austausch mit der Kunstfreundin, Sammlerin und Mäzenin pflegte, gilt dieses Vermächtnis von Todes wegen als unschätzbar. Er versteht es „als große Aufgabe, diese einzigartige Sammlung zu pflegen, zu bewahren und dem Publikum zugänglich zu machen.“ [4] Der städtische Kulturdezernent sprach von einem großem Glückstag. Dieses testamentarische Vermächtnis ist in der mäzenatischen Landschaft einzigartig und setzt in Deutschland in Umfang und Breite neue Maßstäbe. [5]

Durch dieses Vermächtnis von Todes wegen hat die enge Verbindung des Ehepaares Ludwig zur Stadt Köln eine Bedeutung bekommen, die zu einer neuen Verantwortung laut der Vorsitzenden der Peter und Irene Ludwig Stiftung führt:

„Das Museum Ludwig zählt dank der Schenkungen von Peter und Irene Ludwig international zu den bedeutendsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, das in einem Atemzug mit dem Museum of Modern Art in New York oder dem Centre Pompidou in Paris genannt werden kann. Dieses enorme kulturelle Kapital sollte genauso wie die damit verbundene Verantwortung fest im öffentlichen Bewusstsein verankert sein.“ [6]

In der kunstkritischen Literatur wird das kinderlose Sammlerehepaar Irene und Peter Ludwig als ein Paradebeispiel vorgestellt. Als Namensgeber für das Museum Ludwig hatte es kulturpolitische Ambitionen. [7] Das Fundament des heutigen Museums Ludwig legte der Sammler Josef Haubrich durch die Schenkung seiner Sammlung moderner Kunst an die Stadt Köln im Jahr 1946. Durch einen ersten Schenkungsvertrag am 5. Februar 1976 übereignete das Ehepaar Ludwig 350 Werke der 1960er und 1970er Jahre mit zahlreichen Meisterwerken amerikanischer Pop-Art. Diese Schenkung gab den Anstoß zur Gründung des Museums Ludwig. Die Stadt Köln verpflichtete sich einerseits zur Umwandlung der Abteilung 20. Jahrhundert des Wallraf-Richartz-Museums in ein eigenständiges Haus. Andererseits versprach sie den Bau des Museums Ludwig in exponierter Lage zwischen Dom, Hauptbahnhof und Rhein. [8]

Die Motivation des Ehepaares beschrieb Peter Ludwig folgendermaßen:

„Von 1957 an hat es uns angespornt, in Museen durch unsere Erwerbungen Akzente zu setzen, und vollends nach 1968 wurde uns bewusst, was uns vorantrieb: Mit unseren Taten wollten wir Informationslücken schließen. Wir wollten in die Öffentlichkeit bringen, was Bewegung auslöste und den Blick erweiterte. [9]

Zwei weitere Schenkungen folgten. Die Schenkung im Jahr 1994 beinhaltete 90 Werke aus ihrem Picasso Besitz. Diese war mit dem Anspruch verbunden, dem Wallraf-Richartz-Museum ein eigenes Museum zu widmen. Dadurch sollte die Position des Museums Ludwig allein für moderne und zeitgenössische Kunst gestärkt werden. Zur Wiedereröffnung des Museums Ludwig nach Renovierungsarbeiten im Jahr 2001 übereignete die bereits verwitwete Irene Ludwig 774 Werke des spanischen Künstlers. Auf diese Weise ist das Museum Ludwig Eigentümer der drittgrößten Sammlung von Picasso weltweit geworden. Zudem verfügt es über die bedeutendsten Sammlung von Pop Art außerhalb von Amerika. Heute zählt das Museum Ludwig international zu einem der wichtigsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. [10]

Der Problematik des Verkaufs geschenkter Kunstwerke umging das Sammlerehepaar in ihren Schenkungsverträgen mit der Stadt Köln folgendermaßen: Vertraglich hat die Stadt Köln zugesichert, beim Verkauf von Kunstwerken aus der Sammlung Ludwig den erzielten Erlös für Neuerwerbungen der musealen Sammlung einzusetzen. Diese Auflage wurde zudem weiter eingeschränkt, indem im Verlauf eines Jahres nicht mehr als ein Kunstwerk aus der geschenkten Sammlung veräußert werden darf. [11]

Kurz nach dem Tod ihres Mannes im Sommer 1996 hat Irene Ludwig die Peter und Irene Ludwig Stiftung ins Leben berufen. Als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts hat diese ihren Sitz in Aachen. Der Zweck dieser Stiftung liegt darin, Kunstwerke und Kunstgegenstände zu erwerben, zu verwalten sowie Ausstellungen durchzuführen. Ebenso werden Kunstwerke als Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung gestellt. Finanzielle Hilfen für den Erwerb und die Erhaltung von Kunstwerken und Ausstellungsvorhaben sollen gewährt werden. [12] Aus den Erträgen dieser Stiftung werden unter anderem zeitgenössische Kunstwerke angekauft, die dem Museum Ludwig in Köln als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. [13]

Als ein wesentliches Ziel dieser Stiftung gilt die Kooperation mit allen Ludwig-Museen. In Aachen, Bamberg, Basel, Budapest, Koblenz, Köln, Oberhausen, Peking, Saarlouis, Sankt Petersburg und Wien befinden sich Museen und Institutionen, die den Namen Ludwig tragen. Diese bewahren zum Teil äußerst umfangreiche Kunstbestände in Form von Schenkungen oder Dauerleihgaben aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig. Auch durch internationale Kooperationen werden Kunstwerke weltweit in Sonderausstellungen gezeigt. Letztlich bildet die Peter und Irene Ludwig Stiftung ein Vermächtnis zur Sicherung des Fortbestandes der Ideen und Taten des Ehepaares. [12]

  • [1] Irene Ludwig war die Enkelin des Trumpf-Schokoladen-Fabrikants. Ihr Mann Peter Ludwig stieg in das Unternehmen ein und firmierte 1986 die Leonard Monheim AG zur Ludwig Schokolade um. Durch die Eingliederung der Krüger-Gruppe im Jahr 1998 agiert das Unternehmen heute im Wettbewerb auf nationaler und internationaler Ebene.
  • [2] Vgl. Rossmann 2011.
  • [3] Vgl. Pressemitteilung Museum Ludwig 2011.
  • [4] Rossmann 2011.
  • [5] Vgl. ebd..
  • [6] Pressemitteilung Museum Ludwig 2011.
  • [7] Vgl. Herchenröder 2000, S. 302.
  • [8] Vgl. Wilmes 2006, S. 11 ff.; Pressemitteilung Museum Ludwig 2011; siehe auch Museum Ludwig 2013.
  • [9] Engelbach 2011.
  • [10] Vgl. Wilmes 2006, S. 15; Pressemitteilung Museum Ludwig 2011; Museum Ludwig 2013.
  • [11] Vgl. Boochs u. Ganteführer 1992, S. 133.
  • [12] Vgl. Peter und Irene Ludwig Stiftung 2013.
  • [13] Vgl. Engelbach 2011.
  • [14] Vgl. Peter und Irene Ludwig Stiftung 2013.
 
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