< Zurück   INHALT   Weiter >

Die Kooperation mit dem Haus der Kunst

Das Haus der Kunst in München zeigt in Wechselausstellungen seit 2011 für mindestens drei Jahre Teile der auf museale Größe angewachsenen privaten Videokunstsammlung der Sammlerin Ingvild Goetz. [1]

Auch das Bayerische Kulturreferat wollte die Videosammlung für München gewinnen und öffentlich zeigen. Um die laufenden Unterhaltskosten decken zu können, wurde anfangs noch ein weiterer Partner gesucht. Doch die Sammlerin selbst war bereit, sich als Kooperationspartnerin an den laufenden Kosten zu beteiligen, um eine Präsentation ihrer Sammlung in den vorhandenen Ausstellungsräumen zu realisieren. [2]

Somit wurde zwischen der Sammlerin, dem Haus der Kunst und dessen Träger dem Freistaat Bayern ein individualisierter Kooperationsvertrag geschlossen. Dieser beinhaltet folgende Vereinbarungen: Da die Räume und Infrastrukturen für eine Dauerausstellung der Sammlung vorhanden sind, hat der Freistaat Bayern keine Baukosten zu tragen. Das Haus der Kunst trägt die gewöhnlichen Kosten für die Instandhaltung der vierzehn Ausstellungsräume, die es im Luftschutzkeller des Haues zur Verfügung stellt. Kooperativ stellt die Sammlerin ihre Kunstwerke der Medienkunst zur Verfügung. Zusätzliche Kosten für Lagerung, Restaurierung, Transport, Versicherung und Handhabung von Leihgaben fallen für den Leihnehmer nicht an. Die Sammlerin beteiligt sich zudem mit einem festgelegten Betrag an allen laufenden Kosten. Erzielte Einnahmen durch Eintrittsgelder werden dem Haus der Kunst zugesprochen. Das kunstpädagogische Medienprogramm für Jugendliche bezieht sich ebenso auf diese Dauerausstellung. [3]

Die Sammlerin betont, dass ihr die Zusammenarbeit zwischen einer öffentlichen Institution und einer Privatsammlung wichtig ist. Gemeinsam wollen die Kooperationspartner das Projekt realisieren, für welches sie sich einsetzen. Die Kosten sowie die Ausstellungen werden geteilt. Die Sammlerin hebt hervor, dass sie in dieser Partnerschaft das Haus der Kunst niemals zu etwas zwingen würde. Die gemeinsame Kommunikation steht im Vordergrund. [4]

„Kein Museum sollte sich fest an einen Sammler binden, sondern immer die Möglichkeiten haben, unabhängig zu sein. Das Museum muss das letzte Wort haben und der Sammler muss sich dem Museum fügen, nicht umgekehrt.“ [5]

Die Kooperation stellt für beide Partner ein neues Modell dar. Da das Haus der Kunst keine eigene Sammlung besitzt, ist es daher eine besondere Aufgabe und Herausforderung, mit dieser bedeutenden Sammlung zu arbeiten. Die Sammlerin ist dafür bekannt, dass sie ihre Kunstsammlung der Öffentlichkeit präsentiert.

„Die Option, dass [sie] noch kontrollieren kann, ob die Sammlung in guten Händen ist, möchte [sie] schon haben.“ [6]

Daher ist es für sie von Bedeutung, die Sammlung vor Ort in ihrer Heimatstadt zu belassen.

Dieses Beispiel verdeutlicht, auf welche Art und Weise Privatsammler mit Ausstellungshäusern kooperativ Ausstellungsprojekte realisieren. Gemeinsam befürworten die Kooperationspartner die Kunstvermittlung der Videosammlung und setzen sich dafür organisatorisch und finanziell ein. Diese Kooperation ist durch das mäzenatische Handeln der Sammlerin geprägt.

  • [1] Vgl. Pressemitteilung Haus der Kunst 2011.
  • [2] Vgl. Vogel 2011.
  • [3] Vgl. Pressemitteilung Haus der Kunst 2011.
  • [4] Vgl. Pschak 2011.
  • [5] Vogel 2011.
  • [6] Sonna 2011, S. 86.
 
< Zurück   INHALT   Weiter >