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4.4.6 Die Sammlung Goetz und ihre Kooperationen in Bayern

In der Museumslandschaft Deutschland nimmt die Sammlerin Ingvild Goetz durch ihre weltweit renommierte Sammlung zeitgenössischer Kunst eine bedeutende Position als Kunstförderin und Mäzenin ein.

Die heute 72-jährige Sammlerin[1] hat innerhalb von 40 Jahren eine international einzigartige und hoch geschätzte Privatsammlung mit 5000 Kunstwerken aufgebaut. Ihr Schwerpunkt, die Medienkunstsammlung mit einigen hundert Filmen, Videos, Installationen und Dia-Projektionen aus den späten 1990er Jahren bis in die Gegenwart, zählt zu den weltweit bedeutendsten dieser Art. [2] Kunst zu sammeln, begann die Sammlerin mit Werken der Kunstbewegung Arte Povera. Am Puls der Zeit entwickelte sie eine Sammlungsstrategie, die bis heute auf zwei Säulen basiert. Einerseits konzentriert sie sich auf die jeweilige Gegenwart, auf die junge Generation von Künstlern. Andererseits geht es ihr um das Weiterverfolgen und Vervollständigen der in der Sammlung präsenten Künstlern. Neben der Medienkunst befinden sich zahlreiche Werke der amerikanischen Malerei der 1990er Jahre, der Young British Artists sowie die junge deutsche Malerei in der Sammlung. [3]

Ende der 1980er Jahre entstand der Wunsch, die Kunstwerke in einem privaten Raum, aber doch museal präsentieren zu können. Die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Neuron wurden für die Konzeption des Hauses beauftragt. Das private Museum wurde 1993 eröffnet. Die abgestimmten räumlichen Dimensionen dienen der gewünschten sehr persönlichen Begegnung mit der Kunst. Obwohl dieser Museumsbau nicht für die Öffentlichkeit geplant war, sah die Sammlerin die Chance, Teile ihrer immer größer werdenden Sammlung einem öffentlichen Publikum zu zeigen. Zeitgenössische Kunst zu sammeln, bedeutet für sie ebenso, diese öffentliche zu zeigen. Professionell wird das Museum von einem Team geführt, welches sich unter anderem um die Besucher, um Publikationen und den internationalen Leihverkehr kümmert. Das Museum verfügt über eigene Lagerräume, die unter klimatischen Bedingungen die verschiedenen Medien unter ständiger Begutachtung optimal bewahren. Auf die sehr spezielle Lagerung und langfristige Sicherung der Medienkunstsammlung wird ein besonderer Schwerpunkt gelegt. Die verschiedenen Arbeitsbereiche, die den beschriebenen musealen Dimensionen nahe kommen, basieren auf der Initiative und Leidenschaft der Sammlerin. [4]

Durch ihre langjährige Sammlungstätigkeit hat sich die Sammlerin zu einer Expertin zeitgenössischer Kunst entwickelt. Zweimal jährlich realisiert sie mit ihrem Team Ausstellungen aus ihren Sammlungsbeständen in ihrem Privatmuseum. Zudem wurden Teile ihrer zeitgenössischen Kunstsammlung bereits in Form von Kooperation mit verschiedenen Ausstellungshäusern in Deutschland präsentiert. [5] Die aktuelle Kooperation mit dem Haus der Kunst in München sowie das im September 2013 verkündete Schenkungsversprechen des Museumsbaus und Teile der Medienkunstsammlung an den Freistaat Bayern werden in den folgenden Abschnitten detailliert besprochen.

  • [1] Ingvild Goetz ist die erste Tochter des Versandhausunternehmers Werner Otto.
  • [2] Vgl. Pressemitteilung Sammlung Goetz 2013b.
  • [3] Vgl. Schumacher 2014; Pressemitteilung Sammlung Goetz 2013a; siehe auch Sachs 2013.
  • [4] Vgl. Schumacher 2014. Siehe zur weiteren Auseinandersetzung des Erfolgs von deutschen Privatmuseen Ridler 2012; Heckmüller 2011; Independent Collectors and BMW 2013.
  • [5] Vgl. Schumacher 2014; Pressemitteilung Haus der Kunst 2011.
 
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