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Finanzielle Interessen

Wie in Kapitel 3.5 detailliert erklärt, haben die öffentlichen Museen finanzielle Schwierigkeiten, eigenständig zeitgenössische Kunst anzukaufen. Sie sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft derartige zeitgenössische Kunstsammlungen aufzubauen, wie es auf privater Seite realisierbar ist. Daher steht der finanzielle Vorteil im Fokus, wertvolle Privatsammlungen durch Kunstüberlassungen oder Kunstübereignungen dem eigenen Sammlungsbestand hinzuzufügen. Dass bei einer Schenkung oder einem Vermächtnis von Todes wegen die Schenkungund Erbschaftsteuer aufgrund der Gemeinnützigkeit des Museums entfällt, stellt einen weiteren finanziellen Vorteil dar. Der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin PeterKlaus Schuster ist der Ansicht, dass es aufgrund der finanziellen Situation der Museen die einzige Strategie sei, Sammler zu sammeln. Die Sammler geben die Kunst und das öffentliche Museum bietet das Gebäude und den Betrieb. [1]

Allerdings sind nicht alle privaten zeitgenössischen Sammlungen so wertvoll, dass sie eine der Kooperationsformen ohne Weiteres rechtfertigen. Der Museumsdirektor muss sich bei jeder Art von Kooperationsform die Sammlungen im Detail anschauen. Für den öffentlichen Museumsbetrieb und für den Träger ist es entscheidend, ob die Übernahme einer gesamten Privatsammlung mit den verbunden Transport-, Lager-, Versicherungsund Restaurierungskosten sinnvoll ist. Von Beginn an sollte zwischen den Parteien – Museum, Träger und Privatsammler – geklärt werden, wie die anfallenden Kosten finanziert werden. [2] Fraglich ist, ob sich ein Privatsammler grundsätzlich bereit erklärt, sich kooperativ an Kosten zu beteiligen. Inwieweit eine Auflage wie beispielsweise ein Erweiterungsbau oder ein Neubau für eine ausgeliehene, geschenkte oder vererbte Sammlung finanziell vernünftig erscheint, ist ebenso zu überprüfen. Im Vergleich zu den üblichen Beständen, die zu 90% im Depot gelagert werden, wäre ein Neubau nicht für jede angebotene Privatsammlung für die Öffentlichkeit nachvollziehbar. [3] Auch hierbei gilt es abzuwägen, ob die Sammlung diese Erweiterung rechtfertigt und ob diese Schritte für die Zukunft der Museumsinstitution effektiv sind.

Bei jeder Art von Kooperationsform ergibt sich die Möglichkeit, die private Sammlung besonders zu präsentieren. Oftmals werden Ausstellungsräume oder Erweiterungsbauten für die ehemals private Sammlung in einem öffentlichen Museum eingerichtet. Mit Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und Sammlungspräsentationen werden Kulturprodukte auf dem Markt angeboten, die hohe Besucherzahlen mit entsprechenden Einnahmen versprechen. [4] Für die Museumsinstitution kann sich eine Einbindung einer privaten zeitgenössischen Kunstsammlung wie ein Besuchermagnet auswirken. Aus Sicht des Städtetourismus stellt diese Integration einen Vorteil dar. Es liegt in der Hand des Museums, diese private Sammlung entsprechend zu vermarkten und professionell in das Image des Museums zu verankern.

  • [1] Vgl. Jocks 2011, S. 35.
  • [2] Vgl. Raue 2006, S. 8; Loschelder u. Müller 2011, S. 87.
  • [3] Vgl. Lammert 2007, S. 13.
  • [4] Vgl. Loschelder u. Müller 2011, S. 87.
 
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